Wirtschaft
Audi Q3 auf der Automesse in Neu Delhi: Deutsche Oberklassemodelle sind in Indien gefragt.
Audi Q3 auf der Automesse in Neu Delhi: Deutsche Oberklassemodelle sind in Indien gefragt.(Foto: picture alliance / dpa)

Indiens Automarkt kriselt - mit Ausnahmen: Oberklasse "made in Germany" gefragt

"Inder mögen Luxus und Komfort, mit weicher Federung für die schlechten Straßen, viel Leder, Sitzmassagen, und anderes Extra-Zubehör", sagt ein Analyst. Zu finden, ist das zuallererst in deutschen Oberklassemodellen. Die trotzen dem schwachen Marktumfeld.

Die Wirtschaft in Indien schwächelt, die hohe Inflation macht den Konsumenten zu schaffen, gute Jobs fehlen - da fahren die Menschen auf dem Subkontinent ihre Autos lieber noch einige Zeit länger, als neue zu kaufen. "Jeder ist gerade vorsichtig und zurückhaltend", sagt der indische Automarkt-Analyst Ranojoy Mukerji. Der Absatz fiel 2013 nach Angaben des Verbands der Indischen Automobilhersteller Siam um 7,3 Prozent auf 2,56 Millionen Pkw - das ist weit entfernt etwa vom boomenden chinesischen Markt.

Die negative Stimmung werde sich wohl auch in der näheren Zukunft nicht aufhellen, sagt Arvind Saxena, VW-Geschäftsführer in Indien. Volkswagen verkaufte im vergangenen Jahr gleich 19 Prozent weniger Autos als im Vorjahr. "Erst nach den Wahlen kann die Wirtschaft eine neue Richtung nehmen, und erst dann können wir auch auf dem Automarkt möglicherweise eine Kehrtwende sehen, vorher nicht."

Schwierige Rahmenbedingungen

Bis Ende Mai soll Indien über ein neues Parlament abstimmen - und die Autoindustrie hofft, dass die neue Regierung die wirtschaftlichen Reformen angeht, die über viele Jahre liegengeblieben sind. Bis dahin gilt: abwarten. "Kurzfristig kann man gar nichts tun", meint Autoexperte Stefan Bratzel von der Hochschule Bergisch-Gladbach.

Neben der miesen Wirtschaftslage seien auch andere Rahmenbedingungen schwierig, erläutert Bratzel. Die Zinsen seien durch die Geldpolitik der Zentralbank viel zu hoch und damit Kredite teuer, die Infrastruktur sei nach wie vor schlecht, und der Benzinpreis steige. Da helfe es auch nicht, wenn die Unternehmen nach neuen potenziellen Käufern suchten, etwa auf dem Land, unter den Frauen oder jungen Menschen. "Erstmal muss Geld da sein."

Langfristig, da sind sich die Experten einig, hat der Markt aber ein riesiges Potenzial. Schließlich besitzt nur ein Bruchteil in Asiens drittgrößter Wirtschaft ein Auto. Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), meint, die deutschen Hersteller stünden in den Startlöchern, um von dem "enormen Kundenpotenzial für den Neuwagenkauf" zu profitieren.

"Prohlobjekt" deutsche Oberklasse

Nach wie vor in Schwung sind die Premiumhersteller. "In Indien lebt eine ständig wachsende Gruppe, die über ausreichend Mittel verfügt. Sie kaufen sich die Autos nicht, weil sie sie brauchen, sondern um zu prahlen", sagt Analyst Mukerji. Tatsächlich sieht man in den Millionenstädten junge, reiche Inder gerne mit weißen Luxuswagen vorfahren - und zwar von deutschen Marken.

Audi, Mercedes-Benz und BMW haben im Premiumsegment einen Marktanteil von 80 Prozent, und liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei hatte Audi mit 10.002 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2013 knapp die Nase vorn. Die Hersteller sehen auch noch Luft nach oben, denn der Anteil der Oberklassewagen am gesamten indischen Markt liegt auf "einem vergleichsweise niedrigen Niveau", wie ein Sprecherin der Ingolstädter meint. Tatsächlich macht der Oberklasse-Markt nur etwas mehr als 1 Prozent der Verkäufe aus.

Eigene Werke

Chancen sehen die Premiumhersteller in den zweit- und drittgrößten Städten des Landes. Diese seien noch wenig von den Herstellern erschlossen und dort sei großes Wachstum zu erwarten, meint eine Daimler-Sprecherin. Deswegen werde das Werk in Pune derzeit ausgebaut, dort solle die Kapazität bis zum Jahresende verdoppelt werden.

Audi setzt eingeführte Teile und Komponenten in Aurangabad zusammen, BMW montiert in Chennai in einem eigenen Werk. Das rechnet sich seit vergangenem Februar noch besser, seit Indiens Finanzminister den Importzoll für Premiumautos von 75 auf 100 Prozent angehoben hat. Und die Hersteller können vor Ort direkt auf spezielle Wünsche eingehen. "Inder mögen Luxus und Komfort, mit weicher Federung für die schlechten Straßen, viel Leder, Sitzmassagen, und anderes Extra-Zubehör", sagt Analyst Mukerji. Außerdem sollten die Luxuswagen hinten viel mehr Platz haben als vorne. "Auf der Rückbank sitzt die ganze Familie, inklusive Kindermädchen. Vorne der Fahrer."

Quelle: n-tv.de

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