Wirtschaft

Deutsche Bank ante PortasOppenheim-Deal steht

27.10.2009, 22:55 Uhr

Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim sind sich über den Verkauf der Privatbank an das größte deutsche Geldhaus nach Informationen aus dem Umfeld der beiden Banken grundsätzlich einig.

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Kommt mit deutlich weniger Elefanten als Hannibal: Für die Deutsche Bank bedeutet der Einstieg vor allem ein Zugewinn hoch interesannter Kunden. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Alteigentümer von Sal. Oppenheim sollen demnach mit knapp 25 Prozent nur noch am Kern der Traditionsbank - dem in Köln angesiedelten Geschäft mit vermögenden Kunden - beteiligt bleiben, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertraute Personen aus der Branche. Die erst vor wenigen Jahren unter Steueraspekten gegründete Holding in Luxemburg, an der unter anderem die Frankfurter BHF-Bank hängt, soll dagegen zu 100 Prozent an die Deutsche Bank fallen.

Erwartet wird nun, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Bank der Übernahme von Sal. Oppenheim am Mittwoch im Rahmen der Beratung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal zustimmt. Am Vorabend ging es den Kreisen zufolge nur noch um Einzelheiten wie die Besetzung der Führungspositionen. Deutsche Bank und Sal. Oppenheim wollten sich dazu nicht äußern.

Nachschlag möglich

Der Kaufpreis für die Beteiligung an der Vermögensverwaltung werde wie erwartet bei rund einer Milliarde Euro liegen, hieß es in den Kreisen weiter. Wenn sich die Risiken der zuletzt defizitären Privatbank im Nachhinein als geringer herausstellen sollten als gedacht, könnten die Eigentümerfamilien noch einen Nachschlag erhalten.

Die Sparte Investmentbanking von Sal. Oppenheim soll verkauft werden. Darüber laufen schon Verhandlungen mit der australischen Macquarie Bank, nachdem der ursprünglich favorisierte Bieter Mediobanca abgesprungen war.

Die Verhandlungen dürften aber nicht bis zum Mittwoch abgeschlossen sein. Unklar ist noch die Zukunft der Private-Equity-Sparte SoPeP, die kein Teil der Bank ist, sondern den Familien selbst gehört.

An Arcandor verhoben

Die 220 Jahre alte Kölner Privatbank haben Verluste in der Investmentbanking-Sparte und ein Großkredit an den mittlerweile insolventen Handelskonzern Arcandor die Unabhängigkeit gekostet.

Die Eigentümerfamilien hatten im Frühjahr bereits 200 Mio. Euro frisches Kapital nachgeschossen, nachdem die Bank 2008 erstmals in der Nachkriegszeit Verluste geschrieben hatte.

Einem weiteren Kapitalbedarf konnten sie Finanzkreisen zufolge nicht mehr nachkommen, weil einige Gesellschafter persönlich für einen 300 Mio. Euro schweren Kredit der Bank an die Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebürgt hatten.

Lukrative und prominente Kunden

Die Deutsche Bank musste im August eine Kapitalerhöhung über 300 Mio. Euro bei Sal. Oppenheim finanzieren. Im Laufe der Verhandlungen und der langwierigen Buchprüfung zeichnete sich schnell ab, dass die Deutsche Bank die Mehrheit übernehmen würde.

Deutschlands größtes Geldinstitut hat es vor allem auf den illustren Kundenkreis abgesehen, zu dem einige der reichsten Familien Deutschlands gehören. Sal. Oppenheim verwaltet rund 132 Mrd. Euro an Vermögen. Die verbleibende Beteiligung der Altaktionäre soll für Kontinuität sorgen.

Quelle: rts