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Eine Billion Dollar vernichtet: Polizei verhaftet "Flash Crash"-Händler

Er ist einer der steilsten Kurseinbrüche aller Zeiten: Der als "Flash Crash" in Erinnerung gebliebene Absturz vernichtet im Mai 2010 in kürzester Zeit eine Billion Dollar Börsenwert. Nun wird in Londons ein Mann verhaftet, der dafür mitverantwortlich sein soll.

Die britische Polizei hat einen Börsenhändler festgenommen, der Anfang Mai 2010 einen beispiellosen Absturz an der Wall Street mitverursacht haben soll. Der 31-Jährige wurde in seiner Londoner Wohnung verhaftet.

Der Vorwurf: Unter seiner Mithilfe brach der Dow Jones innerhalb weniger Minuten um neun Prozent oder rund 1000 Punkte ein – etwa 1 Billion Dollar Börsenwert lösten sich so vorübergehend in Luft auf, bevor ein Umschwung die Kurse wieder in Richtung altes Niveau trieb. Dieser Vorfall ging unter dem Namen "Flash Crash" in die Börsen-Annalen ein.

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Ermittler und Finanzaufsicht werfen dem Mann vor, er habe den Markt mit einem automatisierten Handelsprogramm manipuliert. Der Beschuldigte soll durch die Software massenhaft Verkaufsaufträge platziert und kurz vor Ausführung wieder storniert haben. Dieses Vorgehen soll letztlich hinter dem Indexeinbruch stehen, bei dem Hunderte Aktien innerhalb kürzester Zeit vorübergehend nahezu wertlos wurden.

Der Trick: Der Händler sorgte am Markt zunächst für den Eindruck, es gebe einen kräftigen Verkaufsdruck. Als andere Börsianer deshalb fallende Kurse erwarteten und tatsächlich Aktien verkauften, zog der Londoner seine Verkaufsaufträge rechtzeitig zurück. Stattdessen kaufte er die Papiere günstig ein und profitierte vom Kursanstieg. Diese illegale Handelstechnik wird als "Spoofing" bezeichnet.

Hunderttausende Dollar verdient

Der Händler soll ein einträgliches Geschäft betrieben haben. Allein beim "Flash Crash" ist er angeblich um fast 880.000 Dollar reicher geworden. Insgesamt soll er zwischen 2010 und 2014 durch Marktmanipulationen rund 40 Millionen US-Dollar Gewinn eingestrichen haben – all das von einer unauffälligen Doppelhaushälfte aus mit kleinem Vorgarten am westlichen Rande Londons.

Der Mann sollte noch am heutigen Mittwoch vor einem Londoner Gericht erscheinen. Die USA haben schon seine Auslieferung beantragt. Er soll sich dort wegen Betrugs, Manipulation und anderer Vergehen verantworten.

Dass einen Händler allein die gesamte Schuld am "Flash Crash" trifft, ist aber unwahrscheinlich. "Ich glaube nicht, dass ein Einzelner den Crash allein verursachte, aber wir glauben, dass das Spoofing dieses Händlers ein gewichtiger Faktor war", sagte Aitan Goelman von der US-Börsenaufsicht CFTC. Sie geht davon aus, dass der Markt angesichts der Schuldenkrise in Europa ohnehin sehr nervös gewesen sei und dass das "Spoofing" eine Kettenreaktion ausgelöst habe.

Die Börsenaufsicht hatte als Reaktion auf den "Flash Crash" ein neues Sicherungssystem eingeführt: Aktien aus dem wichtigen Index S&P 500 werden vom Handel ausgesetzt, wenn sich der Kurs binnen fünf Minuten um mehr als zehn Prozent verändert. Dies soll Menschen die Möglichkeit geben, mögliche Fehler elektronischer Handelssysteme auszubügeln.

Quelle: n-tv.de

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