Letzte Zusagen fehlenMax-Bahr-Rettung erneut auf der Kippe

Auf der Zielgeraden gerät Hellweg bei der Übernahme der Max-Bahr-Märkte offenbar ins Stolpern. Es fehlen noch immer die Zusagen von Banken. Die Zeit drängt. Es bleiben nur noch wenige Tage.
Die fast schon sicher geglaubte Übernahme der insolventen Baumarktkette Max Bahr durch den Rivalen Hellweg könnte offenbar doch noch auf den letzten Metern scheitern. Dem Konsortium um die Dortmunder Hellweg und den ehemaligen Max-Bahr-Chef Dirk Möhrle fehlten weiterhin die letzten Zusagen der finanzierenden Banken und der im Einzelhandel unverzichtbaren Warenkreditversicherer, die den Lagerbestand praktisch vorfinanzieren, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Hellweg gab sich weiter zuversichtlich: "Die Verhandlungen dauern noch an. Wir gehen davon aus, dass wir eine Lösung finden, so dass Max Bahr und die Arbeitsplätze erhalten bleiben können", teilte das Unternehmen mit.
Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder hatte eigentlich bis zum Monatsende einen Vertragsabschluss für 73 Max-Bahr-Märkte mit rund 3600 Mitarbeitern erhofft. Eine Entscheidung müsse spätestens bis Montag fallen, sagten die Insider. Dann treffen sich die Gläubiger von Max Bahr. Länger könne Schröder den Betrieb in den Baumärkten ohne eine Perspektive für die Zukunft nicht aufrechterhalten.
Hellweg auf mehreren Baustellen aktiv
Seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Oktober haftet er persönlich für alle anfallenden Verluste. Klappt der Verkauf an Hellweg nicht, steht Max Bahr vor dem Aus. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Schröder wollte sich nicht äußern.
Die Baumarktkette war vom Mutterkonzern Praktiker in den Strudel der Insolvenz gezogen worden. In 150 Praktiker-Märkten und gut 50 erst seit kurzem unter der Marke Max Bahr firmierenden Häusern läuft bereits der Ausverkauf. Sie werden geschlossen, die Immobilien sollen einzeln vermietet werden.
Hellweg ist noch an mehreren Fronten unterwegs, um den Kauf unter Dach und Fach zu bekommen: Das Familienunternehmen verhandelt Finanzkreisen zufolge mit der Commerzbank, der IKB, WGZ und Volksbank Dortmund über einen Kredit von bis zu 65 Millionen Euro. Doch diese machen eine Zusage zumindest eines Warenkreditversicherers zur Bedingung.
RBS Bank hofft auf Hellweg
Verhandelt werde zudem noch mit zwei Versicherer-Konsortien, Markant und Euler Hermes sowie Euro Delkredere und Zurich, sagte einer der Insider. "Mit einem ist man einer Lösung schon sehr nahe", fügte er hinzu. "Es gibt Verhandlungen mit verschiedenen Beteiligten, inklusive Euler Hermes," sagte ein Sprecher von Euler Hermes. Markant, Zurich, IKB, WGZ und Volksbank Dortmund lehnten eine Stellungnahme ab, Euro Delkredere war zunächst nicht erreichbar.
Die Verzögerungen machen viele Gläubiger skeptisch: "Wir haben noch kein klares Bild", sagte ein Gläubigervertreter. "Zu diesem Zeitpunkt sollten die Unterlagen eigentlich vorliegen." Hellweg übernehme sich möglicherweise mit dem Projekt.
Auch die britische Bank RBS, die als Gläubiger des insolventen Vermieters das Sagen in 66 der 73 Häuser hat, pocht auf die Solvenz des künftigen Betreibers. Sie hatte Hellweg favorisiert, weil sich die Dortmunder auf höhere Mieten eingelassen hatten als die saarländische Handelsgruppe Globus, die deshalb einen Rückzieher gemacht hatte. Die britische Bank hat Kreisen zufolge bislang 53 Millionen Euro Miete im Jahr für die 73 Max Bahr Standorte bekommen, aber eine Reduzierung auf 46 Millionen angeboten, Globus hatte hingegen eine Reduzierung auf 35 Millionen gefordert.