Wirtschaft
So lange wie dieses Mal haben die Lokführer den Schienenverkehr noch nie lahmgelegt.
So lange wie dieses Mal haben die Lokführer den Schienenverkehr noch nie lahmgelegt.(Foto: picture alliance / dpa)

Rekordstreik beginnt: Merkel fordert Schlichtung

Zuerst der Güterverkehr - in der Nacht dann der Personenverkehr: In den kommenden Tagen geht auf Deutschlands Bahngleisen kaum etwas. In den festgefahrenen Konflikt zwischen Bahn und Lokführern schaltet sich nun die Kanzlerin ein.

Im Tarifstreit bei der Bahn hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Tarifparteien aufgefordert, sich einem Schlichtungsverfahren zu unterwerfen. Die Verantwortlichen sollten sehen, dass "baldmöglichst eine Lösung des Konfliktes zustande kommt", sagte die CDU-Vorsitzende. "Ich sehe den Weg der Schlichtung, aber ganz offensichtlich ist es noch nicht soweit. Aber da müssen wir hinkommen."

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Die Lokführergewerkschaft GDL hat um 15 Uhr mit ihrem achten und längsten Streik in dieser Tarifrunde begonnen. Zunächst soll der Güter- und ab Dienstag auch der Personenverkehr bestreikt werden. Der Ausstand soll insgesamt 138 Stunden bis kommenden Sonntag dauern.

Das Streikrecht sei ein "verbrieftes Recht in Deutschland", sagte Merkel weiter. Dennoch glaube sie, "dass die Belastungen, die viele Menschen zu ertragen haben durch den Streik, aber auch viele Unternehmen, natürlich gravierend sind". Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, eine Lösung zu finden. "Hier ist der Weg einer Schlichtung ein möglicher und gangbarer Weg. Deshalb will ich ihn hier auch erwähnen, ohne mich da einzumischen." Auch andere Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten den Streik bereits heftig kritisiert und die Tarifparteien zu einer Schlichtung aufgerufen.

Schaden hält länger als der Streik

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte kurz vor Streikbeginn ebenfalls die Forderung nach einer Schlichtung des Tarifstreits erneuert. GDL-Chef Claus Weselsky hatte dies aber bereits im Voraus kategorisch abgelehnt. Eine Schlichtung ist nach Ansicht der Gewerkschaft nur zu Themen wie Gehalt und Arbeitszeit möglich nicht aber zu grundlegenden Fragen des Tarifgefüges im Konzern. Der Konflikt ist auch deshalb so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Zudem will die GDL einen Erfolg erzielen, bevor das kommende Tarifeinheitsgesetz der schwarz-roten Bundesregierung die Macht kleiner Gewerkschaften beschränkt.

Aus Sicht von Personalvorstand Weber geht es GDL-Chef Claus Weselsky vor allem darum, Einfluss und Macht zu gewinnen und Tarifverhandlungen für andere Berufsgruppen als die Lokführer zu bestreiten. Der Bahn ist dagegen die Tarifeinheit wichtig, damit nicht Mitarbeiter für ein und dieselbe Tätigkeit je nach Gewerkschaftszugehörigkeit unterschiedlich bezahlt werden. Über das vorliegende Angebot der Bahn, die Gehälter in zwei Stufen um 4,7 Prozent zu erhöhen und weitere Verbesserungen, habe das Unternehmen mit der GDL dagegen "keine Minute" sprechen können, sagte Weber.

Die Bahn hat unterdessen ihren Notfallfahrplan für den ersten Streiktag veröffentlicht. Nach Angaben des Konzerns soll etwa ein Drittel der Fernzüge trotz des Ausstandes fahren. Dennoch rechnet die DB mit einem großen und langfristigen Schaden für das Unternehmen. "Vor allen Dingen ist unser Image als verlässlicher Verkehrsträger in Gefahr. Wir werden massiv Geschäft verlieren", sagte Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch kurz vor Beginn des Streiks.

Quelle: n-tv.de

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