Wirtschaft
Der IWF hat seine Wachstumsprognosen nach unten korrigiert - auch wegen Krisen wie in der Ukraine.
Der IWF hat seine Wachstumsprognosen nach unten korrigiert - auch wegen Krisen wie in der Ukraine.(Foto: AP)

Kein Lob mehr für Deutschland: Krisenherde versetzen IWF in Sorge

Ukraine-Krise, IS-Terror, Überhitzung der Finanzmärkte - nur drei Gründe, warum der Weltwirtschaftsausblick des IWF enttäuscht. Die Ökonomen finden mahnende Worte. Auch für Deutschland.

Olivier Blanchard muss es allmählich leid sein. Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatte erneut die Aufgabe, der Welt zu erklären, warum seine Organisation ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum abermals senken musste - wie so oft in den vergangen Jahren.

Man sei wieder einmal zu zuversichtlich gewesen, deutete Blanchard an. "Das Tempo des Wachstums hat enttäuscht" heißt das im vorsichtigen, weniger selbstkritischen IWF-Sprachgebrauch. Die stetigen Korrekturen nach unten kratzen vielleicht am Selbstvertrauen, ganz sicher aber am Optimismus der Währungsfonds-Ökonomen, denn so düster klang ihre Analyse lange nicht mehr.

Sind die Finanzmärkte zu heiß?

Eine große Sorge sei, dass die Erholung in der Eurozone stagniere. Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine oder in Nahost könnten weit über die betroffenen Gebiete hinaus ökonomischen Schaden anrichten, etwa durch steigende Energiepreise. Riskant sei zudem eine mögliche Überhitzung der Finanzmärkte. Die hohen Börsenkurse würden nicht die Zerbrechlichkeit der wirtschaftlichen Erholung widerspiegeln.

In dem am Dienstag vorgelegten Weltwirtschaftsausblick senkte der IWF seine Prognose des globalen Wachstums für dieses Jahr auf 3,3 Prozent. Im April war der Wert noch 0,4 Prozentpunkte höher. Auch für 2015 korrigierte der IWF seine Aussichten nach unten und rechnet nun mit 3,8 Prozent Wachstum.

Noch im April war der IWF voller Lob für Deutschland, sprach gar von "Aufwärtsrisiken", also von der Möglichkeit eines noch stärkeren Wachstums in Europas größter Volkswirtschaft. Davon ist nun keine Rede mehr, auch hier waren die Währungsfonds-Analytiker wohl zu optimistisch.

Deutschland soll investieren

Für Deutschland sieht der IWF eine schlechtere Entwicklung als angenommen. So dürfte das Wachstum dieses Jahr lediglich 1,4 Prozent betragen. Das ist eine Absenkung von 0,5 Prozentpunkten seit dem letzten Zwischenbericht der Einrichtung im Juli. 2015 soll die Konjunktur in Deutschland um 1,5 Prozent wachsen, statt wie bisher vom Währungsfonds vorausgesagt um 1,7 Prozent. Die IWF-Volkswirte empfehlen der Bundesrepublik öffentliche Investitionen in Infrastruktur, vor allem für die Instandhaltung und Modernisierung.

Deutschland habe seinen Staatshaushalt saniert und könne sich solche Ausgaben leisten, ohne Defizitvorschriften des Stabilitätspakts zu verletzen. Für die Eurozone erwartet die Organisation 0,8 Prozent Wachstum in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Beide Werte wurden deutlich gesenkt. Große Abstriche macht der IWF bei Italien und Frankreich. Die spanische Wirtschaft sieht er dagegen auf einem stabilen Weg.

"Es besteht das Risiko, dass die Erholung in der Eurozone stagniert", schreibt IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Man gehe zwar nicht davon aus und erwarte weiterhin eine langsame Verbesserung der Lage. "Aber sollte dieses Szenario wahr werden, würde es ein großes Problem werden."

Quelle: n-tv.de

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