Wirtschaft
"Wir haben die Möglichkeit, anderswo zu handeln."
"Wir haben die Möglichkeit, anderswo zu handeln."(Foto: REUTERS)

Schwere Börsenpanne in New York: Nyse aktiviert Notfallrechner

Der Ausfall eines neu installierten Computersystems bringt den US-Börsenbetreiber Nyse Euronext in eine peinliche Lage: Zu Wochenbeginn blockiert eine Software-Panne die Geschäfte mit mehr als 200 Aktien. Der Fehler im Finanzystem wirft erneut Fragen auf.

Anfälliges Finanzsystem: Erneut wirft eine Softwarepanne grundsätzliche Fragen auf.
Anfälliges Finanzsystem: Erneut wirft eine Softwarepanne grundsätzliche Fragen auf.(Foto: REUTERS)

Erneut sorgt eine Börsenpanne in den USA für Unruhe an den Märkten: An der New Yorker Aktienbörse des Betreibers Nyse Euronext blieb der Handel zu Wochenbeginn wegen eines Systemfehlers den gesamten Tag über gestört. Die technischen Schwierigkeiten zwangen den Marktbetreiber dazu, die Schlusskurse von mehr als 200 Unternehmen mit Hilfe eines Notfallsystems zu ermitteln. Nur dank des weitgehend ruhigen Umfelds und der dünnen Umsätze am Feiertag "Veterans Day" blieb der Ausfall ohne große Folgen an den Börsen.

Die Panne reiht sich ein in eine Serie von IT-Problemen, die in den vergangenen Monaten die Verlässlichkeit des elektronischen Handels insgesamt infrage gestellt haben. Erst vor wenigen Wochen strich die Technologiebörse Nasdaq den Handel mit Papieren der Kraft Foods Group, nachdem ein Computerfehler zu heftigen Preisausschlägen geführt hatte. Wochen zuvor hatte ein anderer Schnitzer die Preise verschiedener Aktien aus der Energiebranche durcheinandergebracht.

Knight Capital und Facebook

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Zu den größeren Desastern der vergangenen Monate zählt ein Computerfehler, der den Börsenhandler Goldman rettet Knight im August beinahe in den finanziellen Ruin getrieben hatte. Dauerhaft in Erinnerung behalten werden Investoren daneben auch die Probleme der Nasdaq beim im Mai.

Der aktuelle Fall trifft das US-Finanzsystem erneut an prominenter Stelle: Der Betreiber der New York Stock Exchange Nyse Euronext unterrichtete Händler kurz nach Handelsbeginn, dass ein neuer Rechner ausgefallen sei, welcher eigentlich Kauf- und Verkaufsanträge für 216 börsennotierte Wertpapiere zusammenbringen sollte. Zu den betroffenen Unternehmen gehörten CVS Caremark Corp, Lazard Ltd und auch große Namen wie etwa US Steel. Die Nyse setzte den Handel mit den betroffenen Papieren zunächst aus; andere Börsen leiteten Kauf- und Verkaufsgesuche fast den gesamten Handelstag über erst gar nicht an die Nyse weiter.

Fehler im Nervenzentrum

Der Handel mit den 216 unmittelbar betroffenen Aktien wurde im Verlauf auch nicht mehr aufgenommen, sodass die Börse die offiziellen Schlusskurse dieser Wertpapiere anhand der letzten Verkaufspreise per Notfallrechner ermitteln musste, anstatt über das reguläre Auktionssystem.

Die provisorische Kursermittlung steht dabei unter besonderer Beobachtung: Der offizielle Schlusskurs einer Aktie, der sich auf dem Primärmarkt - in dem Fall die Nyse - ergibt, ist eine wichtige Kennziffer für die Festlegung des täglichen Leitindex. Auch Fondsmanager sind auf die offiziellen Schlusskurse an den führenden Börsen angewiesen, um ihre Nettovermögenswerte zu berechnen. Entsprechend groß war der Druck, der auf den IT-Fachleuten und Handelsexperten des Börsenbetreibers den ganzen Tag über lastete.

Die Panne vom Wochenbeginn hing nach Angaben einer Börsensprecherin mit der Umstellung auf ein neues System zusammen, das den Handel noch stärker vereinheitlichen sollte. Seit September wurden bereits 800 Aktien auf das neue System übertragen.

Eine Nyse-Sprecherin bemühte sich, den Systemausfall ins richtige Licht zu rücken. Die betroffenen 216 Aktien stellen nach Auskunft der Sprecherin nur einen Bruchteil der insgesamt 3.825 Börsenwerte dar, die auf dem Parkett der Nyse gehandelt werden.

Das Problem mit den Updates

Für den Handel am Dienstag greift der Marktbetreiber sicherheitshalber auf bewährtes Vorgehen zurück: Die Nyse will eigenen Angaben zufolge etwa die Hälfte der betroffenen Aktien wieder in die alte Maschine für Kauf- und Verkaufsanträge einspeisen. Das Unternehmen gab sich zuversichtlich und stellte einen "normalen Handelstag" in Aussicht.

Grundsätzlich sei der Handel zu Wochenbeginn weitgehend glatt gelaufen, sagten Händler - hauptsächlich allerdings nur deshalb, weil die Investoren auf andere Börsen ausweichen konnten. "Wir haben die Möglichkeit, anderswo zu handeln und unser Geschäft zu steuern", sagte Joseph Cangemi, der den elektronischen Handel für den Technologiekonzern Convergex Group leitet.

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Quelle: n-tv.de

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