Wirtschaft
Hat wenig gute Nachrichten in diesen Tagen: Konzernchef Peter Terium.
Hat wenig gute Nachrichten in diesen Tagen: Konzernchef Peter Terium.(Foto: REUTERS)

Dividendenkappung und Sparprogramm: Krisenmodus bei RWE erreicht nächste Stufe

Der Energiekonzern RWE zückt den ganz dicken Rotstift: Den Aktionären wird die Dividende zusammengestrichen und nachhaltig gekürzt. Auf die Mitarbeiter kommt wohl eine weitere Sparrunde zu. Hoffnung auf Besserung macht der Konzern nicht.

Die Krise beim Energieriesen RWE trifft jetzt auch Mitarbeiter und Aktionäre: Der Versorger will den Aktionären die Dividende kürzen und verlangt von den Beschäftigten weitere Sparbeiträge. In seiner Mitteilung kündigt der Konzern zudem "zusätzliche Kostensenkungsmaßnahmen einschließlich Beiträgen von Arbeitnehmern und Management" an. Im Detail will der Versorger darüber aber erst im November informieren.

Der Versorger will vor "dem Hintergrund der verschlechterten Ertragsperspektiven in der konventionellen Stromerzeugung" für das laufende Geschäftsjahr 2013 eine Dividende von einem Euro je Stamm- und Vorzugsaktie ausschütten, wie der Konzern mitteilte. Im Vorjahr hatten die Anteilseigner noch zwei Euro je Anteilsschein erhalten.

Darüber hinaus änderte der Konzern für die Folgejahre seine Dividendenpolitik: Künftig soll sich die Dividende an einer Ausschüttungsquote von 40 bis 50 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses orientieren - weniger als bislang. Denn zuvor lag die Ausschüttungsquote zwischen 50 und 60 Prozent. Seine Jahresprognose bekräftigte der Konzern.

Jahresziele bestätigt

Das Unternehmen gehe weiter davon aus, dass das EBITDA bei rund neun Milliarden Euro liegen werde. Das betriebliche Ergebnis werde weiter bei rund 5,9 Milliarden Euro und das nachhaltige Nettoergebnis bei etwa 2,4 Milliarden Euro erwartet, teilte RWE mit.

Im Frankfurter Spezialistenhandel gerieten die Aktien von RWE in Reaktion auf die Mitteilung unter Druck. Notierten sie unmittelbar davor noch bei 25,56 Euro, so fielen danach von diesem Niveau um knapp 3 Prozent auf 24,80 Euro zurück.

Die Einschnitte bei der Dividende kommen angesichts der Schuldenlast von RWE nicht überraschend: Den Konzern drückten zum Ende des ersten Halbjahres Verbindlichkeiten von rund 35 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung lag damit deutlich mehr als zweimal so hoch wie das Eigenkapital von 15,66 Milliarden Euro.

Neuen Spielraum erhofft sich der Versorger durch den Verkauf seiner Ölfördersparte Dea. Der allerdings könnte sich nach Ansicht von Beobachtern etwa wegen der unsicheren Lage im Förderland Ägypten länger als geplant hinziehen. Zudem kann RWE angesichts der Energiewende nicht mehr auf üppige Gewinne aus der Stromerzeugung hoffen. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen. Das müssen wir auch bei der Dividendenpolitik berücksichtigen", zitierte RWE seinen Vorstandsvorsitzenden Peter Terium. Die Dividendensenkung will Terium den Angaben zufolge denn auch nutzen, um die Schulden abzubauen.

Stellenabbau geplant?

Doch auch im operativen Geschäft sollen weitere Einschnitte folgen. "Alle im Unternehmen werden ihren Beitrag zur langfristigen Sicherung der Finanzkraft leisten - und keineswegs nur die Eigentümer", sagte Terium. Ein Sprecher ließ Berichte über den Abbau von mehreren Tausend Stellen in der Stromerzeugungssparte und Nullrunden für die Beschäftigten unkommentiert. Der Versorger kündigte aber an, am 14. November, dem Tag der nächsten Quartalszahlen-Veröffentlichung also, über "Beiträge von Arbeitnehmern und Management sowie über Investitionskürzungen und die voraussichtliche Ergebnisentwicklung in der Zeit nach 2013" zu informieren.

RWE dürfte im November einen "Neo" genannten Sparplan für die Stromerzeugungssparte vorstellen. Das Unternehmen habe mit Arbeitnehmervertretern Gespräche über erhebliche Kostensenkungen bei der Stromerzeugungssparte vereinbart, hatte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Ende Juli dem Wall Street Journal Deutschland gesagt.

Schon mit dem Programm "RWE 2015" will der Konzern die eigenen Kosten bis zum Ende des Jahres 2014 um rund eine Milliarde Euro senken.

Quelle: n-tv.de

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