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Strategische Experimente im Vertrieb: Das "schnelle Essen" aus der Systemgastronomie kommt künftig direkt nach Hause.
Strategische Experimente im Vertrieb: Das "schnelle Essen" aus der Systemgastronomie kommt künftig direkt nach Hause.(Foto: picture alliance / dpa)

Großexperiment in Osnabrück: McDonald's probt die Lieferung

Wenn der Kunde nicht zum Essen kommt, müssen die Pommes eben zum Konsumenten fahren: In Osnabrück betritt der US-Konzern Neuland - zumindest im deutschen Markt. McDonald's startet die zweite Phase eines Aufsehen erregenden Feldversuchs.

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Die Fastfood-Kette McDonald's testet einen neuen Lieferservice in Deutschland nach dem Vorbild süddeutscher "Schnitzel-Hotlines" und bundesweit etablierter Lieferdienste für Pizza, Asia-Snacks und Nudelgerichte. Der Vorstoß in das mobile Burger-Angebot bleibt allerdings auf das konzerntypische Spektrum und eine ausgewählte Testregion im Nordwesten Deutschlands beschränkt.

Vom kommenden Freitag an erhalten Kunden in Osnabrück die Möglichkeit, während einer dreitägigen Testphase Burger, Pommes und Cola nach Hause zu bestellen, kündigte Bezirksleiter Frank Frommhold an. Im Fall eines Erfolgs könnte der neue Dienst deutschlandweit in den Regelbetrieb gehen, sagte er der "Wirtschaftswoche". Bestellen können Kunden über eine eigens eingerichtete Telefon-Hotline oder per Internet. Die Auslieferung läuft per Kleinwagen.

Mit dem anstehenden Test setzt McDonald's seine Experimente mit neuen Vetriebsformen in Deutschland fort. Ein erster Testversuch im November sei "überraschend reibungslos" verlaufen, erklärte Frommhold. Damals seien innerhalb von gut zehn Stunden rund 1700 Anrufe eingegangen. Der Andrang war allerdings so groß, dass nicht alle Aufträge bearbeitet werden konnten. Beim zweiten Test will McDonald's mehr Mitarbeiter abstellen, um mehr Bestellungen entgegennehmen und ausliefern zu können.

"Burger auf Rädern"

Der Mindestbestellwert beträgt 10 Euro, heißt es im Bericht der "Wirtschaftswoche", eine Liefergebühr falle nicht an. Bei der Lieferung müssen hungrige Bürger allerdings in Kauf nehmen, dass die Preise aus der Distanz höher ausfallen als bei der bislang üblichen Selbstabholung im Restaurant. Ein "Big Mac" wird den Informationen der "Wirtschaftswoche" zufolge bei der Auslieferung 3,50 statt 2,99 Euro kosten. Im Paketpreis mit frittierten Kartoffelstäbchen und einem großzügig bemessenen Kaltgetränk summiert sich das Schnellgericht in der "Menü"-Version auf 7,50 statt 6,89 Euro.

Die Preise seien absichtlich gerundet worden, "damit die Fahrer nicht zu viel Wechselgeld benötigen und der Mindestbestellwert leichter zu erreichen ist", erklärt das Magazin die Strategie. Eine Ausweitung des Lieferdienstes auf ganz Deutschland schließt die Münchner McDonald's-Zentrale derzeit noch aus. Lokale Aktionen nach dem Vorbild Osnabrücks seien aber möglich.

In der internen Debatte bei McDonald's dürfte ein gewisser Druck aus einer der Hauptzielgruppen des Unternehmens eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Im sozialen Netzwerk Facebook erreicht die Gruppe "Wir wollen einen MC Donalds Lieferservice!!!" den Zuspruch von mehr als 160.000 Nutzern.

Bezahlen per Smartphone

In Österreich und einigen Märkten Asiens ist das Konzept "Burger auf Rädern" längst Realität: In Indien zum Beispiel können interessierte Kunden online unter dem Schlagwort "McDelivery" zwischen einem "Masala Grill", einem "Maharaja Mac" oder dem "McAloo" wählen. In Hongkong betreiben örtliche McDonald's-Filialen einen 24-Stunden-Service per Motorroller. Und in New York City liefern einzelne Restaurants verschiedene Frühstückspezialitäten in einer Spanne zwischen 4.00 und 10.30 Uhr morgens sogar zur vorab vereinbarten Wunschzeit aus.

In Frankreich setzt der Konzern auf ein neues Bezahlsystem via Smartphone und Tablet-PC. McDonald's biete in seinen Restaurants künftig die Technologie ScanPay des gleichnamigen französischen Startups an, um das Bestellen und Bezahlen zu beschleunigen, teilte ein Konzernsprecher mit. In einer Erklärung des erst 2013 gegründeten Startups ScanPay hieß es dazu, Gäste könnten mit der neuen, "absolut sicheren" Technologie künftig ihre Geldkarten mit dem eigenen Mobilgerät einscannen und lesen lassen. Das Verfahren ist zunächst auf Frankreich beschränkt.

Rationalisierte Gastronomie

Die Experimente mit neuen Marketing-, Bezahl und Vetriebskonzepten haben Methode. Insbesondere in Deutschland stehen die Manager des börsennotierten Fast-Food-Konzerns unter Druck. Erwartet werden neue Konzepte, wie sich Umsätze und Marken-Image verbessern lassen. Denn der Appetit nach standardisierten Produkten wie "Big Mac" oder "Chicken McNuggets" scheint weltweit nachzulassen: Die weltgrößte Schnellrestaurantkette verzeichnete im vergangenen Jahr auf vergleichbarer Basis einen Rückgang der Gästezahlen. Auch das Schlussquartal fiel enttäuschend aus. Zu den Ländern, in denen es zuletzt schlecht lief, gehört Deutschland.

Nur dank der Neueröffnung von Restaurants gelang McDonald's im vergangenen Jahr weltweit letztlich doch noch ein leichter Umsatzzuwachs von 2 Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar (20,1 Milliarden Euro). Der Gewinn verbesserte sich im gleichen Maße auf unterm Strich auf 5,6 Milliarden Dollar. Insgesamt hat McDonald's mehr als 35.000 Restaurants, von denen der Großteil von selbstständigen Betreibern geführt wird, sogenannten Franchise-Nehmern. Im vierten Quartal 2013 stagnierte das Nettoergebnis bei 1,4 Milliarden US-Dollar. Umgerechnet entspricht das einem Gewinn von rund 1,0 Milliarden Euro binnen dreier Monate.

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Quelle: n-tv.de

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