Wirtschaft
Vor allem Überkapazitäten bereiten der Lufthansa derzeit Probleme.
Vor allem Überkapazitäten bereiten der Lufthansa derzeit Probleme.(Foto: picture alliance / dpa)

Aktienkurs im Sinkflug: Lufthansa schreibt rote Zahlen

Überraschend hart treffen die Lufthansa der Pilotenstreik und der Preiskampf in der Branche: Unterm Strich steht derzeit ein Verlust von 79 Millionen Euro - die Händler zeigen sich wenig begeistert. Auch die Ukraine-Krise könnte noch zum Problem werden.

Die Deutsche Lufthansa hat trotz einer veränderten Abschreibungspraxis und einer neuen Kostenstruktur im Passagiergeschäft im ersten Halbjahr weitere Verluste geschrieben - wenn auch weniger als im Vorjahr.

Das operative Ergebnis stieg zwar um 41 auf 114 Millionen Euro. Analysten hatten mit 178 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz ging im selben Zeitraum um zwei Prozent zurück. Unterm Strich verringerte sich der Konzernverlust auf 79 Millionen Euro nach einem Minus von 204 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2013. Hier hatten Analysten ein kleines Plus von 11 Millionen Euro geschätzt. Nach Bekanntwerden der Verluste verlor der Aktienkurs des Unternehmens am Morgen mehr als 6 Prozent an Wert.

Europas größte Airline hat eine ganze Reihe latenter Baustellen und wurde im zweiten Quartal dazu noch von Einmaleffekten durch Pilotenstreiks und der Abwertung des venezolanischen Bolivars belastet. Beides schlug mit jeweils rund 60 Millionen Euro zu Buche. "Deshalb können wir mit dem zweiten Quartal nicht zufrieden sein", sagte Finanzchefin Simone Menne.

Konzern drosselt Kapazitätsanstieg

Neben der harten Konkurrenz durch Fluggesellschaften aus der Golfregion sowie Billigflieger bereiten vor allem Überkapazitäten Probleme. Diese bestanden im zweiten Quartal auf den Routen nach Amerika, innerhalb Europas und zunehmend auch nach Asien-Pazifik.

Aus den aufgrund der Überkapazitäten fallenden Preisen zog die Fluglinie bereits Konsequenzen: Weil die Erlöse im Passagier- und Frachtgeschäft schmelzen, reduziert der Konzern seinen Kapazitätsanstieg von bisher fünf auf drei Prozent. Mitte Juni kappte der Konzern zudem seine Prognosen für das laufende und das kommende Jahr. Das Ziel, 2014 ein operatives Ergebnis von rund eine Milliarde Euro und einen bereinigten operativen Gewinn von rund 1,3 Milliarden Euro zu erwirtschaften, bestätigte Menne bei der Veröffentlichung der Zahlen.

Der operative Verlust von Lufthansa fiel wegen einer geänderten Abschreibungspolitik nicht höher aus. Bis 2013 schrieb die Gesellschaft ihre Flugzeuge über 12 Jahre auf 15 Prozent des Kaufpreises ab, nun über einen Zeitraum von 20 Jahren und 5 Prozent des Kaufpreises. Mit der Änderung der Abschreibungspolitik trägt die Lufthansa dem Umstand Rechnung, dass die Maschinen zum einen länger fliegen, die Preise für Gebraucht-Flugzeuge aber auch gesunken sind.

Spannungen mir Russland könnten Lufthansa-Tochter schaden

Die Ukraine-Krise verhagelt der Lufthansa bislang nicht die Geschäfte. "Russland und Ukraine haben derzeit noch keine spürbaren finanziellen Auswirkungen auf die Gruppe", sagte Menne. Die Entwicklung müsse aber weiter beobachtet werden. "Ich kann nicht sagen, dass wir bisher das finanzielle Ergebnis dadurch in irgendeiner Form gefährdet sehen - wenn die Situation so bleibt wie derzeit."

Am ehesten sei die Tochter Austrian Airlines betroffen, die viele Flüge nach Osteuropa anbietet. Die EU und die USA haben Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt, sagte die Finanzchefin. Westliche Staaten werfen der Regierung in Moskau vor, die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in ihrem Kampf gegen die Führung in Kiew zu unterstützen.

Quelle: n-tv.de

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