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Becker auf der Mercedes-Benz Fashion Week im Juli 2011 in Berlin.
Becker auf der Mercedes-Benz Fashion Week im Juli 2011 in Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)

Der "Gute Name" hat gelitten: Mercedes-Benz trennt sich von Boris Becker

Als Spieler war Boris Becker das Idol einer ganzen Generation. Nach der Karriere ließ er keinen Fettnapf aus, sein Ruf litt spürbar. Denkmalpflege? Ein Fremdwort. Jetzt zieht auch Mercedes-Benz die Reißleine und trennt sich von seinem Markenbotschafter.

Boris Becker war der Held einer ganzen Generation. In den knapp 15 Jahren nach dem Ende seiner großen Tennis-Karriere tat der dreimalige Wimbledonsieger allerdings nicht wirklich viel für die eigene Denkmalpflege. Jetzt will ihn auch Mercedes-Benz nicht mehr als Werbefigur haben und hat sich von dem Ex-Tennisstar getrennt. Nach SWR-Informationen wurde der Vertrag sogar noch vor Ende der Laufzeit gekündigt.

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"Markenbotschafter sind eigentlich Prominente, die für Mercedes-Benz mit ihrem 'guten Namen' die Werbetrommel rühren", heißt es bei dem Autobauer. Becker war nicht einmal zwei Jahren engagiert worden. Ein Mercedes-Sprecher sagte dazu nur: "Wir kommentieren das nicht."

Der "Leimener" hatte in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Den Verantwortlichen seien offenbar Zweifel gekommen. Nach den Informationen des SWR, wurde deshalb der Vertrag zum Jahreswechsel aufgehoben. Becker solle aber dennoch das volle Honorar erhalten.

Dennoch, Beckers sportliche Auftritte gehören zum kollektiven Gedächtnis: die Siege in Wimbledon 1985, 1986, 1989, die bittere Final-Pleite 1991 gegen Michael Stich, die Davis-Cup-Schlachten in Hartford, Göteborg und Stuttgart - wenn "Bum-Bum-Boris" spielte, litt die Nation mit.

Am 21. Juni 1999 verabschiedete er sich in den sportlichen Ruhestand. Und kämpft seither darum, als Privat- und Geschäftsmann die gleiche Größe zu zeigen wie einst als Sportler. Becker wurde Werbe-Testimonial für einen Internet-Dienstleister ("Bin ich schon drin?"), für Mercedes-Benz, für eine Biermarke, einen Baumarkt oder einen Poker-Anbieter, sein Bekanntheitsgrad, den sonst nur Franz Beckenbauer oder Steffi Graf erreichten, zahlte sich zumindest auf den ersten Blick aus. In seiner englischen Wahlheimat gilt er nach wie vor als absolute Kapazität in Sachen Tennis, die BBC setzt ihn nicht nur in Wimbledon immer noch gerne als Experten ein.

Auszug aus dem Sündenregister

In Deutschland erwarb sich Becker vor allem als erfolgloser Geschäftsmann einen zweifelhaften Ruf. Unter anderem ging er mit einem Internetportal in die Insolvenz und wurde als Steuersünder verurteilt.

Auch im Privatleben gab es viele Rückschläge und Tiefpunkte. Gerade in den vergangenen Jahren ließ Becker kein mediales Fettnäpfchen aus. Per Twitter teilte er wirre Gedankenfetzen in Wort und Bild mit, lieferte sich vielbeachtete Streitereien mit Moderator Oliver Pocher. Seine schon zweite Autobiografie, "Das Leben ist kein Spiel", wurde öffentlich belächelt. Becker, auch optisch ein Schatten seiner selbst, wurde kaum mehr ernst genommen.

Der Tiefpunkt war im Herbst 2013 erreicht, als er in Pochers Spielshow den medial inszenierten Zwist unter anderem mit einer Fliegenklatschen-Mütze auf dem Kopf austrug. Wenige Wochen später kam Tennis-Star Djokovic auf ihn zu. Die Chance war da, Becker griff zu - es könnte die letzte für ihn sein.

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Quelle: n-tv.de

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