Wirtschaft
LMVH-Chef Bernard Arnault war wieder mal in Italien shoppen.
LMVH-Chef Bernard Arnault war wieder mal in Italien shoppen.(Foto: picture alliance / dpa)

Teure Einkaufstour: LVMH gönnt sich Kaschmir-Edelmarke

Italien ist ein Einkaufsparadies für gehobene Ansprüche. Das weiß auch der französische Luxusgüter-Konzern und geht erneut shoppen. Nach einem Juwelier spendiert er sich nun eine Manufaktur für Edelwolle.

Der französische Luxusgüter-Konzern LVMH hat auf Shopping-Tour erneut in Italien zugeschlagen. Für zwei Milliarden Euro sicherte sich die Nummer 1 der Luxus-Branche 80 Prozent der italienischen Kaschmir-Edelmarke Loro Piana und stärkt damit auch seine Präsenz auf dem boomenden asiatischen Markt. Vor allem die Chinesen greifen trotz des abgeflauten Wirtschaftswachstums unvermindert nach den Pullis und Jacken des italienischen Herstellers. Erst vor zwei Jahren hatte sich LVMH den italienischen Juwelier Bulgari für 3,7 Milliarden Euro einverleibt. Auch Italiens Edelmarken Fendi und Emilio Pucci gehören längst zum Imperium des  LVMH-Chefs Bernard Arnault.

Mit Loro Piana erhält LVMH Zutritt zu dem heiß umkämpften Markt hochwertiger Woll-Waren und Edelgarne. Das 1924 in Norditalien als Wollfabrik gegründete Familienunternehmen ist nach LVMH-Angaben mittlerweile der größte westliche Hersteller von Kaschmir-Erzeugnissen und Baby-Kaschmir. Zudem ist der Betrieb auf besonders seltene Stoffe spezialisiert wie etwa Wollwaren von Vicunas. Die den Lamas ähnlichen Tiere leben in den Anden - ein Mantel aus Vicuna-Wolle ist für etwa 14.000 Euro zu haben. Auch Fasern aus Lotusblumen werden von Loro Piana verarbeitet.

Kashmir-Hersteller ignoriert Konjunkturabkühlung

Ihre Artgenossen in den Anden arbeiten nun für LVMH - Vincunas liefern Kaschmir-Wolle.
Ihre Artgenossen in den Anden arbeiten nun für LVMH - Vincunas liefern Kaschmir-Wolle.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Damit treffen die Italiener offenbar den Geschmack wohlhabender Asiaten, denn knapp ein Drittel des Geschäfts macht Loro Piana mittlerweile dort. Während Gucci und die LVMH-Tochter Louis Vuitton die Wirtschaftsabkühlung zu spüren bekommen haben, ist die Nachfrage nach Loro Piana-Artikeln etwa in China unvermindert hoch. Mit zweistelligen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren soll der italienische Neuzugang das eingedampfte Wachstum anderer Luxusmarken von LVMH etwa bei Louis Vuitton ausgleichen. In diesem Jahr erwartet Loro Piana ein Wachstum von etwas über zehn Prozent, nach einem Plus von rund 13 Prozent auf 630 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr dürften dann rund 700 Millionen Euro erlöst und ein Ebitda von gut 20 Prozent - also mehr als 140 Millionen Euro - erwirtschaftet werden.

Auch nach der Übernahme soll die Familie Sergio und Pier Luigi Loro Piana noch mit 20 Prozent an Loro Piana beteiligt bleiben und zudem ihre Positionen im Management behalten. LVMH will die Präsenz der Marke weltweit ausbauen und auch das Geschäft mit Lederwaren erweitern. Der Einstieg wurde von Investoren offenbar positiv bewertet: LVMH-Aktien legten zu Handelsbeginn knapp zwei Prozent zu.

Zum Luxus-Hersteller LVMH gehören exklusive Weine und Spirituosen wie Moët & Chandon, Dom Pérignon, Veuve Clicquot Ponsardin, Hennessy und Glenmorangie. Ihre Mode- und Lederprodukte sind unter anderem unter den Marken Louis Vuitton sowie Céline, Fendi und Berluti zu finden. Weitere Luxusgüter sind Parfüme und Kosmetika sowie Uhren.

"Der Preis ist gepfeffert, aber es ist ein ziemlich einzigartiges Geschäft", sagte Analyst Paul Swinand von Morningstar. Durch den Deal habe LVMH seinen Fokus auf das Premiumluxussegment bekräftigt, wie Morgan Stanley sagte. Die Übernahme sei positiv zu werten und dürfte sich von Beginn an gewinnsteigernd auswirken. Die Bank erwartet dadurch ein um ein Prozent höheres Wachstum des Gewinns je Aktie ab 2014. Der Kaufpreis sei zwar eine Herausforderung, müsse allerdings im Vergleich zu Konkurrenten von Loro Piana und der einzigartigen Position des Unternehmens gesehen werden. LVMH bleibt damit aus Sicht der Bank weiter der attraktivste Wert bei Luxusgütern.  Dem Deal müssen noch die Kartellwächter zustimmen.

 

Quelle: n-tv.de

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