Wirtschaft
Petro Porososchenko gehört zu den reichsten Ukrainern.
Petro Porososchenko gehört zu den reichsten Ukrainern.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Käufer für Imperium gesucht: Niemand will Poroschenkos Schokolade

Von Jan Gänger

Umsätze in Milliardenhöhe, Fabriken in mehreren Ländern, starke Position in Osteuropa. Eigentlich müssten Kaufinteressen für das Süßwaren-Konglomerat des ukrainischen Präsidenten Poroschenko Schlange stehen. Das tun sie aber nicht.

Als wären seine Probleme nicht schon groß genug: Dem ukrainischen Präsident Petro Poroschenko gelingt es nicht, ein zentrales Wahlversprechen einzuhalten. Er hatte angekündigt, im Falle eines Sieges seinen Süßigkeiten-Konzern Roshen zu verkaufen. Doch daraus wird derzeit nichts - die Suche nach einem Käufer gestaltet sich sehr viel schwieriger als gedacht.

Das ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich ist Poroschenko der Präsident eines Landes, das sich mit von Moskau unterstützten Separatisten herumschlagen muss. Für ausländische Investoren ist es derzeit wenig attraktiv, in der Ukraine zu investieren. Dazu kommt, dass Roshen auf dem wichtigen russischen Markt große Probleme bekommen hat. Angesichts der politischen Situation handele es sich beim Verkauf momentan um eine theoretische Möglichkeit, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen. Und das, obwohl "im Kern einem dabei das Wasser im Munde zusammenläuft."

Gute Beziehungen

Poroschenko gilt als einer der reichsten Ukrainer, dem Magazin "Forbes" zufolge war er vor Ausbruch der Krise 1,3 Milliarden Dollar schwer. Wie andere Oligarchen machte er sein Vermögen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren. Er begann mit dem Verkauf von Kakaobohnen, übernahm schrittweise mehrere Süßwarenfabriken und gründete schließlich den Branchengiganten Roshen. Zur Politik pflegte er nicht nur gute Beziehungen, er wurde früh selbst aktiv.

1998 trat er zum ersten Mal politisch in Erscheinung, als er Abgeordneter im Windschatten des damaligen Präsidenten Leonid Kutschma wurde. Zwei Jahre später gründete er mit Gleichgesinnten die Partei der Regionen, der auch der spätere Präsident Viktor Janukowitsch angehörte. Bald darauf wechselte Poroschenko jedoch die Seiten und tat sich mit seinem Freund Viktor Juschtschenko zusammen, der im Jahr 2004 zum Helden der "Revolution in Orange" und zum ukrainischen Staatschef aufstieg. Unter Juschtschenko war Poroschenko in den Jahren 2009 und 2010 Außenminister, blieb aber politisch außerordentlich flexibel: Als in Kiew wieder Janukowitsch ans Ruder gelangte, übernahm er im Jahr 2012 kurzzeitig ein Ministeramt. Nach dessen Sturz wurde er sein Nachfolger.

Roshen - der Name setzt sich aus den mittleren Silben des Nachnamens seines Gründers Poroschenko zusammen - wäre in normalen Zeiten wohl tatsächlich ein Leckerbissen für Süßigkeiten-Riesen. Der Konzern hat Fabriken in vier Ländern. Die wichtigsten befinden sich in der Ukraine, daneben gibt es Werke in Russland, Litauen und Ungarn. Roshen erzielt einen Jahresumsatz von umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar und ist damit nach Branchenangaben die weltweite Nummer 18.

Besonders stark ist Roshen in Osteuropa vertreten - einem für Süßwarenkonzerne überaus interessanten Markt. Die Region sorgt für knapp 13 Prozent der weltweiten Süßwarenumsätze, obwohl der Bevölkerungsanteil geringer ist. Ein wichtiges Plus für Roshen ist zudem, dass seine Produkte in Geschmack und Verpackungsdesign traditionellen, osteuropäischen Vorlieben entsprechen. Insgesamt produziert der Konzern mehr als 300 verschiedene Süßigkeiten und stellt davon jährlich 450.000 Tonnen her. Vor diesem Hintergrund schätzen Branchenexperten den Wert des Süßigkeiten-Konglomerats auf etwa 1,5 Milliarden Dollar.

Fabriken geschlossen

Doch die ukrainisch-russischen Spannungen verhindern Finanzkreisen zufolge, dass Lebensmittelgiganten wie Nestlé oder die Cadbury-Mutter Mondolez zugreifen. Zwar seien erste Kontakte mit Interessenten geknüpft worden, hieß es ohne konkrete Namen zu nennen. Doch diese Gespräche stünden noch am Anfang. "Es handelt sich um eine komplexe Sache, und in den nächsten Wochen wird es zu keinem Verkauf kommen. Erwarten Sie nichts Unmittelbares", hieß es weiter.

Das liegt vor allem an den Schwierigkeiten in Russland. Im vergangenen Jahr sorgte der Nachbar für etwa ein Fünftel der Roshen-Umsätze. Doch Moskau hat mittlerweile die Grenzen für Roshen-Produkte gesperrt - offiziell aus Gründen des Verbraucherschutzes. Die Werke in Russland mussten im April schließen, da die Konten von den Behörden eingefroren worden waren. Auch dieser Schritt wurde in Kiew als politisch motiviert interpretiert, die russische Seite führte dagegen einen Streit um Markenrechte an. Und zwischenzeitlich wurde in der Rebellen-Hochburg Luhansk ein Roshen-Lagerhaus besetzt. Für europäische und US-Konzerne sind das Gründe genug, sich aus diesem politischen Minenfeld herauszuhalten.

Quelle: n-tv.de

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