Wirtschaft
Sehr niedrige bringen viele Höfe in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Sehr niedrige bringen viele Höfe in wirtschaftliche Schwierigkeiten.(Foto: dpa)

26 Cent pro Liter Milch: Landwirte kämpfen ums Überleben

Zwischen 55 und 59 Cent kostet der Liter Milch den Verbraucher im Durchschnitt beim Discounter. Beim Landwirt kommen davon im Moment weniger als 30 Cent an - zu wenig für die Betriebe, um langfristig über die Runden zu kommen.

Die Stimmung auf dem Hof von Albert Schulte to Brinke könnte idyllischer kaum sein. Dampfend steigt der Atem von Dutzenden Kühen auf, es ist ein kalter, nebliger Morgen in Bad Iburg im Teutoburger Wald südlich von Osnabrück. Doch tatsächlich drücken den 60-Jährigen und seine Kollegen in ganz Deutschland große Sorgen. Denn der Milchpreis ist im Keller. Gerade einmal 25,8 Cent pro Liter bekomme er, erzählt der Landwirt. "Auskömmlich ist das nicht."

Auch Bauernverbände zeichnen kein rosiges Bild. Milchvieh- und Schweinehalter erleben schon seit Längerem, dass die Erzeugerpreise nach unten gehen. Auch im Ackerbau läuft es derzeit nicht richtig rund. Einige Landwirte helfen sich mit Einkünften zum Beispiel aus der Biogaserzeugung, andere haben noch Rücklagen. Aber viele sind auf Kredite angewiesen, um die laufenden Kosten zu schultern.

Albert Schulte to Brinke plagen viele Sorgen.
Albert Schulte to Brinke plagen viele Sorgen.(Foto: dpa)

Für die Verbraucher in Deutschland seien die Milchpreise mit 73 Cent je Liter die günstigsten in Europa nach Portugal, im Discount lägen sie sogar bei nur 55 bis 59 Cent je Liter, sagt Schulte to Brinke, der im Präsidium des Landvolks Niedersachsen sitzt. Dabei könnte der Einzelhandel besser zahlen, meinen er und seine Kollegen. Aber die Marktmacht einiger weniger Konzerne nehme weiter zu, sagt der Landwirt und verweist auf die gegen den Rat des Kartellamtes genehmigte Fusion von Edeka und Kaiser's Tengelmann.

Hinzu kommt das russische Importverbot. "Allein das Russland-Embargo macht vier Cent pro Liter aus." Das seien rund 4000 Euro Verlust für seinen Betrieb pro Monat, rechnet Schulte to Brinke vor. Ähnlich ist die Stimmung auch im Süden Deutschlands, in Salem am Bodensee. Dort hofft der Landwirt Uwe Bauer, dass die Wertschätzung für Lebensmittel in Deutschland wieder steigt. Er rechne ohnehin damit, dass der Milchpreis in den kommenden Monaten noch weiter sinke. "Die Einzelhändler setzen alles daran, um den Preis zu drücken, wo es nur geht", sagt Bauer. Beim Verbraucher komme der niedrige Preis aber gar nicht an: "Im Regal kostet der Liter genau gleich viel. Nur die Marge für den Einzelhandel wird größer."

40 Cent pro Liter sind nötig

Bauer bewirtschaftet seinen Hof gemeinsam mit den Eltern, ab und an hilft seine Frau mit aus. Rund 100 Milchkühe hat die Familie, jedes Jahr liefern sie rund 700 000 Liter Milch. Mit dem Preis, den er derzeit dafür bekommt, macht Bauer unter dem Strich Verluste. "Die Landwirtschaft ist zäh", sagt er nur dazu. "Sie kann lange von der Substanz leben. Aber irgendwann ist die aufgebraucht."

Welchen Milchpreis bräuchten die Bauers denn, um wirtschaftlich arbeiten zu können? "40 Cent beim Bauern auf die Hand", sagt der Landwirt. "Ich denke, das ist ein Preis, der für so ein hochwertiges Nahrungsmittel auf keinen Fall zu viel ist." Mit 40 Cent pro Liter mache ein Milchbauer zwar noch keine großen Sprünge, "aber er lebt leichter".

Lebensmittel müssten in der deutschen Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert bekommen, sagt Bauer. "Der Mensch verdient Geld, um leben zu können, also sollte er meiner Meinung nach mindestens zwei Drittel seines Gehalts für Lebensmittel ausgeben. Das werden wir aber in Deutschland nie schaffen." Die Politik setze eher alles daran, dass das Leben möglichst billig sei, kritisiert er. "Aber wenn man mal sieht, was ein Landwirt leistet, ist das, was er am Ende verdient, ein Hohn."

Einen kleinen Silberstreif sehen indes die Schweinemäster: Vor Ostern steigt die Nachfrage nach wertvolleren Teilstücken wie Lachs und Schinken wieder. Auch das Exportgeschäft nach China scheint besser zu laufen als noch zu Jahresbeginn. Dennoch sind die Erlöse der Betriebe derzeit alles andere als kostendeckend, rechnet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vor: Ein Schwein bringt im Schnitt als Erlös 121 Euro, aber die Mast kostet den Landwirt 149 Euro - macht einen Verlust von 28 Euro.

Quelle: n-tv.de

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