Dicke Rechnung für Bummel-FlughafenLufthansa will Schadenersatz

Ein neuer Eröffnungstermin für den Berliner Großflughafen BBI steht bislang in den Sternen. Weil der Lufthansa die Verschiebung so oder so hohe Kosten bescheren wird, stellt sie schon einmal Schadenersatzforderungen an den Flughafenbetreiber in Aussicht. Berlins Regierungschef Wowereit will wegen des Desasters auch personelle Konsequenzen prüfen.
Wegen der kurzfristig verschobenen
Eröffnung des neuen Großflughafens Berlin-Brandenburg will die Lufthansa Schadenersatz
von der Flughafen-Gesellschaft fordern. "Am Ende wird eine große Rechnung auf
die Berliner Flughäfen zukommen", sagte Vorstandsmitglied Carsten Spohr der
"Berliner Morgenpost".
Womöglich müssten Beschäftigte
von anderen Standorten zeitweise in Berlin aushelfen, um Passagiere umzubuchen und
zu betreuen. "Das alles kostet Geld", sagte Spohr. Eine eigene Versicherung
habe man nicht für solche Fälle. "Unsere Versicherung heißt in diesem Fall
Berliner Flughafen GmbH." Die Flughafen-Gesellschaft
hatte nur vier Wochen vor dem geplanten Eröffnungstermin Anfang
Juni bekanntgegeben, dass der Start des neuen Flughafens wegen Problemen beim Brandschutz auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss.
Keine Bauernopfer
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit schloss ein personelles
Nachspiel wegen des verpatzten Starts des Hauptstadtflughafens nicht aus. Man werde
die gemachten Fehler aufarbeiten "und gegebenenfalls müssen auch Konsequenzen
gezogen werden", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft bei einem Bürgerfest auf dem neuen Airport.
Er schloss dabei aus, dass ein Mitarbeiter aus dem "unteren Bereich" für
die Chefs geopfert werde.
Wowereit entschuldigte sich
noch einmal für die Probleme bei der Fertigstellung, die er als "mittlere Katastrophe"
bewertete. Auch Flughafen-Chef Rainer Schwarz, der ebenfalls
auf der Veranstaltung sprach, drückte sein Bedauern über die Verzögerung aus. Man
habe das Flughafen-Fest "unter anderen Vorzeichen geplant".
Terminsuche
Der neue Termin
für die Eröffnung des Flughafens soll womöglich auf der Aufsichtsratssitzung des Flughafens am 16. Mai festgelegt werden. "Wir hoffen, dass wir an diesem Mittwoch dann
den belastbaren Termin auch festlegen können", sagte Wowereit auf dem Bürgerfest auf dem neuen Flughafen.
Spohr plädierte für eine
Eröffnung des Flughafens BER frühestens zum Beginn des Winterflugplans, also Anfang
November. "Wenn es nach uns geht, kann der Termin auch noch weiter nach hinten
gelegt werden", sagte Spohr. Wichtig sei, dass dann bei der Eröffnung alles
einwandfrei funktioniere. Spohr warnte vor zu großer Hektik bei der Datumsfindung.
"Die Blamage ist ohnehin da."
Experten der Lufthansa hatten
offenbar schon vor Wochen gewarnt, dass der Eröffnungstermin am 3. Juni kaum zu
halten sei. So soll laut Spohr unter anderem die IT am Flughafen nicht richtig funktionieren.
Zudem gab es ihm zufolge deutlich mehr Rückstände beim Bau als bislang bekannt.
Demnach wäre offenbar nicht einmal die Lounge der Lufthansa fertig geworden.