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Kevin Spacey und Robin Wright gehören mit ihrer Serie "House of Cards" zu den Aushängeschildern von Netflix.
Kevin Spacey und Robin Wright gehören mit ihrer Serie "House of Cards" zu den Aushängeschildern von Netflix.(Foto: AP)

Neuer Streamingdienst in Deutschland: Netflix trifft auf starke Gegner

Von Volker Petersen

Der US-Streamingdienst Netflix kommt nach Deutschland und will die Fernsehwelt aufmischen. Keine leichte Aufgabe: Die Kalifornier treffen nicht nur auf starke Konkurrenten, sondern auch auf einen schwierigen Markt.

Netflix soll das nächste große Ding im deutschsprachigen Internet sein. Die Presse überschlägt sich mit Berichten, der "Spiegel" widmet dem Streamingdienst aus den USA vier Seiten, Konkurrenten senken schon einmal vorsorglich die Preise. 50 Millionen Abonnenten hat Netflix weltweit bereits angelockt und es werden täglich mehr. Jeden Abend belegt der Dienst ein Drittel der US-Netzkapazität, heißt es in einer Studie. Am 16. September feiern die Kalifornier eine große Party in Berlin - dann soll auch bekannt gegeben werden, wann es genau losgeht. Denn noch ist der Termin geheim. Klar ist aber: Irgendetwas scheint Reed Hastings, Gründer und Chef des Unternehmens, richtig zu machen. Aber was?

Portale wie Netflix haben einen entscheidenden Vorteil. Sie bieten den Zuschauern ein Angebot, das die meisten bereits aus dem Internet kennen: video on demand, also Video auf Abruf. Daran haben sich vor allem junge Zuschauer längst gewöhnt. Sie rufen jederzeit Clips auf Youtube oder auch illegalen Plattformen wie kinox.to ab – wann sie wollen und wo sie wollen. Dass man um 20:15 Uhr zuhause sein muss, um eine Sendung zu sehen, erscheint solchen Zuschauern eher lästig.

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Darauf haben zwar die TV-Platzhirsche reagiert, indem sie Mediatheken im Internet eröffneten. Auch n-tv verfügt über ein solches Angebot, bei dem Zuschauer Inhalte jederzeit und von überall abrufen können. Die Streamingdienste haben jedoch ein deutlich breiteres Angebot. Sie bieten nicht nur die Sendungen eines einzelnen Senders oder einer Senderfamilie, sondern alle möglichen Serien, Filme und Shows unabhängig von deren Herkunft. Das lassen sie sich bezahlen – verzichten dafür aber auf Werbung.

Potenzial hat der neue Markt allemal, noch ist er allerdings winzig klein. Laut einer Goldmedia-Studie sind rund vier Millionen Deutsche Kunden bei Online-Videotheken. Bis 2018 soll sich der Umsatz auf 449 Millionen Euro verdreifachen. Solche Zahlen sind Peanuts im Vergleich zu den Einnahmen großer TV-Ketten. Die öffentlich-rechtlichen Sender nahmen im vergangenen Jahr allein knapp 7,7 Milliarden Euro durch Rundfunkgebühren ein, RTL wies im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro aus.

Harte Konkurrenz

Netflix stößt auf große Konkurrenz: Neben dem Marktführer Maxdome mischt auch Amazon mit  ("Prime Instant Video"), Watchever heißt ein weiterer Wettbewerber. Sky senkte vorsorglich schonmal die Abokosten für sein Portal "Snap".  Über den Preis scheint Netflix den Markt allerdings nicht aufrollen zu wollen. Wie ein Branchendienst berichtet, dürften monatlich knapp acht Euro zu berappen sein – ebenso viel wie bei Maxdome und Amazon.

Fraglich ist auch, ob die Deutschen sich schnell genug auf die neuen Portale einlassen, damit diese bald schwarze Zahlen schreiben können. Bezahlangebote im Fernsehen gelten hierzulande als schwer vermittelbar. Sinnbild dafür ist die Unternehmensgeschichte des Pay-TV-Senders Sky, dem ehemaligen Premiere. Erst im vergangenen Jahr schrieb es zum ersten Mal überhaupt schwarze Zahlen. Der Grund dafür ist auch die hohe Zahl an frei empfangbaren Sendern – deren Inhalte scheinen den meisten zu genügen.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Netflix liegt jedoch genau hier: bei den Inhalten. Die Macher wollen nicht bloß ein Mediaplayer im Internet sein. Seit einigen Jahren produzieren sie selbst Serien, die von Kritikern gefeiert wurden: "House of Cards", "Orange is the new black" oder "Lilyhammer". Diese Werke gehören zum Start von Netflix in Deutschland aber offenbar gar nicht zum Programm, weil die Rechte an deutsche TV-Sender verkauft wurden.

Dennoch: Die Eigenproduktionen von Netflix überbrachten eine unmissverständliche Botschaft: Das Internet ist das neue Fernsehen. So war "House of Cards" auch ein kleiner Blick in die Zukunft, wie heutige Fernsehformate künftig produziert und wo sie zu sehen sein könnten. Die Ankunft von Netflix in Deutschland ist also auch ein Angriff auf das Fernsehen, wie wir es bisher kannten – zumal Unternehmenschef Hastings ankündigte, mittelfristig auch eigene Formate für den deutschsprachigen Markt zu produzieren.

Müssen sich die großen TV-Sender nun fürchten? Zumindest bei RTL gibt man sich gelassen. Der US-Riese sei vor allem für Maxdome oder Snap ein Konkurrent, sagte Senderchefin Anke Schäferkordt vor zwei Wochen in einem Interview. Auf Fernsehsender sieht die TV-Managerin allerdings langfristige Folgen zukommen. Diese müssten damit leben, dass sie ihre US-Serien und Filme nicht mehr allein haben. Daher würden Eigenproduktionen künftig immer wichtiger, so Schäferkordt, "damit jeder Sender seine Alleinstellungsmerkmale hat".   

Ob die Netflix-Eigenproduktionen den deutschen Geschmack treffen, ist allerdings fraglich. Als Sat.1 "House of Cards" sendete, blieben die Einschaltquoten mit durchschnittlich 7,5 Prozent Marktanteil weit hinter den Erwartungen zurück. Der Sender ließ schließlich die zum Jahresende verbliebenen Folgen an einem einzigen Tag über den Bildschirm flimmern. Auf dem Sendeplatz folgte stattdessen die Wiederholung einer Krimiserie.   

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Quelle: n-tv.de

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