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Norwegen investiert weniger: Ölfirmen zücken den Rotstift

Der scheinbar ungebremste Ölpreis-Absturz stellt etliche Förderkonzerne vor zunehmend ernste Probleme. Und diese reagieren konservativ: Stellen werden gestrichen und Investitionen eingedampft. Doch niemand tastet die Fördermengen an.

Der Ölpreisverfall zwingt immer mehr Größen der internationalen Energiebranche zu tiefen Einschnitten. So wird BP im schottischen Aberdeen 300 Mitarbeiter entlassen. Der ebenfalls in Großbritannien ansässige Öl- und Gasförderer Tullow schreibt für 2014 rund drei Milliarden Euro (2,3 Milliarden Pfund) ab, wie die viertgrößte Ölfirma des Landes mitteilte. Norwegen kappt unterdessen Investitionen in das für die Skandinavier wichtige Ölfördergeschäft.

Spuren hinterlässt der Preiseinbruch auch bei der Opec: Das Ölkartell erwartet 2015 die geringste Nachfrage seit mehr als zehn Jahren. Sogar das rasante Wachstum der Ölproduktion aus Schiefergas in den USA beginnt sich der Opec zufolge zu verlangsamen.

BP: Müssen wettbewerbsfähig bleiben

Die Nordsee gilt als eine der teuersten Ölförderstätten der Welt. BP erklärte, der Konzern bleibe an die Region gebunden. Die Entlassung von rund 200 Angestellten und die Trennung von 100 Auftragsarbeitern sei Teil eines unternehmensweiten Programms zur Kostensenkung. Insgesamt beschäftigt BP rund 3500 Menschen an der schottischen Küste. "Aufgrund der weithin bekannten Probleme beim Betrieb in dieser immer reiferen Region unter harten Marktbedingungen unternehmen wir bestimmte Schritte, um sicherzugehen, dass unser Geschäft wettbewerbsfähig und robust bleibt", sagte der Chef der Nordsee-Sparte von BP, Trevor Garlick.

Auch der ebenfalls in der Nordsee vertretene US-Konzern ConocoPhillips kündigte einen Stellenabbau an. Shell und Chevron waren diesen Schritt bereits 2014 gegangen.

Sorge um "verlorene Vermögenswerten"

Daneben prüfen Konzerne wie Chevron, BG Group und Statoil überprüfen bereits Entscheidungen zu großen Kapitalausgaben, die die Lebensspanne des Erdöl Gebietes möglicherweise verlängert hätten. Kleine Unternehmen, die die letzten Tropfen aus älteren Feldern abzapfen wollen, haben Schwierigkeiten bei der Finanzierung.

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Ohne die Investitionen aber droht aus einigen der verbleibenden, abbaufähigen Ressourcen in der britischen Nordsee, deren Volumen von Branchenexperten auf 15 Milliarden bis 16,5 Milliarden Barrel Öl und Gas geschätzt wird, sogenannte verlorene Vermögenswerten zu werden, deren Entwicklung einfach zu teuer ist.

Seit den 1970er Jahren wurden hier rund 42 Milliarden Barrel gefördert. Die Region galt bei internationalen Ölkonzernen als gutes Gegengewicht zu Investitionen in Länder mit größeren politischen und Sicherheitsrisiken, etwa in Afrika oder dem Nahen Osten.

Norwegen streicht Investitionen zusammen

Die Ölfirmen haben damit zu kämpfen, dass sich das Rohöl seit Mitte 2014 um fast 60 Prozent verbilligt hat. Grund ist ein internationales Überangebot, zu dem die nur zögerliche Erholung der Weltwirtschaft und der US-Schiefergas-Boom maßgeblich beigetragen haben.

Die jüngsten Milliardenabschreibungen des britischen Ölförderers Tullow betreffen nicht zuletzt Aktivitäten im norwegischen Teil der Nordsee. Norwegen selbst verringert die Investitionen ins Ölgeschäft bis 2017 um mehr als ein Fünftel, wie die zuständige Regierungsbehörde mitteilte. Als Folge daraus könnte die Ölproduktion bis 2019 um acht Prozent sinken. Die Entwicklung neuer Felder und die Ausbeutung bestehender Vorkommen werde dadurch verlangsamt.

Russland könnte Exporte anheizen

Die Opec hatte sich zuletzt im November gegen eine Kürzung ihrer Förderquoten entschieden, um so ihren Marktanteil zu verteidigen. Doch das Kartell rechnet 2015 mit der geringsten Nachfrage nach ihren Produkten seit 2004. Saudi-Arabien appellierte an die Mitglieder, nicht zuletzt den rivalisierenden USA weiter die Stirn zu bieten und Marktanteile zurückzuerobern.

Schärfere Konkurrenz könnte künftig auch aus Russland drohen. Der weltgrößte Ölexporteur leidet zwar seit längerem besonders stark unter dem Preisverfall. Doch eine Änderung des Steuerrechts sowie sinkende Ausfuhrzölle könnten nach Berechnungen des russischen Finanzministeriums das Exportgeschäft in den nächsten Wochen anheizen. Die Ausfuhrzölle sind an Preise einer bestimmten russischen Ölsorte geknüpft.

Quelle: n-tv.de

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