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Streit um die Privatkunden?: Personalbeben bei der Deutschen Bank

Der Privatkundenchef der Deutschen Bank, Rainer Neske, steht offenbar kurz vor der Trennung von seinem Arbeitgeber. Beobachter rätseln: Ist die strategische Neuausrichtung der Auslöser?

Wenige Tage vor der großen Hauptversammlung sieht sich die Deutsche Bank mit spektakulären Gerüchten konfrontiert: Der Privatkundenchef der Deutschen Bank, Rainer Neske, wird Medienberichten zufolge Deutschlands größtes Geldhaus verlassen.

Zwischen ihm und der Führung um Anshu Jain habe es zuletzt Differenzen in strategischen Fragen der Bank gegeben, heißt es in Beiträgen von "Handelsblatt" und "Spiegel" übereinstimmend. Demnach wolle Neske angesichts der von Jain und Co-Chef Jürgen Fitschen vertretenen Strategie "hinschmeißen". Ein Sprecher der Bank lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Der 50 Jahre alte Bankmanager Neske ist seit 2009 Mitglied des Vorstands.

Die Personalie soll nach Informationen aus dem Umfeld der Bank bereits am Mittwoch im Aufsichtsrat abschließend beraten werden. Den Berichten zufolge haben sich Bank und Privatkundenchef noch nicht über die finanziellen Details der Trennung geeinigt. Als möglicher sei Christian Ricken im Gespräch, heißt es. Ricken gehöre dem erweiterten Vorstand an und sei bislang zweiter Mann hinter Neske im Privat- und Geschäftskundenbereich.

Die Debatte um den Abgang einer prominenten Führungsfigur erfasst den Dax-Konzern wenige Tage vor dem alljährlichen Aktionärstreffen. Die Hauptversammlung ist für den kommenden Donnerstag (21. Mai) angesetzt.

London und New York gegen Frankfurt?

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Der Streit zwischen Neske und den beiden Co-Chefs Jain und Fitschen habe sich Insidern zufolge bereits abgezeichnet. Der Konflikt stehe "auch für die Gräben zwischen den vor allem in London und New York beheimateten Investmentbankern und den in Frankfurt verankerten Privat- und Firmenkundenmanagern", heißt es im Bericht des "Spiegel". In der Diskussion um die richtige Strategie für die Deutsche Bank und die Bewältigung der zahlreichen Skandale seien diese Gräben in den vergangenen Monaten mehr denn je sichtbar geworden.

In der Debatte um die neue Strategie der Bank gilt Neske als großer Verlierer der Neuaufstellung. Die Deutsche Bank hatte Ende April ihre mit Spannung erwartete "Strategie 2020" präsentiert. Am Ende kam es nicht zu der intern lange Zeit intensiv diskutierten Zerlegung in eine Privatkunden- und eine Investmentbank, sondern zur "kleinen" Lösung: Nur die Postbank wird verkauft - vorzugsweise über einen Börsengang.

14 Millionen Kunden weniger

Auf diese Weise soll die Bilanz der Deutschen Bank auf einen Schlag deutlich schlanker werden. Die Konzernführung verspricht sich davon einen Vorteil. Für Neske jedoch macht das einen großen Unterschied. Bei einer Zerlegung hätte er auf den Chefposten eines großen Privatkunden-Instituts in Form eines neuen Geldhauses aus der Postbank und den Deutsche-Bank-Filialen hoffen dürfen.

Jetzt, da die Postbank wieder eigenständig werden soll, verliert er auf einen Schlag 14 Millionen Kunden, 15.000 Mitarbeiter und fast 50 Milliarden Euro an Spareinlagen. Und auch die verbleibenden sogenannten "blauen" Filialen des Mutterhauses sollen ordentlich zusammengestrichen werden, wie die Bank ankündigte. Von Neskes Bereich bleibt also deutlich weniger übrig, während die Investmentbanker im Konzern weiter an Gewicht gewinnen.

Kenner des Hauses berichteten aber schon länger von Spannungen zwischen Neske und Co-Vorstandschef Anshu Jain. Neske sei im Vorstand bereits vor der Strategieentscheidung isoliert gewesen, weil er nach Jains Auffassung nie eine überzeugende Vision für den Privatkundenbereich präsentiert habe. Jain monierte bei der Strategie-Präsentation auch ungewohnt offen, dass die Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern in den vergangenen Jahren hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Das Bonner Institut gehört seit 2010 mehrheitlich zum Branchenprimus.

Quelle: n-tv.de

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