Wirtschaft
Kartonweise Beweismittel: Ein Polizei holt vor einer Frankfurter Villa Nachschub für die Kollegen.
Kartonweise Beweismittel: Ein Polizei holt vor einer Frankfurter Villa Nachschub für die Kollegen.(Foto: dpa)

Großrazzia gegen S&K: Polizei verhaftet Anlageberater

In ganz Deutschland rücken 1200 Ermittlungsbeamte zu einer Großrazzia aus. Ihr Ziel: Die Frankfurter Firmengruppe S&K. Sie soll mittels eines Schneeballsystems Tausende Anleger um ihre Ersparnisse gebracht haben. Der Schaden liegt im dreistelligen Millionenbereich.

Der Frankfurter Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Anlagebetrüger gelungen. Sie sollen mit der Frankfurter Firmengruppe S&K ein Schneeballsystem aufgebaut und Tausende Anleger um ihre Ersparnisse geprellt zu haben. Man gehe von einem "extrem hohen Schaden im dreistelligen Millionenbereich" aus, sagte die Staatsanwaltschaft. Sechs Männer wurden in Frankfurt und Hamburg in Haft genommen, gegen weitere 44 wird ermittelt.

Die Ermittlungen richten sich gegen die Deutsche S&K Sachwert AG in Frankfurt (S&K), die zusammen mit weiteren Firmen aus Hamburg und Köln Kern eines betrügerischen Firmennetzes sein soll. Das Unternehmen war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Ermittlungsverfahren läuft seit Mitte 2012.

Zinsen von 12 Prozent versprochen

Tausenden Kunden sollen Anteile an Investmentfonds verkauft worden sein, die wiederum ihre Mittel an eine Immobilien-GmbH der S&K-Gruppe als Darlehen weiterreichten. Als Verzinsung wurden laut Verkaufsprospekt 12 Prozent versprochen. Um die Ansprüche älterer Anleger zu befriedigen, seien im Schneeballsystem neue Zuflüsse verwendet worden, lautet ein Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ebenfalls im Angebot waren Fonds für Risikokapital.

Die geschädigten Anleger waren als Lehre aus der Finanzkrise 2008 offenbar auf der Suche nach neuen ertragreichen und vermeintlich sicheren Formen der Geldanlage. S&K verwaltete nach eigenen Angaben ein Portfolio im Wert von 1,7 Mrd. Euro.

Ein Anwalt der Geschädigten, wirft der Unternehmensgruppe vor, den Wert des eigenen Immobilienbestands mit zweifelhaften Gutachten geschönt zu haben. "Wir können nachweisen, dass die S&K bei der Bewertung von mehreren Immobilien einen Gutachter eingesetzt hat, der überhaupt keine Zulassung hatte. Dieser kam verdächtig oft auf einen Immobilienwert, der über dem tatsächlichen Marktwert lag", erklärte Rechtsanwalt Marc Gericke.

130 Durchsuchungen in Hessen, Hamburg und Bayern

Laut einer Frankfurter Justizsprecherin sind bei den Durchsuchungen sechs Verdächtige im Alter zwischen 31 und 70 Jahren verhaftet worden. Demnach gehören die beiden S&K-Gründer zu den inhaftierten Hauptverdächtigen. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten seien auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

Zu den Verhafteten zählen laut mit dem Fall vertrauten Personen auch die 31- und 33-jährigen Gründer von S&K. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass von den Anlagegeldern nicht mehr viel übrig ist: Sie seien unter anderem für "den extrem aufwändigen und exzessiven Lebensstil der Beschuldigten" verwendet worden. Im Internet kursieren Fotos der beiden S&K-Chefs mit teuren Sportwagen.

Die Justiz hat nach eigenen Angaben Vermögenswerte von über 100 Mio. Euro gesichert. Dazu gehörten Immobilien, Autos und Konten. An den rund 130 Durchsuchungen mit Schwerpunkten in Hessen, Hamburg und Bayern haben rund 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte teilgenommen. Weitere beteiligte Länder waren Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Quelle: n-tv.de

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