Wirtschaft

Ausufernde Finanzmärkte: OECD sieht Wachstum in Gefahr

In den vergangenen 50 Jahren sind Kredite an Unternehmen und private Haushalte dreimal mehr gestiegen als die Realwirtschaft, sagt die OECD. Sie warnt: Sollte der Finanzsektor weiter so zulegen, werde er das Wirtschaftswachstum eher hemmen als fördern.

Die OECD warnt vor einer Kreditschwemme.
Die OECD warnt vor einer Kreditschwemme.(Foto: picture alliance / dpa)

Stark expandierende Finanzmärkte gefährden nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Wirtschaftswachstum. In einer in Berlin vorgelegten Studie warnt die OECD vor einer Kreditschwemme. Finanzinstitute müssten zudem zu ausreichend Eigenkapital verpflichtet und eine Bankenstützung durch Staatsgarantien verringert werden.

Sollte der Finanzsektor in Industrieländern in dem gleichen Tempo wie in den vergangenen Jahrzehnten expandieren, werde er die Konjunktur eher hemmen. Ein expandierender Finanzsektor sei unter anderem dann ein Risiko, wenn er Investitionen mit geringer Rendite finanziere und global vernetzte Banken nur noch durch enorme öffentliche Kosten abgesichert werden könnten. Die verschiedenen Finanzierungswege hätten unterschiedliche, teils negative Auswirkungen - nicht nur auf die Verteilung der Einkommen, sondern auch auf das Wirtschaftswachstum. Mehr Kredite für Privathaushalte drücken laut OECD das Wachstum in den meisten OECD-Ländern.

"Ökonomischen Fundamente geschwächt"

Seit 1960 hätten Kredite an Firmen und Privathaushalte dreimal stärker zugenommen als die Realwirtschaft. Sie liegen den Angaben zufolge bei 110 Prozent der Wirtschaftsleitung. Finanzierungen über die Aktienmärkte hingegen würden in den meisten Ländern das Wachstum ankurbeln. Eine Steigerung der Börsennotierungen um zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gehe im Schnitt der OECD- und der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) mit einem 0,2-prozentigen Anstieg des BIP-Wachstums einher.

"Moderne Volkswirtschaften haben die Finanzmarktregeln in den Jahrzehnten vor der Krise immer weiter liberalisiert", sagte OECD-Direktor Christian Kastrop. "Am Anfang war das gut für die Wirtschaft, mit der Zeit aber hat die Deregulierung die ökonomischen Fundamente geschwächt." Die überzogene Ausgabe von Krediten gerade an Privathaushalte sollte gedämpft werden. Auch dürften sich Banken nicht darauf verlassen können, im Falle eines Kollapses vom Staat gerettet zu werden.

Quelle: n-tv.de

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