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(Foto: picture alliance / dpa)

1000 Tage Nicht-Eröffnung : Neuer Korruptionsverdacht am BER

Vor gut zweieinhalb Jahren hätte der als Prestigeobjekt der Region geplante Flughafen BER eröffnen sollen. Aber der "harte Hund" Mehdorn hat es vermasselt. Deutschlands größte Baustelle hat keinen Flugverkehr zu bieten, aber einen neuen Korruptionsskandal.

1000 Tage nicht eröffnet, 1000 Tage nichts passiert, so lässt sich das Pannenprojekt Hauptstadtflughafen BER zusammenfassen. Geflogen wird hier auch nach neun Jahren Bauphase nicht. Und der anvisierte Eröffnungszeitraum wirkt angesichts immer weiterer Probleme auch wenig belastbar. Auf der größten Baustelle Deutschlands scheint vor allem eins sicher: immer neue Probleme und immer neuer Ärger. Ausgerechnet zum runden "Jubiläum" wird ein möglicher neuer Korruptionsfall bekannt.

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Wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin bestätigte, ermittelt die Behörde wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit im besonders schweren Fall. Der Verdacht richtet sich gegen einen früheren Bereichsleiter des Flughafens sowie vier frühere leitende Mitarbeiter einer Firma, die auf der Baustelle arbeitet. Die Behörde bestätigt damit einen Bericht der "Bild am Sonntag".

Die Flughafengesellschaft soll dem Medienbericht zufolge ungeprüfte Rechnungen der fraglichen Firma in Höhe von rund 60 Millionen Euro bezahlt haben. Im Gegenzug habe der FBB-Bereichsleiter einen "Millionenbetrag" von der Firma erhalten, hießt es. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "größeren Geldbetrag".

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Der Zeitung zufolge handelt es sich bei der mutmaßlich in die Affäre verwickelten Firma um keine Unbekannte, sondern um das Unternehmen, das für den Bau der Sprinkleranlage des BER zuständig ist. Die Anlage ist das größte Hindernis für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens. Sie trug wegen gravierender Mängel bereits erheblich zur Verzögerung der Flughafeneröffnung bei.

Anders als im aufsehenerregenden Korruptionsfall um den früheren Technikchef Jochen Großmann ist keiner der Verdächtigen mehr auf seinem Posten. Die Ermittlungen gegen die fünf Verdächtigen laufen bereits seit vergangenem Dezember. Bereits Mitte 2013 wurde die Flughafengesellschaft über den Vorgang unterrichtet. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden sowohl der Bereichsleiter als auch die Mitarbeiter der Firma schon lange vor Ermittlungsbeginn entlassen.

Der Berlin-Brandenburger Großflughafen BER wird seit 2006 gebaut. Wegen massiver Planungs- und Baumängel musste die zunächst für Juni 2012 geplante Eröffnung immer wieder verschoben werden. Probleme bereitete vor allem die Brandschutzanlage des Terminals. Sie erfüllt nicht die behördlichen Auflagen. Nach jetzigem Stand soll der Flughafen im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet werden.

Irgendwann in den kommenden Monaten wird der designierte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, der von Rolls-Royce kommt, den glücklosen Flughafenchef Hartmut Mehdorn ablösen. Wann genau, ist offen. Mehdorn geht spätestens im Juni 2015. Jeder Tag Stillstand am BER kostet rund 1,2 Millionen Euro. Inoffiziellen Rechnungen zufolge sind mittlerweile rund 1,2 Milliarden Euro aufgrund der Nicht-Eröffnung angefallen, rund 444 Millionen Euro entfallen davon auf Berlin.

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Quelle: n-tv.de

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