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Die Inflation ist weiter zu niedrig. Die EZB will daher sogar negative Zinsen in Kauf nehmen.
Die Inflation ist weiter zu niedrig. Die EZB will daher sogar negative Zinsen in Kauf nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Sinkende Preise alarmieren EZB: Negative Zinsen immer wahrscheinlicher

Alles spricht dafür, dass die EZB bald radikale Maßnahmen ergreift - bis hin zu Minuszinsen: Die Inflation ist weiter zu niedrig. Und auch in den kommenden Jahren erwarten die Währungshüter nun, dass die Preise weniger zulegen als gedacht.

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Die Inflation in der Euro-Zone bleibt trotz eines leichten Anstiegs im April niedrig. Die Verbraucherpreise zogen um 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat an, wie die Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag mitteilte. Im März waren es sogar nur 0,5 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 1,2 Prozent. Die billigere Energie drückt auf das Preisniveau, auch einige Nahrungsmittel wie Gemüse waren günstiger zu haben. Der starke Euro verteuert überdies Importe. Zudem lahmt in vielen Schuldenstaaten wie Griechenland, Portugal und Zypern die Wirtschaft - dort fallen die Preise sogar.

Auch für die kommenden Jahre gehen die Experten, die die EZB regelmäßig befragt, inzwischen damit, dass die Preise deutlich weniger zulegen als bisher erwartet. Bei einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Europäischen Zentralbank senkten die 55 Experten ihre Prognosen für die Teuerung. In diesem Jahr erwarten sie nun eine Inflationsrate von lediglich 0,9 (bisher 1,1) Prozent, im kommenden Jahr rechnen sie mit einem leichten Anstieg auf 1,3 (1,4) Prozent. Erst 2016 sagen die Ökonomen nun wieder eine Jahresrate von 1,5 (1,7) Prozent voraus, die sich wieder einigermaßen dem von der EZB angestrebten Wert nähert. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt.

Alles spricht für radikale Maßnahmen

Diese seit Monaten anhaltend niedrige Inflation schürt in der Eurozone die Angst vor einer Deflation - also einem massiven Preisverfall für Waren und Dienstleistungen - und somit vor schädlichen Folgen für die sich gerade mühsam erholende europäische Wirtschaft. Die Märkte erwarten deshalb ein Eingreifen: "Die deutliche Senkung der Inflationserwartung lässt der EZB mehr Spielraum für Lockerungen", sagt ein Händler.

Die EZB selbst hat in den vergangenen Tagen in ungewöhnlicher Deutlichkeit gesagt, dass sie im Juni handeln wird. "Der Rat ist geschlossen in seiner Bestimmtheit, auch unkonventionelle Instrumente innerhalb seines Mandats zu nutzen, um effektiv mit den Risiken einer zu langen Phase von niedriger Inflation umzugehen", hatte EZB-Chef Mario Draghi vergangene Woche angekündigt.

"Wir könnten den Banken erneut für einen längeren Zeitraum Geld leihen, möglicherweise gegen Auflagen. Wir könnten die Zinsen noch einmal senken", sagte zudem EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. Die EZB schreckt dabei sogar vor Minuszinsen nicht zurück: "Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen", sagte Praet. So will die EZB erreichen, dass Banken die Wirtschaft ankurbeln, statt ihr Geld bei der EZB zu parken.

Quelle: n-tv.de

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