Wirtschaft
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Verständigung auf irgendwas: Ölpreise klammern sich ans Prinzip Hoffnung

Am Ölmarkt regiert die Hoffnung auf eine Verständigung der Mitglieder des Förderkartells Opec. Zwar geht es nicht um eine Reduzierung der Mengen. Doch sollen sie immerhin nicht weiter steigen. Noch nicht in der Pflicht sieht sich derweil weiter der Iran.

Der Iran hat seine grundsätzliche Unterstützung für die von Saudi-Arabien und Russland ausgehandelte Ölpreispolitik signalisiert. Allerdings hat sich das Land nicht zu möglichen eigenen Produktionseinschnitten geäußert. Wie der iranische Ölminister Bijan Zanganeh der staatlichen Nachrichtenagentur Shana im Anschluss an ein Treffen mit seinen Amtskollegen aus Katar, Irak und Venezuela in Teheran sagte, unterstützt der Iran jegliche Bemühungen, die den Ölmarkt stabilisieren und zu einer Erholung des Ölpreises beitragen würden. Die anderen Förderländer würden Irans besondere Lage jedoch verstehen, fügte Zanganeh hinzu.

Der Iran ist gegenwärtig bemüht, seine Ölförderung auf das Niveau vor den Sanktionen zu bringen. Saudi-Arabien und Russland hatten sich kürzlich bereit erklärt, ihre Ölförderung auf dem Niveau von Januar einzufrieren. Sie machten diesen Schritt aber davon abhängig, dass sich andere große Förderländer anschließen. Während sich Venezuela, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate zwischenzeitlich bereit erklärten, mitzuziehen, hat sich der Iran dem Ansinnen Saudi-Arabiens und Russlands bislang verweigert. Nach dem Treffen am Mittwoch äußerte sich der iranische Ölminister nicht explizit zum Vorschlag Saudi-Arabiens und Russlands.

Die Ölminister von Katar, Venezuela und Irak verließen das Treffen in Teheran, ohne sich den Fragen der anwesenden Journalisten zu stellen. Von Saudi-Arabien, Russland und anderen Förderländern war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Viele Fragen

Ein Opec-Vertreter aus einem Förderland am Persischen Golf sagte, die Kommentare des iranischen Ölministers seien nicht besonders ermutigend. Ein anderer Vertreter der Oranisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nannte die Aussagen Zanganehs zwar positiv, fügte aber hinzu: "Was die Märkte wirklich wissen wollen, ist, wie viel Iran fördern will."

Kurz vor Beginn des Treffens hatte Irans Opec-Vertreter Mehdi Asali der Nachrichtenagentur Shana gesagt, in der gegenwärtigen Lage, in der Irans Ausstoß reduziert sei, könne von seinen Land keine Kappung erwartet werden. Wenn die iranische Ölförderung wieder auf dem alten Niveau sei und die Preise immer noch niedrig, dann werde Iran wie in der Vergangenheit mit anderen Mitgliedern zusammenarbeiten, um ein Gleichgewicht auf dem Ölmarkt herzustellen, sagte Asali. Nun sollten jene Länder, die ihre Produktion während der Sanktionen gegen Iran erhöht hätten, ihre Förderung drosseln.

Dennoch reichten die bestenfalls vagen Aussagen aus Teheran für Bewegung am Ölmarkt. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg um 6 Prozent auf 34,13 Dollar, nachdem er im Tagestief noch bei 31,82 Dollar stand. Die Notierung für ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI legte um 2,9 Prozent auf 29,89 Dollar zu. Binnen Tagen zogen die Preise damit um fast 25 Prozent an. Mitte 2014 mussten noch 115 Dollar pro Barrel Brent gezahlt werden, ehe die maue Nachfrage und eine weltweite Überproduktion zu dem Preisverfall führten.

1,7 Millionen Liter zu viel - pro Tag

"Sollte die Opec in der Lage sein, sich auf irgendetwas zu verständigen, wäre dies ein Schritt in die richtige Richtung", sagte David Meaney, Portfoliomanager bei BP Capital LP. Am Vortag hatte die Vereinbarung zwischen Opec und Russland den Ölpreis belastet, da sie viele Teilnehmer enttäuscht hatte - vor allem auch, weil Iran die Beschlüsse umgehend abgelehnt hatte. Der Markt brauche eine Förderkürzung, nicht nur ein Einfrieren auf dem aktuellen Niveau, sagte David Hufton vom Brokerhaus PVM Oil Associates. Dem Ölhändler Phil Davis von PSW Investment zufolge werden derzeit pro Tag 1,7 Millionen Barrel Öl mehr gefördert als verbraucht.

Die Opec-Staaten förderten im Januar 32,33 Millionen Barrel Öl pro Tag und damit 130.000 Barrel mehr als im Dezember. Das Nicht-Opec-Mitglied Russland, das tief in der Rezession steckt, hat zu Jahresbeginn sogar mit täglich 10,88 Millionen Barrel so viel Öl gepumpt wie seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr. In Russland machen Energieverkäufe etwa die Hälfte der Staatseinahmen aus.

Vielen Förderländern, aber auch Firmen in der Branche steht das Wasser bis zum Hals. Einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte zufolge droht etwa einem Drittel der in dem Sektor tätigen Firmen noch 2016 das Aus. Das hatte zuletzt auch die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Es gibt die Sorge, eine Pleitewelle der Energiefirmen könnte Banken schwer belasten, weil sie auf Krediten sitzenbleiben könnten, die sie den Ölfirmen gegeben haben.

Quelle: n-tv.de

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