Wirtschaft
Der geplante Hafen soll den Handel in Südostasien aufmischen. Häfen wie der abgebildete Laem Chabang würden eine untergeordnete Rolle bekommen.
Der geplante Hafen soll den Handel in Südostasien aufmischen. Häfen wie der abgebildete Laem Chabang würden eine untergeordnete Rolle bekommen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 02. April 2015

Armes Land mischt Welthandel auf: Myanmar plant 50-Milliarden-Dollar-Hafen

Mit einem gigantischen Seehafen will Myanmar den Sprung vom Armenhaus Südostasiens zum Businesszentrum vollführen. Die Kosten des Projekts sind beispiellos, 100.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Dennoch schrillen vor Ort die Alarmglocken.

Noch dümpeln zerbeulte Fischerboote vor der Küste von Dawei in Myanmar. Im Hinterland bestellen Bauern mit Büffeln ihre Felder. Sie sollen aber vertrieben werden, denn hier soll eine gigantische Industriezone mit Tiefseehafen entstehen. Der Staat in Südostasien, dessen Militärjunta das Volk bis 2011 jahrzehntelang unterdrückte, will damit in die Weltliga der Hafenbetreiber.

Fischerboote an der Küste bei Dawei.
Fischerboote an der Küste bei Dawei.(Foto: dpa)

Dawei würde mit seiner geplanten Kapazität heute zu den größten Häfen der Welt gehören. Die Verträge für die erste Bauphase sollen bis Ende April unterzeichnet werden, sagt Thailands größte Baufirma Italian-Thai. Dawei vermarktet sich als "neues Tor nach Indochina", die Germany Trade and Invest Gesellschaft für Außenwirtschaft nennt es das vermeintlich ehrgeizigste Industriezonenprojekt Südostasiens.

"Dawei wird der größte Logistik-Hub dieser Art in der Region", sagt der Marketing-Manager von Italian-Thai, Pravee Kamolkanchana. "Es ist das größte Projekt in der Firmengeschichte." Die Firma trägt "Italian" aus historischen Gründen im Namen, ist aber ganz in thailändischer Hand. Das Projekt soll nach ihren Angaben 50 Milliarden Dollar (46,5 Milliarden Euro) kosten und in der Region 100.000 Arbeitsplätze schaffen.

Zahlen und Fakten:
  • Die 200 Quadratkilometer große Industriezone ist größer als die gesamte Insel Fehmarn.
  • Der Hafen soll im Jahr 250 Millionen Tonnen Fracht umschlagen und wäre damit fast 80 Prozent größer als der Hamburger Hafen.
  • Geplant sind in der Industriezone: eine Ölraffinerie, ein Stahlwerk, ein Kraftwerk, eine Chemikalienfabrik, ein Papierwerk und jede Menge Fabriken.
  • Die Zone soll an die nur 300 Kilometer entfernte Millionenmetropole Bangkok in Thailand und 900 Kilometer Richtung Norden bis nach China mit Autobahn, Eisenbahn und Pipeline angebunden werden.
  • Für die Manager der Firmen soll eine kleine Stadt mit Hotels, Wohnanlagen und Golfplätzen aus dem Boden gestampft werden.

"Wir sterben lieber"

Vor Ort schrillen aber die Alarmglocken. Rund 43.000 Menschen leben dort nach Angaben des Dawei-Entwicklungsvereins und sollen teilweise umgesiedelt werden. Der Verein will helfen, dass die Menschen nicht über den Tisch gezogen werden. "Der Kompensationsprozess ist völlig unzureichend", kritisiert er in einem 80-seitigen Report. "Das Geld reicht nicht, um die Zukunft der Familien zu sichern."

Ma Nu Man (38) hat mit ihrem Mann in Launglon eine Cashew-Nuss-Farm aufgebaut, die im Jahr umgerechnet 4000 Euro abwirft. "Sie haben etwas mehr als eine Jahresernte für die Farm geboten - wir sterben lieber, als das anzunehmen", sagt sie. "Zahreiche Anwohner haben schon Land und Felder verloren, sie wurden konfisziert und die Besitzer nicht vernünftig entlohnt", sagt Chit Chit Win, Sprecherin der Hilfsorganisation Tavoyan Women's Union.

"Die Leute freuen sich, dass wir kommen, weil es dann Jobs auf dem Bau gibt und in den Fabriken und im Hafen", sagt dagegen Pravee. Wer weichen müsse, bekomme zehn Kilometer weiter Land. Dort verspricht die Firma auch neue Schulen, Tempel, Krankenhäuser.

Myanmar ist nach Angaben der Weltbank eines der ärmsten Länder der Region. 37 Prozent der rund 55 Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Ein Blick auf die Landkarte zeigt die Attraktivität des Standorts: Er liegt in der Andamansee zwischen Indien und China, nur 300 Kilometer von der Acht-Millionen-Metropole Bangkok entfernt.

Autobahn, Eisenbahn, Pipeline bis nach China

Heute müssen große Containerschiffe mit Ware für Südostasien bis zum nächsten Tiefseehafen nach Singapur fahren, oder noch weiter zu den Häfen am Chinesischen Meer. "Dawei wird Transportzeiten und Kosten dramatisch senken", sagt Chayut Setboonsarng, Analyst an einem Südostasien-Institut in Bangkok.

Dawei soll mit Autobahn, Eisenbahn und Pipeline bis ins 900 Kilometer entfernte China vernetzt werden. Das Wirtschaftsforschungsinstitut für Süd- und Südostasien sieht in einer Studie erhebliche Wachstumszuwächse für Thailand, Myanmar und die gesamte Region.

Es gibt aber auch Skeptiker. Das Projekt hat sich verzögert, weil Interessenten für die Industriezone ausblieben. Firmen wollten erstmal Investitionen in die Infrastruktur sehen, bevor sie sich engagierten, stellte die Asiatische Entwicklungsbank fest. "Daweis wirtschaftliche Aussichten sind düster", lautet gar das vernichtende Urteil des Experten für Sonderwirtschaftszonen in Myanmar, Josh Wood, von der Australien National University. Der Standort habe keine Infrastruktur wie Banken, Internet, Straßen, nicht genügend Arbeiter und liege fernab etablierter Handelsrouten.

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Quelle: n-tv.de

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