Wirtschaft
Karl-Thomas Neumann, neuer Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG,
Karl-Thomas Neumann, neuer Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG,(Foto: picture alliance / dpa)

Neuer Chef und neue Autos: Opel befindet sich im Angriffsmodus

Nach jahrelangen Verlusten bei Opel sollen neue Modelle und ein neuer Chef endlich die Wende bringen. Es wird Zeit: Der Mutterkonzern GM in Detroit wird nicht ewig geduldig sein.

Der Weg zurück auf die Straße des Erfolgs ist lang für Opel. Das Sparpaket steht und Karl-Thomas Neumann hat als neuer Chef das Steuer übernommen. Opel hat damit die Weichen gestellt, um nach den enormen Verlusten der vergangenen Jahre in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Doch wenn die US-Mutter General Motors am 2. Mai ihre Geschäftsergebnisse für das erste Quartal vorlegt, dürfte die Tochter in Europa abermals tiefrot dastehen.

Video

Denn viele Sparmaßnahmen greifen noch nicht, und die Absatzkrise in Europa macht Opel ähnlich wie Ford, Fiat oder Peugeot-Citroën weiter schwer zu schaffen. Die Nachfrage sinkt und sinkt, und die Fabriken sind bei weitem nicht ausgelastet. Das reißt tiefe Löcher.

Mit dem neuen Hoffnungsträger Neumann an der Spitze der Adam Opel AG will der Autobauer aber bis Mitte des Jahrzehnts die Gewinnsch welle erreichen. Helfen sollen neue Modelle in ehemals vernachlässigten Segmenten: etwa das Cabriolet Cascada, der kompakte SUV Mokka oder der Cityflitzer Adam.

Optimismus trotz Rückschlägen

Video

Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab: Zwar sank der Absatz im ersten Quartal EU-weit um 7,8 Prozent. Doch der Gesamtmarkt schrumpfte mit minus 9,8 Prozent noch stärker. Opel gewinnt also Marktanteile. Die Führung in Rüsselsheim wertet dies als Indiz dafür, dass ihre Rechnung aufgeht: "Die Strategie, sich mit neuen Modellen in wachsenden Segmenten gegen den weiter schrumpfenden Markt zu stemmen, scheint sich auszuzahlen."

Ohnehin gibt sich Neumann in Anbetracht der tiefen Krise unerschütterlich optimistisch: "Ich will Opel wieder zu alter Stärke und altem Glanz zurückführen. Wir sind jetzt wiede r die Angreifer." Kräftige Zuwächse verspricht er sich auch in Märkten wie Russland oder der Türkei. Er hat Erfahrung im Ausland: Neumann lenkte zwei Jahre lang das Chinageschäft von VW.

Doch die jüngsten Geschäftszahlen des Konkurrenten Ford lassen ahnen, wie heikel die Lage für die Branche ist: Der US-Konzern musste im ersten Quartal in Europa einen Vorsteuerverlust von 462 Millionen US-Dollar (355 Millionen Euro) verkraften - dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Folge: Drei Fabriken in Großbritannien und Belgien werden geschlossen, 6200 Jobs fallen weg.

Selbst Branchenriese Volkswagen musste zuletzt in Europa kräftig Federn lassen. "Die nächsten Monate werden alles andere als leicht", sagte VW-Chef Martin Winterkorn jüngst vor Aktionären. Schon bald könnte die Flaute in Europa Auswirkungen auf die Beschäftigten haben.

Sanierungsgelder dank Nordamerika

Bei Opel steht bereits fest, dass die Sanierung auch auf Kosten der Mitarbeiter erfolgt. Denn neue Modelle reichen bei weitem nicht aus, um das Steuer herumzureißen. Die meisten Beschäftigten verzichten nach monatelangen Verhandlungen auf Gehalt. 3700 Opelaner verlieren sogar ihren Job: Im Werk Bochum gehen Ende 2014 die Lichter aus, weil die dortigen Mitarbeiter den Kompromiss zum Tarifvertrag nicht mittragen wollten. Nicht einmal das anfangs zugesagte Ersatzteillager bleibt bestehen.

Schon seit Jahren setzt GM in Europa Geld in den Sand, alleine 2012 stand ein operativer Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro) in den Büchern. Glück im Unglück ist, dass gleichzeitig das Geschäft in Nordamerika brummt. Die Autokonzerne scheffeln dort so viel Geld, dass sie sich die Verluste in Europa leisten können. Deshalb sind auch Mittel für die Opel-Sanierung vorhanden.

Den amerikanischen Mitarbeitern wird allerdings nicht mehr lange beizubringen sein, warum sie ihre Kollegen in Übersee aushalten sollen. Zudem murren die Investoren an der Wall Street. Bei GM kommt das pikante Detail hinzu, dass der amerikanische Staat noch große Anteile hält, wenngleich er sich gerade davon trennt. Provokant gesagt: Der US-Steuerzahler büßt für Opels Verluste. Ein Grund mehr, schnell die Wende herbeizuführen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen