Wirtschaft
Angela Merkel sieht Deutschland auf dem richtigen Weg.
Angela Merkel sieht Deutschland auf dem richtigen Weg.(Foto: dpa)

"Deutsche Wachstumraten werden gut": Merkel nimmt Ifo-Daten zur Kenntnis

Zahlreiche Krisenherde beschäftigen Europa und die Welt. Kanzlerin Merkel befürchtet für die deutsche Wirtschaft dennoch kein Ungemach. Kritik kommt vom IWF: Dessen Chefin Lagarde will, dass Deutschland mehr für Europas Aufschwung tut.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet trotz internationaler Krisen mit einer positiven Wirtschaftsentwicklung in Deutschland in diesem Jahr. Es gebe etwa mit der Ukraine-Krise Unsicherheiten, die sie nicht verschweigen wolle, sagte die CDU-Politikerin bei einem Besuch im nordspanischen Santiago de Compostela. Wenn nichts Dramatisches passiere, würden die Wachstumsraten im Gesamtjahr gut sein.

Das Münchner Ifo-Institut hatte für den August den vierten Rückgang seines Konjunkturbarometers bekanntgeben, zugleich aber davor gewarnt, für das Gesamtjahr schwarzzumalen. Merkel sagte, zwar habe es in Deutschland im zweiten Quartal ein Minus gegeben. Hier spielten aber viele Einmaleffekte wie das Wetter eine Rolle. Merkel betonte zugleich, Europa und insbesondere die Eurozone müssten stärker zusammenrücken, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. Deutschland und Spanien seien sich hier einig.

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, der Ifo-Index sortiere sich in die aktuelle Lagebeurteilung der Regierung ein. "Wichtig ist für uns, dass die konjunkturelle Grundtendenz intakt ist." So sei die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr insgesamt gestiegen. Auch im weiteren Jahresverlauf sei wieder mit positiven Wachstumsraten zu rechnen. Die Grundlage dafür sei der gute Arbeitsmarkt.

Plädoyer für de Guindos

Merkel und Mariano Rajoy wollen einen spanischen Eurogruppen-Chef.
Merkel und Mariano Rajoy wollen einen spanischen Eurogruppen-Chef.(Foto: REUTERS)

Merkel machte sich in Spanien zudem für den dortigen Wirtschaftsminister Luis de Guindos als künftigen Vorsitzenden der Eurogruppe stark. De Guindos habe ihre Unterstützung, versicherte sie im Beisein ihres spanischen Amtskollegen Mariano Rajoy. Die Kanzlerin hielt de Guindos zugute, dass er sein Land erfolgreich durch die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise der vergangenen Jahre geführt habe.

Bisher kam der Präsident der Eurogruppe stets aus dem Kreis der Finanzminister, derzeit besetzt den Posten der niederländische Ressortchef Jeroen Dijsselbloem. Medienberichten zufolge gibt es im Kreis der Euro-Finanzminister jedoch Kritik an seiner Amtsführung, da Dijsselbloem zu sehr die Interessen seines eigenen Landes vertrete. Offiziell endet das Mandat des Sozialdemokraten Mitte 2015.

Überlegt wird, Dijsselbloem abzulösen und durch einen hauptamtlichen Vorsitzenden der Eurogruppe zu ersetzen. Damit müsste dann kein amtierender Minister mehr die Geschäfte des wichtigen Eurozonen-Gremiums leiten. Bislang galt es als ausgemacht, dass eine Berufung des konservativen Spaniers de Guindos vor allem von südlichen Krisenländern unterstützt werden dürfte. Am Samstag soll bei einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel über die Besetzung mehrerer europäischer Spitzenposten beraten werden.

Lagarde drängt Deutschland

Derweil forderte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, Deutschland auf, sich stärker für eine wirtschaftliche Erholung in Europa engagieren. "Ich denke, es ist sehr wichtig, dass Deutschland sich intensiv am Aufschwung beteiligt", sagte Lagarde im Schweizer Rundfunk. Deutschland habe dazu "die Mittel".

Insgesamt sei die wirtschaftliche Erholung in Europa weiterhin "mühsam", urteilte Lagarde. Dass Deutschland mehr tun könne, um diesen zu stützen, hätten unter anderem die jüngsten Tarifverhandlungen gezeigt. Offensichtlich gebe es hier "Spielräume".

Auf die Frage, wie Europa die richtige Balance zwischen Sparpolitik und wirtschaftlicher Belebung finden könne, sagte Lagarde, es bereits "viel Austeritätspolitik" auf den Weg gebracht worden. Die Staatsausgaben seien in den vergangenen drei Jahren deutlich eingeschränkt worden. "Glücklicherweise" ändere sich dies im laufenden und im kommenden Jahr. Die Lockerung der Sparpolitik sei aber bereits ausreichend und sollte nicht noch verstärkt werden, mahnte Lagarde.

Quelle: n-tv.de

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