Wirtschaft
In Minsk festgenommen: Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner.
In Minsk festgenommen: Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner.(Foto: REUTERS)

Uralkali-Chef verhaftet: Minsk legt sich mit Moskau an

Als die russische Uralkali überraschend das Ende eines Kali-Preiskartells ankündigt, geraten weltweit die Märkte in Turbulenzen. Besonders hart trifft der Schritt Weißrussland. Dessen Regierung schlägt nun zurück - und lässt den Konzernchef verhaften.

Der Kali-Streit zwischen Russland und Weißrussland gewinnt an Dynamik. Nach der Festnahme des Chefs des russischen Kali-Weltmarktführers Uralkali, Wladislaw Baumgertner, planen die weißrussischen Behörden nun, Immobilien und andere Vermögenswerte des Konzerns zu beschlagnahmen, wie die russische Nachrichtenagentur RIA berichtete. Derweil verhängte ein Gericht in der Hauptstadt Minsk zwei Monate Untersuchungshaft gegen den Konzernchef.

Russland reagierte empört auf die Festnahme Baumgertners. "Was geschehen ist, ist absolut inakzeptabel", sagte Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow. Die Situation sei "sonderbar, unangemessen und passe nicht zu einer Partnerschaft".

Der Streit war im Juli entbrannt, als Uralkali aus dem gemeinsamen Handelskonsortium BPC mit der weißrussischen Belaruskali ausstieg, über das beide Partner ihre Kali- und Magnesiumprodukte vertrieben. Das Ende des Bündnisses schlug weltweit an den Kali-Märkten Wellen, denn damit endete de facto ein weltweites Preiskartell für Kali. Das Joint-Venture stand für 43 Prozent der weltweiten Kali-Exporte. Die Aktie des deutschen Düngemittel- und Salzherstellers K+S brach ein, weil mit einem Preisverfall gerechnet wird. Kali ist neben Stickstoff und Phosphat einer der Hauptbestandteile von Düngemitteln.

Minsk braucht Devisen

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Die Hintergründe für die Entscheidung Uralkalis sind nicht ganz klar. Die Russen geben an, sie wollen ihre Kaliexporte künftig selber in die Hand nehmen und ihre Produktionskapazitäten voll auszunutzen. Möglicherweise stecken aber auch politische Motive hinter dem Schritt.

Für Weißrussland ist das Ende ein schwerer Schlag, da Kali einer der wichtigsten Devisenbringer für das Land ist, das von Präsident Alexander Lukaschenko seit 1994 autokratisch regiert wird - und dem es wirtschaftlich schlecht geht.

Baumgertner habe "dem Staat und den öffentlichen Interessen Weißrusslands erheblichen Schaden" zugefügt und auch dem staatlich kontrollierten Kaliproduzenten Belaruskali, stellt ein weißrussischer Untersuchungsausschuss fest und wirft dem Manager "Machtmissbrauch" vor. Er habe mit drei weiteren Uralkali-Manager Insiderwissen zur eigenen Bereicherung genutzt. Die Behörden werfen ihnen Betrug im Umfang von 100 Millionen Dollar vor.

Auf dem Flughafen festgenommen

Ein Sprecher von Uralkali bezeichnete die Verhaftung als "skandalöse Provokation" und forderte die sofortige Freilassung des Managers. Einen entsprechenden Antrag habe man an das Außenministerium geschickt. Baumgertner sei auf Einladung von Ministerpräsident Michail Mjasnikowitsch nach Minsk gereist. Nach dem Treffen sei er am Flughafen verhaftet worden.

Der Sprecher des Untersuchungsausschusses sagte, Baumgertner habe das BPC-Management mit Personen besetzt, die Uralkali nahestünden. Sie hätten Entscheidungen getroffen, die die russische Gesellschaft unverhältnismäßig bevorteilt hätten. Derzeit werde auch nach vier anderen Vertretern von BPC gesucht, Interpol sei informiert.

Jahrelang wurde der Markt von zwei Kartellen beherrscht, BPC in Russland und Canpotex in Kanada. In Canpotex organisieren sich das kanadische Schwergewicht Potash sowie die Produzenten Mosaic und Agrium. Die deutsche K+S stand als unabhängiger Kalianbieter dazwischen. Die beiden Vertriebsgesellschaften verlangten in großen Märkten wie Indien und China die gleichen Preise. Einige Kunden zogen deshalb den Vergleich zum exklusiven Diamantenhandel. Allerdings bestritten die Unternehmen, wie Kartelle zu arbeiten.

Quelle: n-tv.de

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