Wirtschaft
Gazprom unkt, dass die Gas-Vorräte der Ukraine knapp bemessen seien.
Gazprom unkt, dass die Gas-Vorräte der Ukraine knapp bemessen seien.(Foto: REUTERS)

IWF-Hilfen im Blick: Moskau will Vorauszahlungen von Ukraine

Der russische Gas-Konzern Gazprom bezweifelt, dass die Ukraine mit ihren Vorräten über den Winter kommt. Zudem soll das Nachbarland künftig Lieferung im Voraus begleichen. Andernfalls wird der Hahn zugedreht - und das könnte dann auch Europa spüren.

Die Ukraine hat nach Einschätzung des russischen Energiekonzerns Gazprom zu wenig Gasvorräte für den kommenden Winter. Das Land brauche insgesamt 18,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas in seinen Speichern. Derzeit lagere dort aber nur gut die Hälfte, sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Witali Markelow.

Im Zuge der politischen Krise in der Ukraine haben sich auch die Fronten im Gasstreit zwischen beiden Seiten wieder verhärtet. Russland besteht auf Vorkasse für künftige Lieferungen und begründet das mit unbezahlten Rechnungen.

Juni-Lieferung nur per Vorkasse

Die Ukraine will eine Änderung des 2009 geschlossenen Vertrages, der die Abnahme einer festen Menge zu einem Preis von 485 Dollar je Kubikmeter vorsieht. Russland senkte diesen Preis vorübergehend, als der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch von einem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) abrückte, hob ihn nach Janukowitschs Sturz aber wieder an. Kiew muss für russisches Gas inzwischen europaweit einen der höchsten Preise zahlen. Die Übergangsregierung weigert sich bislang zu zahlen. Nach Gazprom-Angaben steht die Ukraine inzwischen mit mehr als 3,5 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) bei dem Konzern in der Kreide.

Die Gaslieferungen an die anderen europäischen Abnehmer über den Transit durch die Ukraine sind nach den Worten eines Gazprom-Managers nach wie vor stabil.

Derweil verlangt Gazprom, dass die Ukraine für die russischen Gaslieferungen im Juni 1,66 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro) im Voraus zahlen soll. Die Summe entspreche 114 Millionen Kubikmetern Gas pro Tag, hieß es.

Zudem sei der ukrainische Versorger Naftogas über die Umstellung auf Vorkasse informiert worden. Künftig liefere Gazprom nur noch soviel Gas wie Naftogas bezahle. Grund sind die hohen Gasschulden der Ukraine von derzeit 3,508 Milliarden Dollar. Stichtag für die neue Rechnung ist der 3. Juni um 10.00 Uhr (8.00 Uhr MESZ).

Russland verweist auf IWF-Milliarden

Am Vortag hatte Gazprom-Chef Alexej Miller gedroht, die Lieferungen an diesem Tag anderfalls einzustellen. Russland warnt, dass bei einem Lieferstopp auch der Transit in die EU betroffen sein könnte. Die EU bezieht ein Viertel ihres Erdgases aus Russland, von dem etwa die Hälfte durch die Ukraine transportiert wird.

Zudem hatte Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew gesagt, Kiew müsse seine Rechnungen für Juni wegen ausstehender Schulden im Voraus bezahlen. Allerdings sei derzeit kein Wille zur Zahlung zu erkennen. Das sei "bedauerlich", denn Kiew habe das Geld. Es sei bekannt, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) Kiew die erste Tranche eines Kredits ausgezahlt habe.

Der IWF-Verwaltungsrat hatte Anfang Mai zur Stabilisierung der Ukraine 17 Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro) an Krediten bereitgestellt. Die Kredite des IWF sollen der Ukraine über einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung gestellt werden. Eine erste Tranche von 3,2 Milliarden Dollar wurde vergangene Woche ausgezahlt.

Spitzentreffen in Brüssel

Vertreter von EU, Russland und der Ukraine hatten sich indes zu Wochenbeginn in Brüssel getroffen, um ein neues trilaterales Spitzentreffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger zur Beilegung der Gasstreits vorzubereiten. Das Expertengespräch habe Hindernisse ausräumen können, sagte Oettingers Sprecherin im Anschluss. Datum und Ort des Treffens nannte sie jedoch nicht. Nach russischen Angaben könnte das Treffen am 16. Mai in Athen stattfinden.

Oettinger hatte sich erstmals Anfang Mai mit dem russischen Energieminister Alexander Nowak und dessen ukrainischen Kollegen Juri Prodan getroffen, um über den Konflikt zu beraten. Er will bis Ende des Monats eine einvernehmliche Lösung finden.

Quelle: n-tv.de

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