Wirtschaft
Investoren zeigen dem "sicheren Hafen" Deutschland auf den Anleihemärkten erstmals seine Grenzen auf.
Investoren zeigen dem "sicheren Hafen" Deutschland auf den Anleihemärkten erstmals seine Grenzen auf.(Foto: picture alliance / dpa)

"Anleger sollten reagieren" : Krisenspuren an "Bunds" und Gold

Die schleppende Nachfrage nach den sicheren "Bunds" ist ein Schock. Sie wirft die Frage auf, wie tief Deutschland bereits in den Sog der europäischen Schuldenkrise hineingeraten ist. Selbst der Goldpreis zeigt Spuren der Krise. Wie sollen sich Anleger verhalten? Mikey Fritz, Portfoliomanager ICM Investmentbank, setzt darauf, dass die Eurozone ihre Probleme in den Griff bekommt, rät aber Unternehmensanleihen vorerst Staatsanleihen vorzuziehen.

Mikey Fritz, Portfolio-Manager, ICM Investmentbank AG
Mikey Fritz, Portfolio-Manager, ICM Investmentbank AG

n-tv.de: Deutschland wird plötzlich seine vermeintlich sicheren Bundesanleihen nicht mehr los. Was bedeutet das?

Mikey Fritz: Eine Schwalbe macht sicherlich noch keinen Sommer. Die missglückte Auktion ist jedoch ein erstes, ernst zu nehmendes Warnsignal, dass sich der Status Deutschlands als sicherer Hafen im Euroraum auch ändern kann. Insbesondere dann, wenn sich die Politik auf die Emission von Euro-Bonds einigt.

Gold als sichere Währung ist ebenfalls auf dem absteigenden Ast. Trotz eskalierender Eurokrise und trotz Käufen von Notenbanken kostet eine Unze wieder unter 1700 Dollar. Warum?

Hier muss zwischen kurzfristig und mittelfristig wirkenden Faktoren unterschieden werden. Kurzfristig steht für zahlreiche institutionelle Adressen die Hebung von Liquidität im Vordergrund, was in Phasen erhöhter Volatilität immer die Wertpapiere trifft, die sich am besten liquidieren lassen. Auf gut Deutsch: Es wird verkauft, was sich noch gut verkaufen lässt. Mittelfristig bleibt Gold jedoch solange im Fokus als Ersatz für Staatsanleihen, wie diese extrem niedrige Renditen aufweisen. Sowohl im Dollar- als auch im Euroraum.

Warum zieht der Kapitalmarkt die USA den Euro-Ländern vor? 

Der Kapitalmarkt sucht immer eine möglichst hohe Kalkulierbarkeit der Risiken bei gleichzeitiger Möglichkeit ohne Kursbeeinflussung mit sehr großen Summen ein- und aussteigen zu können. Beide Punkte erfüllen die USA, auch wenn die fundamentalen Probleme im Hinblick auf die Staatsverschuldung die US-Politik vor ähnlich schwere Entscheidungen stellt wie die Europäer. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass die USA nur eine Regierung hat und somit klarere Botschaften nach außen senden. Das honoriert der Kapitalmarkt.

Sind die USA  immun solange es die Leitwährung Dollar gibt?

Tendenziell ja. Die Größe und Tiefe des Marktes macht den Dollar einzigartig. Institutionelle Adressen haben in schwierigen Marktphasen daher keine Alternative zu Dollar-Wertpapieren. Das macht die USA ein Stück weit immun. Die Einführung des Euros brachte Erleichterung und einen Wandel vom Mono- zum Duopol. Die Attraktivität des Duos ist trotz ihrer Dominanz aktuell jedoch begrenzt, denn die parallel verlaufenden Staatskrisen in den USA und Europa lassen den Investoren im Grunde nur die Wahl zwischen zwei hässlichen Schwestern. Ein entscheidender Baustein zu einer weiteren Diversifikation am Devisenmarkt wird die freie Konvertierbarkeit des chinesischen Renminbi sein, die bis 2015 abgeschlossen sein soll. Solange bleibt die Dominanz von Euro und Dollar bestehen.

Was empfehlen Sie den Anlegern?

Zu reagieren. Bis Europa seine Krise in den Griff bekommen hat und die Konjunktur sich wieder stabilisiert, sind am Anleihemarkt lange Laufzeiten und zu schwache Ränge zu meiden und stattdessen kurze Papiere zu bevorzugen Das reduziert oberflächlich betrachtet zwar die Verfallsrendite, führt aber letztlich zu einer höheren Performance. Denn nur so lässt sich ein Portfolio auch in Zeiten starker Volatilität nachhaltig stabilisieren und das Kapital bleibt erhalten. Kurzum: Wir ziehen gute Unternehmensanleihen mit überschaubaren Restlaufzeiten den Staatsanleihen vor und setzen auf ein Fortbestehen des Euroraums.

Mit Mikey Fritz sprach Diana Dittmer

Quelle: n-tv.de

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