Wirtschaft
Thomas Mayer, früherer Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Archivbild).
Thomas Mayer, früherer Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Archivbild).

"Wer halbwegs rechnen kann": Mayer erwartet neues Athen-Paket

Griechenland ist seiner Ansicht nach noch lange nicht gerettet: Thomas Mayer, der frühere Top-Ökonom der Deutschen Bank, glaubt nicht daran, dass sich das Euro-Mitglied im Süden aus eigener Kraft aus dem Schuldensumpf befreien kann.

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Klare Worte von einem Kenner der Materie: Der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rechnet fest mit einem neuen Hilfspaket für Griechenland. "Jeder, der halbwegs rechnen kann, weiß, dass Griechenlands Schulden viel zu hoch sind", erklärte Mayer dem "Focus".

Offiziellen Angaben von Eurostat zufolge liegt die Staatsverschuldung Griechenlands bei knapp 157 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland kommt in dieser Aufstellung auf eine Schuldenquote von 81 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Unmittelbar nach Ostern dürften neuere Daten die Debatte um die sogenannte Schuldentragfähigkeit Griechenlands und weiterer Eurostaaten wieder anheizen: Die Europäische Statistikbehörde hat für den 23. April eine Aktualisierung der Schuldenquoten angekündigt.

"Rückzahlung ins Unendliche"

Nach Ansicht Mayers müssten die politischen Akteure und die Gemeinschaft der internationalen Geldgeber mit Vertretern der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Lage Griechenlands eigentlich längst öffentlich eingestehen.

Die Euro-Staaten trauten sich nur nicht, ihren Steuerzahlern gegenüber zuzugeben, dass weitere Hilfsmaßnahmen erforderlich seien, sagte Mayer. "Stattdessen werden sie die Zinsen für Kredite auf null Prozent senken und die Rückzahlung ins Unendliche verlängern", prognostizierte der Wirtschaftsexperte.

Zu Erfolgsberichten über die jüngste Platzierung neuer griechischer Staatsanleihen äußerte Mayer sich reserviert: "Die Investoren leihen dem Land das Geld nur, weil die Europäische Zentralbank im Hintergrund bereit steht." Auch sonst drehten sich die Rettungsbemühungen eher im Kreis, warnte Mayer. In keinem der Problemländer seien die Staatsfinanzen in einem beruhigenden Zustand. Vielmehr seien "die Schuldenquoten sogar gestiegen".

Quelle: n-tv.de

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