Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Wütende Amerikaner: Peking verteidigt den Yuan

Jan Gänger

Der schwache chinesische Yuan ist den USA schon lange ein Dorn im Auge. Der Ton zwischen den Vereinigten Staaten und Peking wird spürbar rauer, ein Handelskonflikt droht.

Peking sieht sich angesichts seines Wirtschaftswachstums zunehmender Kritik ausgesetzt. Während Chinas Wirtschaft dieses Jahr wohl mehr als neun Prozent zulegen wird und die Exporte schwindelerregende Höhen erreichen, versuchen andere Volkswirtschaften mühsam, sich von der Rezession zu erholen. Im vergangenen Jahr wies Peking einen Handelsbilanzüberschuss von 198 Milliarden Dollar aus. Für die USA bedeutete das: Der Wert der Importe aus China war viermal so hoch wie die Exporte nach China.

Das gelingt den Chinesen unter anderem dadurch, dass sie den Yuan faktisch an den Dollar gekoppelt haben. Das führt zu deutlichen Handelsvorteilen: China verbilligt seine Ausfuhren und verteuert die Einfuhren. Pekings Merkantilismus sorgt für jede Menge Unmut außerhalb der Volksrepublik. Wer Export subventioniert und Import beschränkt, gewinnt – auf Kosten der Handelspartner.

Yuan ist unterbewertet

Seit 2003 kauft China enorme Dollar-Mengen, um die eigene Währung künstlich niedrig zu halten. Ab 2005 ließ Peking zwar einen leichten Anstieg zu - von 8,25 Yuan auf etwa 6,83 Yuan im Jahre 2008. Angesichts der Wirtschaftskrise trat die Regierung dann auf die Bremse und stoppte die schrittweise Aufwertung. Seitdem liegt die chinesische Währung zum Dollar auf diesem Niveau.

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Dass der Yuan unterbewertet ist, müsste eigentlich unstrittig sein. Um das zu erkennen, reicht schon ein Blick auf den Exportüberschuss und die Devisenreserven. Wie stark diese Unterbewertung tatsächlich ist, ist allerdings schwer zu sagen. Der "New York Times" zufolge bezeichnet der Internationale Währungsfonds (IWF) den Yuan in internen Berichten als "substanziell unterbewertet" – das würde nach dem Sprachgebrauch des IWF bedeuten, dass die chinesische Währung mehr als 20 Prozent unter ihrem fairen Marktpreis tendiert. China soll seit 2007 allerdings die entsprechenden Berichte unterdrücken. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn nennt keine genaue Zahl, der Yuan sei allerdings "sehr unterbewertet."

Wachstum auf Kosten anderer

Ein künstlich niedriger Yuan bereitet nicht nur den USA massive Probleme, sondern auch dem Rest der Welt – egal ob Peking stark manipuliert oder nicht. Chinesische Produkte verdrängen auf dem Weltmarkt die Erzeugnisse vieler Länder. Besonders hart trifft es die Entwicklungsländer, denen es damit noch schwerer fällt, sich von der Krise zu erholen. China bezeichnet die Währungsinterventionen als Konjunkturprogramm, das nicht nur der Volksrepublik, sondern der Welt nützt. Doch im Gegensatz zu den Maßnahmen in den USA und in Europa steigern diese Interventionen nicht die globale Nachfrage, sondern verlagern sie von einem Land in ein anderes.

In den USA wird der Ton gegenüber China vor allem deshalb schriller, da die Politik angesichts der hohen Arbeitslosigkeit unter massiven Druck der Wähler steht – im Herbst stehen Kongresswahlen an. In einer überparteilichen Initiative will der Kongress vor diesem Hintergrund Strafzölle auf chinesische Produkte durchsetzen. Außerdem forderten 130 republikanische und demokratische Abgeordnete Finanzminister Timothy Geithner auf, in einem für kommenden Monat geplanten Bericht China als Währungsmanipulierer zu geißeln. Ob es dazu kommt, ist noch unklar. Doch Präsident Barack Obama verschärfte bereits seinen Ton und versprach "sehr viel härter" in Sachen Yuan zu agieren.

Steigender Inflationsdruck

In China allerdings stößt dies auf taube Ohren – zumindest offiziell. Ministerpräsident Wen Jiabao erteilte den Forderungen nach einer Aufwertung der Landeswährung eine Absage: "Wir glauben nicht, dass der Yuan unterbewertet ist. Wir werden uns dem Druck der USA nicht beugen", kündigte er an. Für Chinas Staatsführung und für weite Teile der Bevölkerung ist ein Nachgeben gegenüber den USA nicht akzeptabel. Konsequenterweise wirft Wen den USA nun vor, sie wollten den Dollar schwächen, um die Exporte anzukurbeln. In seinen Augen sei das Protektionismus.

Das Bizarre an dem Streit ist, dass der amerikanische Druck auf China Peking dazu bewegen könnte, die eigene Währung aus Trotz nicht aufzuwerten – und das, obwohl eine Aufwertung im Interesse Chinas ist. Angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums wäre Peking gut beraten, die Zinsen zu erhöhen und den Yuan aufzuwerten, um einen Anstieg der Inflation und Preisblasen am Immobilienmarkt zu verhindern. Außerdem ist der Exportweltmeister daran interessiert, dass sich die Wirtschaft seiner Absatzmärkte möglichst schnell erholt. Desweiteren hat Peking bereits vor einiger Zeit angekündigt, es wolle sich vom Export unabhängiger machen und die Binnennachfrage ankurbeln.

Angesichts chinesischer Empfindlichkeiten und verschärfter amerikanischer Rhetorik besteht die Herausforderung jetzt darin, Peking davon zu überzeugen, dass ein höherer Yuan-Kurs auch für die Volksrepublik von Vorteil ist. Ob das allerdings den Amerikanern allein gelingen wird, ist zweifelhaft. Es macht daher Hoffnung, dass IWF, Weltbank und OECD den USA zur Seite springen und einen zu schwachen Yuan beklagen. Das macht es Peking viel schwerer, sich als Opfer amerikanischer Ungerechtigkeiten zu gebärden und so zu tun, als ob die erste Welt China den wirtschaftlichen Erfolg nicht gönne. Bleibt zu hoffen, dass die US-Regierung dem wachsenden innenpolitischen Druck Stand hält und kühlen Kopf bewahrt.

Quelle: n-tv.de

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