Wirtschaft
Ein Übernahme von AstraZeneca wäre der bislang größte Kauf eines britischen Unternehmens aus dem Ausland.
Ein Übernahme von AstraZeneca wäre der bislang größte Kauf eines britischen Unternehmens aus dem Ausland.(Foto: picture alliance / dpa)

Mega-Deal in Pharmabranche? : Pfizer schielt auf AstraZeneca

Mit dem Auslaufen vieler Patente könnte das Pharma-Unternehmen AstraZeneca zum Ziel kaufwilliger Konkurrenten werden. Besonders interessiert scheint der US-Wettbewerber Pfizer zu sein. Gerüchten zufolge bereiten die Amerikaner ein dreistelliges Milliarden-Angebot vor.

In der Pharmabranche sorgen Spekulationen um eine milliardenschwere Übernahme für Aufsehen. Einem Zeitungsbericht zufolge hegt der US-Pharmariese Pfizer Interesse an seinem britischen Rivalen AstraZeneca.

Mit einem Angebot von rund 100 Milliarden Dollar (72,5 Milliarden Euro) sei Pfizer auf den Konkurrenten zugegangen, berichtete die "Sunday Times" unter Berufung auf Investmentbanker und Branchenkreise. Es habe auch bereits informelle Gespräche gegeben. AstraZeneca habe den Vorstoß aber abgelehnt, weshalb es derzeit keine Verhandlungen gebe. Weder AstraZeneca noch Pfizer wollten sich zu dem Bericht äußern.

Analysten rechnen jedoch mit einem zweiten Vorstoß von Pfizer. Zum einen habe AstraZeneca einige Mittel für die Krebs-Immuntherapie in der Pipeline, die vielversprechend seien. Zum anderen seien Zukäufe für Pfizer derzeit im Ausland interessanter als auf dem Heimatmarkt. Der US-Konzern habe mehrere zehn Milliarden Dollar in der Kasse, die von ausländischen Töchtern verdient wurden. Wenn Pfizer diese in die USA zurückführe, würden hohe Steuern fällig.

"Wir gehen davon aus, dass Pfizer einen zweiten Versuch aggressiv vorantreibt", schreibt Citi-Analyst Andrew Baum. Da die Krebs-Immuntherapie in den nächsten Jahren ein wichtiges Gebiet in der modernen Medizin zu werden scheint, geht auch ISI-Analyst Mark Schoenbaum davon aus, dass Pfizer bei AstraZeneca noch nicht aufgibt.

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An der Wall Street kamen der Bericht über das angebliche Übernahmeangebot bereits sehr gut an. Pfizer-Papiere legten zu Wochenbeginn um 1,3 Prozent zu, die in New York gelisteten Astra-Aktien kletterten mehr als 5 Prozent nach oben. Reaktionen aus London blieben zunächst aus: Am Ostermontag wurde an der britische Börse nicht gehandelt.

Die Pharmabranche leidet derzeit unter der Konkurrenz durch Nachahmerprodukte, da viele Medikamente den Patentschutz verlieren. Bei AstraZeneca indes laufen viele Patente zu einem Zeitpunkt aus, an dem einige Konkurrenten - wie Pfizer - das Schlimmste hinter sich zu haben scheinen. Das hat die britische Firma bereits zum Spielball von Übernahmespekulationen gemacht.

Sowohl die Schweizer Novartis als auch der größere britische Konkurrent GlaxoSmithKline wurden in diesem Zusammenhang schon genannt. Glaxo hat in der letzten Jahren jedoch stets betont, nicht an größeren Übernahmen interessiert zu sein. Novartis steckt derzeit mitten in einem strategischen Umbau und ist selbst auf dem Gebiet der Krebs-Immuntherapie aktiv.

Größte Übernahme britischer Firma

2014 rechnet AstraZeneca mit rückläufigem Umsatz und Gewinn, wenn der Schutz für das Anti-Sodbrennen-Mittel Nexium ab Mai in den USA endet. Für das mit Abstand umsatzstärkste Mittel, den Cholesterinsenker Crestor, läuft der Patentschutz in den USA 2016 aus. Zahlen zum ersten Quartal will AstraZeneca an diesem Donnerstag vorlegen.

Pfizer kämpft gegen ähnliche Probleme - beispielsweise bei der Potenzpille Viagra oder dem Cholesterinsenker Lipitor. Zuletzt waren die Einbußen aber nicht mehr ganz so heftig. Pfizer hat bereits einige große Zukäufe gestemmt, den letzten 2009 mit dem Erwerb des US-Konkurrenten Wyeth für 68 Milliarden Dollar (knapp 50 Milliarden Euro). Sollte Pfizer bei Astra zum Zug kommen, wäre es die größte Übernahme einer britischen Firma durch einen Käufer aus dem Ausland.

Pfizer und AstraZeneca arbeiten bei einigen Projekten bereits zusammen. In der vergangenen Woche wurde ein neuartiges Verfahren für klinische Studien bei Krebsmedikamenten vorgestellt.

Quelle: n-tv.de

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