Wirtschaft
Bernd Osterloh findet klare Worte.
Bernd Osterloh findet klare Worte.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Mitbestimmung, keine Investitionen: VW-Betriebsrat macht Druck in USA

VW-Betriebratschef Osterloh reagiert auf die Niederlage beim Projekt "Betriebsrat für Chattanooga" im amerikanischen Süden mit einer Drohung. Die Politik hätte "eine massive, gewerkschaftsfeindliche Stimmung gemacht". Das könnte für die Zukunft Folgen haben.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh geht nach der Ablehnung eines Betriebsrats im amerikanischen Volkswagen-Werk Chattanooga in die Offensive. Weitere Investitionen im Süden der USA könnten künftig davon abhängig gemacht werden, wie es dort mit der Mitbestimmung weitergehe. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein weiterer VW-Standort in den USA, sofern dort noch einer aufgebaut werden soll, nicht unbedingt wieder in den Süden gehen muss", sagte Osterloh der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn das Thema betriebliche Mitbestimmung nicht von vorneherein geregelt ist, werden wir als Arbeitnehmer dem kaum zustimmen können."

"Unfaire Einflussnahme"

Die Belegschaft des bisher einzigen VW-Werks in den USA hatte sich am Wochenende mit knapper Mehrheit gegen einen Betriebsrat nach deutschem Vorbild ausgesprochen. Vor allem konservative Politiker hatten zuvor vor den Betriebsratsplänen gewarnt, um einen größeren Einfluss der amerikanischen Autogewerkschaft UAW im Werk zu verhindern. Unter anderem warnten sie vor negativen wirtschaftlichen Folgen für die Region.

Das Volkswagen-Werk im US-amerikanischen Chattanooga, Tennessee.
Das Volkswagen-Werk im US-amerikanischen Chattanooga, Tennessee.(Foto: picture alliance / dpa)

Hätten die VW-Arbeiter für das Mitbestimmungsmodell votiert, hätte dies wahrscheinlich eine Signalwirkung gehabt. Die UAW spielt derzeit nämlich nur in den traditionellen Hochburgen der US-Autoindustrie im Norden und Mittleren Westen eine Rolle. Tennessee hat dagegen wie andere konservative Bundesstaaten im Süden der USA die Macht von Gewerkschaften per Gesetz ausgehebelt.

Beratungen mit Arbeitsrechtlern

"Die Konservativen haben von außen eine massive, gewerkschaftsfeindliche Stimmung gemacht. Möglich ist, dass man zu dem Ergebnis kommt, dass diese Einflussnahme 'unfair labour praxis' ist, also eine unfaire Einflussnahme auf die Belegschaft", sagte der Wolfsburger Gesamtbetriebsratschef.

Nach amerikanischem Recht kann VW ohne die Gewerkschaft zwar keine betriebliche Interessenvertretung aufbauen. Dennoch werde man nun alle Möglichkeiten ausloten, doch noch Betriebsräte nach Chattanooga zu bringen. Geplant seien nun "Beratungen mit hoch spezialisierten US-Arbeitsrechtlern". Dabei werde man "alle Varianten prüfen, wie wir einen US-amerikanischen Betriebsrat umsetzen können". Es gehe darum, "Mitbestimmung beispielsweise bei Einstellungen oder Qualifizierungsmaßnahmen" zu bekommen. Zurzeit habe jeder Mitarbeiter in Chattanooga einen Einzelvertrag. "Kollektive Regelungen haben aber deutliche Vorteile für die Beschäftigten", so Osterloh.

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Quelle: n-tv.de

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