Wirtschaft

Insiderhandel beim Lubrizol-Deal?Kronprinz blamiert Buffett

31.03.2011, 06:59 Uhr
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Aktiengeschäfte mit "Geschmäckle": David Sokol. (Foto: REUTERS)

Warren Buffet muss sich nach einem neuen Nachfolger umsehen: Sein bisheriger Lieblingskandidat für den Chefposten bei Berkshire Hathaway soll die Investmentlegende als Hebel für die eigene Rendite benutzt haben. David Sokol geht angeblich freiwillig.

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Als ob man bei ihm nicht schon genug verdienen könnte: Warren Buffett. (Foto: AP)

Der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge von US-Starinvestor Warren Buffett als Chef der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway ist nach einem umstrittenen Aktienkauf zurückgetreten. Buffett erklärte, David Sokol habe Aktien des gekauft und ihm anschließend eine Übernahme der Firma empfohlen. Buffett betonte, er habe Sokol nicht entlassen und dieser habe seiner Ansicht nach bei dem Aktienkauf auch nicht gegen Gesetze verstoßen.

Buffett hatte Lubrizol Mitte des Monats für 9 Mrd. Dollar gekauft. Die Übernahme des international bislang wenig bekannten Unternehmens hatte in der Finanzbranche große Aufmerksamkeit erregt. Die nun bekannt gewordenen Umstände des Geschäfts wecken Zweifel am Weitblick der Entscheidung, die bislang als wohlüberlegter Zugriff eines legendären Investors galt, der schon häufig "den richtigen Riecher" bewiesen hatte.

Durch den Kauf von Lubrizol-Aktien kurz vor Bekanntgabe der Übernahmepläne brachte sich Sokol in eine sehr vorteilhafte Lage: In der Regel zieht der Aktienkurs eines Übernahmeziels kräftig an. Strenge gesetzliche Regeln für Führungskräfte sollen solche unfairen Geschäfte mit dem Wissensvorsprung von Insidern eigentlich verhindern.

Mit den Details zu Sokols privaten Aktienkäufen steht das gesamte Lubrizol-Geschäft im Verdacht, mehr den Eigeninteressen eines Buffett-Angestellten gedient zu haben als dem wirtschaftlichen Wohl der Investmentgesellschaft und seinen Aktionären.

Analysten bewerteten den Rücktritt Sokols dann auch als schweren Schlag für den Ruf von Warren Buffett. Buffett konnte sich bislang der Transparenz seiner Geschäfte rühmen. Die Aktien von Berkshire Hathaway gaben in Folge des Rücktritts nachbörslich 3 Prozent nach.

Quelle: mmo/rts