Wirtschaft
Wang Jing (re.) soll Nicaraguas Präsident Ortega einen Kanal bauen, um das Monopol des Panama-Kanals zu brechen.
Wang Jing (re.) soll Nicaraguas Präsident Ortega einen Kanal bauen, um das Monopol des Panama-Kanals zu brechen.

Mystery-Unternehmer will Nicaragua-Kanal bauen: Mister Wangs Wunder

Von Hannes Vogel

Seit Jahrhunderten träumen Entdecker und Eroberer davon, einen Kanal durch die Dschungel und Sümpfe Nicaraguas zu bauen. Nun will Wang Jing das Milliarden-Projekt in fünf Jahren durchziehen. Mit traditioneller chinesischer Medizin.

Wang Jing hat sich schon immer viel vorgenommen. Gerade einmal 40 Jahre alt ist der Besitzer der Xinwei Telecom Enterprise Group, doch er kontrolliert bereits ein Imperium von mehr als 20 Firmen in China. Unter seiner Führung sei Xinwei in den letzten drei Jahren eine der am schnellsten wachsenden Telekomfirmen der Welt geworden, sagt Wang. Sein erstes Vermögen will er mit einer kambodschanischen Goldmine gemacht haben. Viel mehr ist über den mysteriösen Geschäftsmann aus Peking nicht bekannt.

Außer, dass er sich nun ein Projekt vorgenommen hat, was selbst für seine Verhältnisse großzügig dimensioniert scheint: Für die Regierung von Nicaragua will Wang einen neuen Kanal bauen, der den Pazifik mit dem Atlantik verbindet. 286 Kilometer, mitten durch Dschungel, Sümpfe und den Nicaragua-See, das größte Frischwasser-Reservoir Mittelamerikas. Dreimal länger als der Panamakanal.

Im Juni hat Nicaraguas Parlament Wangs Firma HKND Group die Lizenz erteilt, den Kanal zu planen, bauen und zu betreiben. Die Konzession läuft zunächst 50 Jahre und kann dann um 50 Jahre verlängert werden. Schon im September hatte Wang den Deal mit Nicaraguas Präsident Daniel Ortega abgeschlossen.

Wangs Wunder kostet 40 Milliarden

Viel ist über Wang Jing nicht bekannt.
Viel ist über Wang Jing nicht bekannt.(Foto: REUTERS)

Von einem Kanal durch Nicaragua träumen Entdecker, Eroberer und selbst US-Präsidenten schon seit Jahrhunderten. Anders als in Panama könnte ein Kanal in Nicaragua Atlantik und Pazifik auf Meeresspiegelhöhe verbinden, weil die Landschaft relativ flach ist. Der Kanal bräuchte dann keine Schleusen, das würde die Wartezeiten für Schiffe deutlich verringern. Allerdings müsste man dazu Gezeitenunterschiede von fast sieben Metern auf beiden Seiten unter Kontrolle bringen.

Diese Meisterleistung soll nun Wangs Firma vollbringen, die keinerlei Vorerfahrung mit solchen Mammutprojekten hat. 40 Milliarden Dollar soll Wangs Wunder kosten. Der Panamkanal kostete 375 Millionen Dollar. Die meisten westlichen Investoren dürften abwinken. Nicaragua gilt nicht gerade als Land mit krisenfestem Investitionsklima.

Falls Ortegas linksgerichtete Regierung den Kanal in der Zukunft einfach verstaatlicht, so wie Ägyptens Präsident Nasser 1956 den Suez-Kanal, wäre ihr Geld futsch. Dennoch will Wang die Mega-Finanzierung bereits mit „große Banken und anderen großen Institutionen“ aus USA, Europa und China gestemmt haben, ihre Namen aber erst innerhalb der kommenden zwei Monate verraten.

Auch eine genaue Route für den Kanal steht noch nicht fest. Eine Machbarkeitsstudie läuft noch. Doch Wang weiß bereits: „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass die Bauarbeiten im Dezember 2014 anfangen und bis 2019 in fünf Jahren abgeschlossen sein werden“. Bis der Panama-Kanal fertig war, dauerte es ein Jahrzehnt.

Traditionelle chinesische Medizin für Nicaragua

Ob ein neuer Kanal durch Mittelamerika überhaupt gebraucht wird, daran scheiden sich die Geister. „Ein zweiter Kanal könnte sinnvoll sein, weil dann die Kanalgebühren sinken dürften“, findet der Verband Deutscher Reeder. „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Wangs Firma glaubt, dass der wachsende Welthandel und der Gas-Boom in den USA die Investitionen rechtfertigen. Die Schiffe werden zudem immer größer, viele passen gar nicht mehr durch den Panama-Kanal. Der wird deshalb gerade für mehr als fünf Milliarden Dollar erweitert. Bis 2015 baut die Regierung drei neue Schleusen, doch selbst die wären für die neusten Schiffe der Maersk-Reederei noch zu klein.

Neben wirtschaftlichen Kriterien könnten auch andere Details des Kanalprojekts für Verunsicherung sorgen. Wangs Firma HKND sitzt in Hongkong, registriert hat er sie auf den Cayman-Inseln, wo viele internationale Briefkastenfirmen residieren. Wang war völlig unbekannt, bis er 2010 die verlustbringende Staatsfirma Xinwei privatisierte. Er habe traditionelle chinesische Medizin studiert, sagte Wang der Nachrichtenagentur Reuters, wollte auf Nachfrage aber nicht verraten wo.

China lässt die Muskeln spielen

Dafür kann Wang umso berufenere Helfer vorweisen. Die Beratungsfirma Environmental Resources Management (ERM) soll die beste Route für den Kanal auswählen. Als Chefberater und Projektingenieur fungieren Spezialisten, die früher bei der australischen Baufirma Leighton gearbeitet haben. Als Nicaraguas Regierung Wangs Firma im Juni die Lizenz zum Bau des Kanals erteilte, posierten nicht nur Präsident Ortega, sondern auch ein Berater von McKinsey und ein Anwalt der internationalen Kanzlei Kirkland & Ellis für Fotos, die das Projekt wohl juristisch absichern soll.

Womöglich bekommt das Projekt noch Unterstützung von ganz anderer Seite. Verbindungen zu Chinas Regierung streitet Wang aber vehement ab: "Ich bin ein ganz normaler chinesischer Bürger, ich könnte gar nicht normaler sein“. Laut Reuters zeigt die Webseite von Wangs Firma, wie Xi Jinping und Li Keqiang Wangs Firma Xinwei besichtigen. Inzwischen sind sie Chinas Präsident und Premierminister.

Ob mit oder ohne offizielle Unterstützung Pekings: Mit dem Nicaragua-Kanal lässt China in Amerikas Einflusszone die Muskeln spielen. Denn ein Chinese, der dem US-dominierten Panama-Kanal Konkurrenz machen will, dürfte den Amerikanern gar nicht gefallen. Schon deshalb, weil auch der zweite Partner in dem Spiel, Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, für Washington kein Unbekannter ist. Er lenkte schon von 1985 bis 1990 die Geschicke des Landes. Damals bewaffnete der US-Geheimdienst CIA heimlich die paramilitärischen Contra-Rebellen, die Ortegas marxistische Sandinisten-Regierung stürzen wollten.

Quelle: n-tv.de

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