Wirtschaft
Enge Geschäftsbeziehungen: Bislang übernimmt die Deutsche Post einen Großteil der Amazon-Lieferungen.
Enge Geschäftsbeziehungen: Bislang übernimmt die Deutsche Post einen Großteil der Amazon-Lieferungen.(Foto: REUTERS)

Spekulationen um Projekt "Lockers": Plant Amazon eigene Packstationen?

Bekommt die Deutsche Post bald Konkurrenz im Kerngeschäft? Einem Zeitungsbericht zufolge arbeitet der US-Konzern Amazon an der Markteinführung eines neuen Angebots. Branchenkenner halten einen solchen Vorstoß zumindest für plausibel.

Der US-Onlinehändler Amazon will einem Zeitungsbericht zufolge auch in Deutschland eigene Packstationen aufbauen, in denen Kunden ihre Bestellungen abholen und auch zurückschicken können. Das gehe aus Stellenanzeigen hervor, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Bei Amazon wollte man diese Angaben nicht bestätigen.

In dem Bericht ist von Inseraten die Rede, in denen die Münchner Zentrale von Amazon Deutschland angeblich Manager für das Projekt "Amazon Lockers" für die Standorte in München, Paris und Luxemburg suche. "Amazon Lockers" sei eine "neue aufregende Lieferlösung", heißt es demnach in den Anzeigen. "Lockers" steht im Englischen für Schließfächer. Die Stellungnahme von Amazon dementiert die Angaben nicht direkt. Amazon arbeite zwar "kontinuierlich an der Entwicklung neuer Services für den Kunden", hieß es auf Anfrage. Zu "Amazon Lockers" in Deutschland habe das Unternehmen aber keine Ankündigung gemacht.

Dass Amazon eigene Packstationen in Deutschland aufbauen könnte, halten Branchenkenner für plausibel: Einen entsprechenden Amazon-Service gibt es bereits in mehreren Städten in den USA - etwa in New York, Seattle oder Chicago - und in Großbritannien, wie etwa in London. Die knapp 300 Packstationen (Stand Ende Mai 2015) stehen auf öffentlichen Plätzen, in Einkaufszentren oder Supermärkten, in Drogerien oder auch in Bibliotheken.

Anfang Januar hatte Amazon Pläne für einen eigenen Paketdienst in Deutschland bekannt gegeben, der unter dem Schlagwort "Same Day" eine Art Expresszustellung bestellter Waren ermöglichen soll. In großen Städten sollen Kunden damit ihre Pakete noch am Tag der Bestellung oder am nächsten Tag in Händen halten. Ein Modellprojekt gibt es seit Oktober in Olching bei München. Die Kunden fragten die schnelle Lieferung immer mehr nach, hieß es.

Im Kerngeschäft der Post

Das US-Unternehmen Amazon ist schon jetzt der größte Onlinehändler in Deutschland und arbeitet mit der Deutschen Post DHL und Hermes zusammen. Die Post unterhält hierzulande bislang die mit Abstand meisten Packstationen. Der Versand von Päckchen und Paketen zählt für den Briefdienstleister zu den tragenden Säulen im Kerngeschäft. Früheren Angaben zufolge betreibt die Post in Deutschland bislang etwa 2750 Packstationen, in denen Kunden ihre Pakete entgegennehmen oder für den Versand deponieren können.

Post-Chef Frank Appel hatte kürzlich angekündigt, sein Unternehmen wolle die Paketsparte weiter ausbauen. Der "Bild"-Zeitung sagte er, der Konzern beobachte genau, was sich im Markt tue. "Für uns geht es darum, auch weiterhin Qualitätsführer zu sein. Dann können wir auch damit leben, wenn Testballons gestartet werden. Letztlich entscheidet der Kunde."

Quelle: n-tv.de

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