Wirtschaft
Der Bestechungsskandal in Griechenland ist noch lange nicht aufgearbeitet.
Der Bestechungsskandal in Griechenland ist noch lange nicht aufgearbeitet.(Foto: picture alliance / dpa)

Griechischer Schmiergeldsumpf: Polizei nimmt weitere Verdächtige fest

In der Affäre um Bestechungen in Millionenhöhe werden in Griechenland weitere Verdächtige inhaftiert. In den Skandal sollen insgesamt mehrere ausländische Rüstungsunternehmen verwickelt sein. Deshalb wird auch hierzulande ermittelt.

Der Skandal um mutmaßliche Schmiergeldgeschäfte deutscher Rüstungsfirmen in Griechenland zieht weitere Kreise: Die Athener Staatsanwaltschaft ließ übereinstimmenden Berichten zufolge erneut zwei Verdächtige festnehmen, die bei Milliardendeals mit der Kieler HDW-Werft und einem U-Boot-Konsortium um den Industriedienstleister Ferrostaal viele Millionen Euro kassiert haben sollen.

Ferrostaal war im Dezember 2011 vom Landgericht München zu einer Strafe von rund 140 Millionen Euro verurteilt worden, weil das Unternehmen Bestechungsgeld für U-Boot-Aufträge in Griechenland und Portugal gezahlt hatte.

Medienberichten zufolge hat allein der nun festgenommene Hauptverdächtige Sotiris E. als Geschäftsführer der angeschlagenen griechischen Staatswerft Hellenic Shipyards (HSY) rund 20 Millionen Euro Schmiergeld angenommen. Im Gegenzug soll er der Betriebsübernahme durch HDW im Jahr 2002 zugestimmt haben, was wiederum Voraussetzung für den Bau und die Modernisierung von sieben U-Booten durch die deutsche Firma gewesen sein soll. Der "Spiegel" bezifferte das Gesamtvolumen des Geschäfts auf 1,14 Milliarden Euro.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge wurde Sotiris E. nach seiner Vernehmung am vergangenen Freitag ins Gefängnis gebracht, obwohl er dem Bestechungsvorwurf widersprochen und alle Zahlungen als legale Vergütungen verteidigt habe. Neben ihm wurde den Berichten zufolge auch Yannis B. festgenommen, bei dem es sich um einen Vertrauten des früheren Verteidigungsministers Akis Tsochatzopoulos handeln soll, der seinerseits im Oktober wegen Geldwäsche zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. An Yannis B., der die Vorwürfe ebenfalls abstreite, sollen angeblich 3,5 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein.

Firmen weisen Vorwürfe zurück

Mehrere deutsche Rüstungskonzerne sind in den Sog der Schmiergeld-Affäre um Waffenexporte an Griechenland geraten. Die Staatsanwaltschaft in Bremen ermittelt deswegen gegen Rheinmetall sowie gegen Atlas Elektronik, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und ThyssenKrupp. Verantwortliche der Unternehmen werden verdächtigt, griechische Beamte bestochen zu haben, um lukrative Rüstungsaufträge zu erhalten.

Atlas Elektronik erklärte, das Unternehmen dulde keine Bestechung und untersuche die Vorwürfe. Auch Rheinmetall wies den Vorwurf zurück. Die  Staatsanwaltschaft München prüft einem "Spiegel"-Bericht zufolge auch Ermittlungen gegen Krauss-Maffei Wegmann. Der Konzern wies Bestechungsvorwürfe ebenfalls zurück und kündigte eine Untersuchung durch von der Firma unabhängige Experten an.

Die Ermittlungen hatten an Dynamik gewonnen, als mit Antonis Kantas ein hochrangiger griechischer Beamter zugab, für Rüstungsdeals Schmiergeld angenommen zu haben. Kantas war zwischen 1997 und 2002 Vize-Chef der Rüstungsabteilung im griechischen Verteidigungsministerium. Er hat eingeräumt, insgesamt 16 Millionen Dollar Bestechungsgeld für Geschäfte mit Firmen in Deutschland, Frankreich, Russland, Brasilien und Schweden kassiert zu haben.

Griechenland hatte im vergangenen Jahrzehnt gemessen an seiner Wirtschaftsleistung die höchsten Rüstungsausgaben in der Europäischen Union. Dies war einer der Gründe für die enorme Verschuldung des Landes, das 2010 und 2012 von der EU und dem Internationalen Währungsfonds mit Rettungspaketen in Höhe von 240 Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott bewahrt werden musste.

Quelle: n-tv.de

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