Wirtschaft
Steve Ballmer.
Steve Ballmer.(Foto: REUTERS)

"Ich liebe dieses Unternehmen": Microsoft-Chef Ballmer gibt auf

Der Siegeszug von Smartphones und Tablets zwingt Microsoft zu einer radikalen Neuaufstellung: Konzernchef Ballmer wirft das Handtuch und wird seinen Posten aufgeben, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Damit geht ein Ära zu Ende.

Der Chef des Software-Riesen Microsoft, Steve Ballmer, wird innerhalb des kommenden Jahres in Pension gehen. Der Manager werde die Führung des Unternehmens binnen zwölf Monaten abgeben teilte der Konzern mit. "Es gibt niemals einen perfekten Zeitpunkt für diese Art von Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit", so Ballmer in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter.

Im Juli hatte der Technologieriese einen weitreichenden Konzernumbau angekündigt, um die Software- und die Gerätesparte besser zu verzahnen. Mit der Strategie "One Microsoft" sollen unterschiedliche Produkte wie das PC-Betriebssystem Windows, die Spielekonsole Xbox und der Tablet-Computer Surface unter einem Dach weiterentwickelt werden. Davon erhofft sich der Konzern mehr Innovation sowie Kostenersparnisse. "Bei meinem ursprünglichen Zeitplan wäre meine Pensionierung mitten in den Umbau unseres Unternehmens gefallen", so Ballmer. "Wir brauchen einen Chef, der für diese neue Ausrichtung länger da sein wird." An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Microsoft-Aktie legte im frühen US-Handel um rund sieben Prozent zu.

Während der Suche nach einem Nachfolger wird der 57-Jährige den Angaben zufolge das Unternehmen weiter lenken. Firmengründer Bill Gates werde dem Gremium zur Suche eines neuen Vorstandschefs angehören. Für den Job kämen sowohl interne als auch externe Kandidaten infrage.

Ballmer hatte die Führung von Microsoft im Jahr 2000 von Gates übernommen. In seiner 13-jährigen Amtszeit geriet der einst unangefochtene Windows-Hersteller in eine schwere Krise. Konkurrenten wie Apple setzten dem Konzern mit neuen Geräten zu, alternative Betriebssysteme wie Android machten sich auf Smartphones und Tablet-PCs breit.

Erfolge und Fehlschläge

Ballmer steuerte dagegen, hatte aber mitunter wenig Glück. Um dem iPhone etwas entgegenzusetzen verbündete er sich mit der finnischen Nokia, deren Stern allerdings unaufhaltsam sank. Bei den Tablets verließ sich Microsoft nicht mehr auf traditionelle Großkunden wie Hewlett-Packard oder Dell, sondern ließ eigene Geräte bauen, die am Markt allerdings bislang nicht den Hauch einer Chance gegen die Modelle von Apple oder Samsung haben.

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Bei den Betriebssystemen verzeichnete Ballmer sowohl Erfolge als auch Fehlschläge. Während Experten die Version 7 lobten, wurde der Vorgänger Vista und auch der Nachfolger 8 als unausgegoren geschmäht.

Die Versäumnisse der vergangenen Jahre zeigten sich zuletzt in der Bilanz des abgelaufenen Quartals: der Betriebsgewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent ein. "Wir wissen, dass wir besser werden müssen", sagte Finanzchefin Amy Hood, die erst seit Mai im Amt ist.

Im vierten Geschäftsquartal (per Ende Juni) musste Microsoft 900 Millionen Dollar auf die unverkauften Bestände seines Tablets Surface abschreiben. Das Gerät ist zeitgleich mit dem Betriebssystem Windows 8 im Oktober eingeführt worden und erweist sich trotz drastischer Preissenkungen als Ladenhüter, während Konkurrenz-Produkte massenhaft gekauft werden. Zum Vergleich: Apple hat bereits im Mai 2010 mit dem iPad dem Tablet zum Durchbruch verholfen.

Der Mathematiker steht bereits länger in der Kritik von Branchenexperten und Investoren. "Ballmer hätte schon vor mindestens acht Jahren gehen sollen", sagte Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Er habe sich nie den für ein Technologie-Unternehmen so wichtigen Respekt der Entwickler und Ingenieure verdient. Auch Zeus Kerravala von ZK Research hält Ballmers Zeit für abgelaufen. "Microsoft lebt immer noch vom klassischen PC-Geschäft, in dem Ballmers Stärken liegen. Er war der richtige Mann für seine Ära, aber die Zeiten haben sich geändert." Es werde eine neue Führung benötigt.

"Erstaunlicher Ort"

Experten spekulierten sofort nach der Ankündigung über tiefgreifende Veränderungen, die nun bei Microsoft anstehen könnten. "Sie werden einen massiven Umbau in Angriff nehmen", sagte Colin Gillis von BGC Partners. Andrew Bartels von Forrester Research geht davon aus, dass nun ein Chef gesucht werde, der möglicherweise sogar den Mut habe "das Unternehmen aufzuteilen, Windows abzuspalten". Allerdings sei massiver Widerstand von Gates gegen einen solchen Kurs zu erwarten.

Experte Bartels nahm Ballmer teilweise in Schutz. Server, die Spielekonsole Xbox und Produkte der Suchmaschine Bing hätten einige Erfolge verbuchen können, sagte er. Zwar sei die Kritik am Microsoft-Chef wegen der Entwicklung bei Windows gerechtfertigt. Allerdings: "Ballmers Leistungen in den anderen Sparten werden nicht ausreichend gewürdigt."

In dem Rundschreiben bezeichnete Ballmer das Unternehmen als einen "erstaunlichen Ort". Seit er bei Microsoft angefangen habe, sei der Wert des Konzerns von 7,5 Millionen auf fast 78 Milliarden Dollar gestiegen. Waren anfangs noch 30 Leute bei Microsoft beschäftigt, seien es heute fast 100.000. "Diese Entscheidung ist im besten Interesse des Unternehmens, das ich liebe", schrieb er. "Es außerhalb meiner Familie und meiner engsten Freunde das wichtigste in meinem Leben."

Quelle: n-tv.de

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