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Ein Anblick, an den man sich schon gewöhnt hat: Windows Phone auf einem Nokia Handy.
Ein Anblick, an den man sich schon gewöhnt hat: Windows Phone auf einem Nokia Handy.(Foto: Nokia)

Milliarden-Deal zwischen wankenden Giganten: Microsoft kauft Nokias Handy-Geschäft

Es ist das Ende einer Ära: Der Handy-Hersteller Nokia gibt sein Kerngeschäft an den Software-Riesen Microsoft. Die Finnen sollen sich künftig auf Netzwerke und ihren Kartendienst konzentrieren. Die US-Amerikaner hoffen, im Technikmarkt verlorenen Boden gutzumachen.

Der Software-Riese Microsoft steigt groß ins Handygeschäft ein. Dazu kauft der Konzern dem angeschlagenen Mobilfunk-Hersteller Nokia fast das komplette Geschäft ab - darunter auch  auch die Smartphone-Produktion. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 5,44 Milliarden Euro. Wie beide Unternehmen mitteilten, hat Microsoft zugestimmt, den Großteil des Geräte- und Dienstleistungsgeschäfts von Nokia zu übernehmen. Das sei "im Wesentlichen alles", was Nokia ausmache. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2014 abgeschlossen werden.

Mit dem Deal wird sich der Nokia-Umsatz in etwa halbieren. Der einstige finnische Handy-Weltmarktführer will sich künftig vor allem auf das Netzwerk-Geschäft und die Entwicklung seiner Kartendienste unter der Marke Here fokussieren. Der Konzern hatte jüngst den ursprünglich gemeinsam mit Siemens betriebenen Netzausrüster NSN komplett übernommen.

Nokia-Aktie steigt kräftig

Der Verkauf bescherte den Aktien von Nokia eine Rally. Die Titel starteten an der Heimatbörse in Helsinki mit einem Plus von 47 Prozent in den Handel. Es herrsche Erleichterung darüber, dass das Geschäft "endlich über die Bühne gegangen" ist, wie ein Händler sagte. In den vergangenen Monaten hätten die Spekulationen um ein Zustandekommen des Deals immer mehr zugenommen, nun sei "die Kuh vom Eis". Die Unternehmen waren Anfang 2011 eine enge Partnerschaft eingegangen. Nokia ist der wichtigste Hersteller von Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

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Nokia selbst habe stetig Marktanteile vor allem an asiatische Wettbewerber verloren und wäre "aus eigener Kraft vermutlich nicht mehr auf die Beine gekommen", sagte der Händler. Für Microsoft sei der Schritt strategisch sinnvoll, wolle der Software-Gigant den Übergang zu einem Geräte- und Service-Anbieter schaffen. Für das Netzwerkgeschäft Nokias hätten die Amerikaner dagegen keine Verwendung.

Im Frankfurter Spezialistenhandel gewann die Microsoft-Aktie bei überschaubaren Umsätzen 2,4 Prozent hinzu. "Für Microsoft mit einer Marktkapitalisierung von 280 Milliarden US-Dollar ist der Zukauf eher eine Kleinigkeit, auch wenn er strategisch durchaus wichtig werden könnte", sagte ein Frankfurter Händler. Hinzu komme, dass es voraussichtlich einige Zeit dauern dürfte, bis sich das zugekaufte Geschäft mit Mobilfunkgeräten für den Software-Riesen bei Umsatz und Gewinn bezahlt machen dürfte. "Für dieses Jahr und wahrscheinlich auch fürs nächste Jahr dürfte sich an den Ergebnisprognosen für Microsoft wegen des Deals kaum was ändern", vermutete der Händler.

32.000 Mitarbeiter wechseln

Microsoft zahlt den Angaben zufolge 3,79 Milliarden Euro für das Geschäft mit Geräten und Diensten. Für weitere 1,65 Milliarden Euro würden Patentlizenzen erworben, hieß es. Außerdem werde Microsoft auf Nokias Kartendienste zurückgreifen. Zugleich wechselten rund 32.000 Mitarbeiter zu Microsoft.

Im Zuge des Deals gehen Nokias Vorstandsvorsitzender Elop und zahlreiche weitere Nokia-Führungskräfte zu Microsoft. Elop, der schon früher bei Microsoft gearbeitet hat, gilt als ein heißer Kandidat für die Nachfolge von Microsoft-Chef Steve Ballmer. Dieser werde sich nach mehr als 13 Jahren an der Spitze des Konzerns spätestens innerhalb des nächsten Jahres zur Ruhe setzen, teilte Microsoft jüngst mit.

Zwei Problem-Konzerne suchen die Rettung

Durch den Deal schließen sich zwei Giganten zusammen, denen massive Veränderungen in ihrem angestammten Geschäft zu schaffen machen. Der finnische Konzern war lange Zeit die dominierende Kraft im Handy-Markt, verlor aber mit dem Vormarsch der Smartphones wie des iPhone von Apple und Geräten mit dem Google-System Android massiv an Boden. Dank der starken Position bei günstigen Handys ist Nokia zwar immer noch der zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen nach Samsung. Der Marktanteil von Nokias Lumia-Modellen bei den lukrativen Smartphones liegt aber im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Auch Microsoft hat derzeit mit einem Wandel in seinem Kerngeschäft zu kämpfen. Das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office sind immer noch die wichtigsten Geldbringer des Konzerns - inzwischen werden aber immer weniger PCs verkauft, weil die Nutzer lieber zu Smartphones und Tablets greifen. Microsoft versucht, mit Hilfe von Windows Phone und Nokia auf diesen Zug aufzuspringen, die Marktanteile steigen aber nur langsam.

Ballmer und Elop schrieben in einem gemeinsamen Brief, mit dem Zusammengehen der beiden Unternehmen werde man das volle Potenzial des Windows-Ökosystems entfalten können. Es werde neue Telefone und Dienste geben, "die das Beste von Microsoft und das Beste von Nokia vereinen".

Quelle: n-tv.de

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