Wirtschaft
Steuert für Maos politische Erben die chinesische Geldpolitik: PBoC-Chef Zhou Xiaochuan.
Steuert für Maos politische Erben die chinesische Geldpolitik: PBoC-Chef Zhou Xiaochuan.(Foto: REUTERS)

Wachstum in "vernünftigem Rahmen": Peking begräbt die Zinsschraube

Mit wachsender Skepsis verfolgen Experten den Krisenkurs von Fed und EZB. Außerhalb von Dollarraum und Eurozone stößt die Niedrigzinspolitik auf alles andere als Zustimmung. Chinas Zentralbankchef Zhou legt sich nun demonstrativ fest - und engt damit den eigenen Spielraum ein.

Die Wirtschaftslenker in Peking bemühen sich angesichts der extremen Liquiditätspolitik in Europa und den USA um beruhigende Signale. Jüngsten Angaben aus der chinesischen Zentralbank People's Bank of China (PBoC) zufolge will China das Wirtschaftswachstum der aufstrebenden Volkswirtschaft ausschließlich durch Reformen und nicht etwa durch eine ultralockere Geldpolitik nach europäischem oder US-amerikanischen Vorbild ankurbeln.

Das Wachstum in der Volksrepublik sei in einem "vernünftigen Rahmen" bei gleichzeitig stabiler Inflationsrate und Beschäftigung, sagte Zentralbankchef Zhou Xiaochuan laut eines im Internet veröffentlichten Redetexts. Zugleich stellte Zhou erneut in Aussicht, dass die Landeswährung Yuan flexibler und marktabhängiger werde.

Einer Umfrage unter Marktbeobachtern zufolge könnte sich Chinas Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von voraussichtlich 7,6 Prozent (2013) auf 7,4 Prozent (2014) verlangsamen. Das wäre der niedrigste Zuwachs seit 14 Jahren.

Die Regierung in Peking peilt für 2013 ein Plus von 7,5 Prozent an. Die chinesische Führung hatte Mitte November weitreichende Reformen beschlossen, mit denen das Land weiter zur Marktwirtschaft geführt werden soll. So soll etwa der Konsum stärker gefördert werden, um das Land unabhängiger von Exporten zu machen.

Zhous Ankündigung erreicht die Fachwelt inmitten einer zunehmend schärfer geführten Debatte um die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik in Europa und den USA auf die aufstrebenden Schwellenländer. Daneben stehen Staaten wie Japan und China selbst für ihre teils massiven Eingriffe in die Entwicklung der Wechselkurse am Pranger. Im Rahmen dieser Debatte war wiederholt bereits von einem auf wirtschaftlicher Ebene ausgefochtenem "Währungskrieg" die Rede.

Kernkrafthilfe für Rumänien

Für Aufmerksamkeit sorgt unterdessen ein Abkommen der weltweit zweigrößten Volkswirtschaft mit dem EU-Land und Nato-Mitglied Rumänien. Peking und Bukarest wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärken, wie aus insgesamt 13 Absichtserklärungen hervorgeht, die Vertreter beider Länder zu Wochenbeginn in der rumänischen Hauptstadt im Beisein des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang und seines rumänischen Kollegen Victor Ponta unterzeichneten.

Eines dieser Abkommen betrifft Verhandlungen über den Ausbau des rumänischen Kernkraftwerks Cernavoda. Li begann einen dreitägigen offiziellen Besuch in Rumänien, in dessen Verlauf auch ein Gipfeltreffen unter dem Motto China-Osteuropa stattfinden soll. Ponta sprach von einem "historischen" Besuch. Die letzte Visite eines chinesischen Regierungschefs in Rumänien liegt 19 Jahre zurück.

Zukunftsmarkt Osteuropa

Der chinesische Vorstoß in Rumänien ist erklärter Bestandteil einer größeren Strategie: China arbeitet darauf hin, die Wirtschaftsbeziehungen zu Osteuropa insgesamt weiter auszubauen. Die EU sei Chinas wichtigster Handelspartner, jedoch entfielen nur 10 Prozent des Volumens auf die osteuropäischen Länder, erklärte Ministerpräsident Li.

Mit Blick auf Befürchtungen, dass Chinas Engagement in der Region die EU spalten könnte, fügte Ponta hinzu, Europa könne nur dann stark werden, wenn sich auch die östlichen Länder stark entwickelten. China will dieser Region einen Kreditrahmen von 10 Milliarden US-Dollar (ca. 7,4 Mrd. Euro) zur Verfügung stellen.

An dem Treffen in Bukarest - dem mittlerweile dritten China-Osteuropa-Gipfel - nehmen 16 Regierungschefs aus Mittel- und Osteuropa teil, darunter auch aus Balkanstaaten, die nicht zur Europäischen Union gehören. Zugleich treffen sich etwa 1000 Geschäftsleute aus China und den teilnehmenden Ländern zu einem eigenständigen Wirtschaftsforum.

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Quelle: n-tv.de

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