Wirtschaft
Das gute alte Sparbuch bringt den Sparkassen kein Gewinn mehr ein.
Das gute alte Sparbuch bringt den Sparkassen kein Gewinn mehr ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Bundesbank rät zu Filialschließungen: Niedrigzinsen bringen Sparkassen in Not

Die deutsche Wirtschaft boomt wegen der niedrigen Leitzinsen. Doch die Sparkassen tun sich schwer, ihr traditionelles Geschäftsmodell den neuen Zeiten anzupassen. Ein Bundesbankvertreter hat einige gute Ratschläge für die öffentlichen Institute.

Die Sparkassen stellen sich angesichts niedriger Zinsen auf harte Zeiten ein. "Es stehen uns schwierige Jahre ins Haus", sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bei einer Branchenkonferenz in Berlin. Sowohl im Kreditgeschäft als auch mit ihren eigenen Anlagen würden die Institute in den kommenden Jahren weniger verdienen.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret rief die anwesenden Sparkassen-Chefs deshalb auf, sich nicht von den hohen Gewinne in den vergangenen Jahren blenden zu lassen. "Bitte bedenken Sie nicht nur Ihre aktuelle Situation, die vielen von Ihnen noch auskömmlich vorkommen mag. Es kann keine Strategie sein, auf Dauer aus der Substanz zu leben."

Den Instituten müsse klar sein, dass auch mittelfristig nicht mit einem Anstieg der Zinsen zu rechnen sei. Eine auf das Sparkonto ausgerichtete Sparkultur stoße in einer Phase niedriger Zinsen früher oder später an ihre Grenzen: "Ich dränge Sie, realistisch die Zinssituation einzuschätzen - ohne Angst, aber eben realistisch."

Die Sparkassen dürften nicht der Versuchung erliegen, auf der "Jagd nach Rendite" immer höhere Risiken einzugehen. Dies könne im schlimmsten Fall dazu beitragen, dass sich Preisblasen bildeten. Dombret rät ihnen, auf die Kostenbremse zu drücken: Mitarbeiter könnten noch effizienter eingesetzt und Sachkosten gedrückt werden. Auch das "relativ große" Filialnetz einiger Sparkassen müsse hinterfragt werden.

Erbitterter Familienstreit

Zudem forderte er Sparkassen und Landesbanken auf, den Streit über ihr gemeinsames Einlagensicherungssystem beizulegen. "Ich würde mich freuen, wenn die Gruppe zusammenbleiben würde." Sparkassen und Landesbanken ringen seit Monaten darum, wie sie ihr Einlagensicherungssystem an neue EU-Richtlinien anpassen. Sie müssen in den kommenden Jahren rund zwei Milliarden Euro nachschießen, um neue EU-Regeln zur Sicherung von Spareinlagen zu erfüllen.

Die westfälischen Sparkassen haben mit einem Austritt aus dem Verbund gedroht, falls ihre Forderung nach einer Haftungsbegrenzung nicht erfüllt werden. Fahrenschon und NordLB-Chef Gunter Dunkel zeigten sich zuversichtlich, dass sich die Institute zeitnah einigen. Viel Zeit dafür bleibt beiden Seiten allerdings nicht mehr, wie Dombret betonte. Bis Juli müssen die Institute die neuen gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

Trotz des Haftungsverbunds werden in Ernstfall wohl auch wieder die Steuerzahler bluten, sollte eine große Landesbank in Schieflage geraten, fürchtet Martin Faust von der Frankfurt School of Finance. "Wenn wirklich Landesbanken in Schwierigkeiten kämen, wären die Sparkassen relativ schnell überfordert."

Bilanzregeln überfordern die Kleinen

Sparkassen-Präsident Fahrenschon will von solchen Szenarien nichts wissen. Die Lage der Landesbanken habe sich seit der Finanzkrise gebessert, sagte er in Berlin. Auch die Sparkassen hätten ihre Reserven deutlich aufgestockt und seien damit für "absehbar schwierige Zeiten" gut gerüstet. Im vergangenen Jahr sei das Betriebsergebnis der 416 deutschen Sparkassen "kaum schlechter" ausgefallen als 2013.

Neben den niedrigen Zinsen kritisierte Fahrenschon auch die gestiegenen Kosten zur Erfüllung neuer Aufsichtsregeln. Die höheren Anforderungen der Regulierer, "die eigentlich für ganz Große erdacht worden sind", würden schleichend auf kleine und mittlere Institute übertragen. So müssten immer mehr Institute, die nach deutschem Handelsrecht (HGB) bilanzieren, Bilanzen in Anlehnung an den internationalen IFRS-Standard vorlegen.

Quelle: n-tv.de

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