Wirtschaft

Wechselkurs-Debatte entfacht: Weidmann lehnt Dumping ab

Bundesbankchef Weidmann befürchtet einen internationalen Währungs-Abwertungswettlauf. Dieser wird seiner Ansicht nach nur Verlierer hervorbringen. Auslöser der Debatte ist die radikale Lockerung der japanischen Geldpolitik. Durch den schwächeren Yen haben die Firmen des Landes Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Jens Weidmann
Jens Weidmann(Foto: picture alliance / dpa)

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, hat vor den Folgen eines staatlich betriebenen Wechselkurs-Dumpings gewarnt. "Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird", mahnte er bei einem Auftritt in der Universität Freiburg.

Die Wechselkursentwicklung werde bei den geldpolitischen Entscheidungen der EZB selbstverständlich berücksichtigt, falls sie die Preisentwicklung beeinflusse. "Eine Wechselkurspolitik zur gezielten Schwächung des Euro würde aber am Ende auf eine höhere Inflation hinauslaufen", warnte Weidmann.

Auslöser der Debatte über Wechselkurs-Dumping war zuletzt die radikale Lockerung der Geldpolitik in Japan, die den Yen auf Talfahrt geschickt hatte. Dadurch haben exportorientierte japanische Firmen Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Der Bundesbankchef verwies darauf, dass sich die EU-Finanzminister nur in außergewöhnlichen Situationen wie im Falle klarer und dauerhafter Fehlbewertungen des Euro auf "allgemeine Orientierungen für die Wechselkurspolitik" in der Euro-Zone verständigten. Die Diskussion um einen vermeintlich überbewerteten Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung lenke nur von den eigentlichen Herausforderungen ab.

Signal gegen gesteuerte Wechselkurse

Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe. Finanzminister Pierre Moscovici will das Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau ansprechen. Die G7-Gruppe der etablierten Industrieländer erwägt angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf auch eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse. Veröffentlicht werden könnte diese während des G20-Treffens, hieß es in Kreisen. Im Entwurf dafür bekennen sich die G7 - das sind neben den USA, Japan und Kanada die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - zu marktbestimmten Kursen an den Devisenmärkten und wenden sich gegen eine Wechselkurssteuerung durch die Politik.

Die deutsche Bundesregierung bestätigte diese Überlegungen jedoch
nicht. Sie wisse davon nichts, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Deutschland hatte wiederholt deutlich gemacht, dass es - im Gegensatz zu Vorschlägen aus Frankreich und anderen Ländern - bei der Wechselkursbildung auf den Markt setzt. Italiens Finanzminister Vittorio Grilli sagte, Europa und die G7 würden dafür eintreten, dass Wechselkurse marktbestimmt sein sollten. Der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen wandte sich im "Handelsblatt" gegen Forderungen nach einem festen Wechselkurs-Ziel.

Mit einer gemeinsamen Erklärung könnte die G7 ein Signal an die Märkte senden, dass sich ihre Mitgliedsländer nicht über gezieltes Wechselkurs-Dumping auf unfaire Weise wirtschaftliche Vorteile verschaffen wollen. Erst am Wochenende hatte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn die Befürchtung geäußert, es könnte zu einem "Abwertungswettlauf" unter maßgeblichen Währungen kommen.

Quelle: n-tv.de

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