Wirtschaft
Hat die Bewerbungsunterlagen beieinander: Lettlands Premier Valdis Dombrovskis.
Hat die Bewerbungsunterlagen beieinander: Lettlands Premier Valdis Dombrovskis.(Foto: REUTERS)

Beitrittspläne im Baltikum: Lettland drängt in den Euro

Mitten in schwierigen Zeiten bekommt der Kreis der 17 Euro-Staaten moralische Verstärkung: Im Nordosten Europas bewirbt sich ein aufstrebende Volkswirtschaft um Aufnahme. Extra befragt werden die Letten allerdings nicht.

Bis zum Riga City Festival dürfte die EZB-Entscheidung feststehen: Das Sommerfest in der lettischen Hauptstadt beginnt Mitte August.
Bis zum Riga City Festival dürfte die EZB-Entscheidung feststehen: Das Sommerfest in der lettischen Hauptstadt beginnt Mitte August.(Foto: REUTERS)

Lettland will im März den offiziellen Antrag auf Beitritt zur Eurozone einreichen. Das kündigte Ministerpräsident Valdis Dombrovskis vor dem Parlament in Riga an. Demnach soll der Antrag zunächst der EU-Kommission übermittelt werden, um dann eine Befürwortung durch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im Juni und ein positives Votum der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli zu erreichen.

Lettland strebt den Beitritt zur Eurozone als 18. Mitglied zum 1. Januar 2014 an. Mit Beginn des neuen Jahres soll der gesamte Bargeldverkehr - wie einst bei der Einführung des Euro in Deutschland Anfang 2002 - binnen weniger Tage vom lettischen Lat auf nagelneue Euro-Münzen und Scheine umgestellt werden. Forderungen der linksgerichteten Opposition nach einem Referendum über die Euro-Einführung hatte Dombrovskis abgelehnt.

Grundsätzlich zugestimmt?

Beitritt in schweren Zeiten: Wenn alles klappt, wird Lettland im Sommer offiziell zu Mitglied Nr. 18 der Eurozone.
Beitritt in schweren Zeiten: Wenn alles klappt, wird Lettland im Sommer offiziell zu Mitglied Nr. 18 der Eurozone.(Foto: stepmap.de)

Dombrovskis und andere Befürworter des Euro in der Regierung argumentieren, die Bevölkerung habe schon 2003 bei dem Referendum über den 2004 erfolgten EU-Beitritt über die Einführung der Gemeinschaftswährung abgestimmt. Das benachbarte Estland war der Eurozone 2011 beigetreten. Die dritte und südlichste der drei Baltenrepubliken, Litauen, will 2015 den Euro einführen.

Im Sog der weltweiten Finanzkrise ab 2008 war auch Lettland mit seinem Staatshaushalt in finanziell schweres Fahrwasser geraten. In einer gemeinsamem Hilfsaktion hatten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Kommission Notkredite über insgesamt 7,5 Mrd. Euro freigegeben.

Mittlerweile hat sich die Lage im lettischen Staatshaushalt wieder stabilisiert. Dank einer umsichtigen Finanzpolitik musste die Regierung in Riga letztlich nur 4,4 Mrd. Euro der Hilfen in Anspruch nehmen, einen Teil davon haben die Letten bereits vorzeitig zurückgezahlt.

Frühstart der Euro-Fälscher

Dass Teile der Bevölkerung einen Euro-Beitritt längst für selbstverständlich halten, lässt sich auch aus den Aktivitäten einzelner krimineller Geldfälscher ableiten. Lange vor der geplanten Euro-Einführung tauchten in Lettland zu Jahresbeginn bereits erste gefälschte Münzen auf.

Drei Geldfälscher, die sich auf den Währungswechsel vorbereiten wollten, wurden bei Riga festgenommen, hatte die Zeitung "Latvijas Avize" Anfang Januar berichtet. Die Männer hatten bereits mehr als 3800 falsche Zwei-Euro-Münzen geprägt und wollten außerdem fast 300 gefälschte Ein-Lats-Münzen in Umlauf bringen.

Die nachgeahmten Geldstücke waren nach Angaben der Polizei von relativ guter Qualität. Lettland will zum Jahreswechsel der Währungsunion beitreten und seinen Lats gegen den Euro tauschen.

Quelle: n-tv.de

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