Wirtschaft
"Es wurde zwingend erforderlich und dringend, eine Lösung einzurichten, um Einlagen zu garantieren und das Finanzsystem zu schützen", sagt Zentralbankchef Carlos Costa.
"Es wurde zwingend erforderlich und dringend, eine Lösung einzurichten, um Einlagen zu garantieren und das Finanzsystem zu schützen", sagt Zentralbankchef Carlos Costa.(Foto: picture alliance / dpa)

Milliardenspritze und Bad Bank: Portugal rettet Krisenbank BES

Seit Mittwoch sind die Aktien von Banco Espírito Santo um mehr als 65 Prozent gefallen. Am Freitag wird ihr Handel bei einem Kurs von 12 Euro-Cent dann ausgesetzt. Nun muss der Staat einspringen und die Bank mit staatlichen Milliardenhilfen retten.

Rund zweieinhalb Monate nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirmes hat Portugal einen neuen Krisenherd gelöscht. Die Richtung Pleite taumelnde 1869 gegründete Großbank Banco Espírito Santo (BES) bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt und aufgespalten. Der Rettungsplan, den die portugiesische Zentralbank veröffentlichte, kommt überraschend. Noch vor wenigen Wochen hatte die Bank of Portugal erklärt, dass Banco Espírito Santo genug Kapital besitze, um gegen eine Finanzkrise des Mutterkonzerns gewappnet zu sein. Die Konzernmutter, ein Firmenkonglomerat mit Sitz in Luxemburg, war jüngst ins Schlingern geraten, nachdem Bilanzprüfer Unregelmäßigkeiten in den Büchern aufgedeckt hatten.

Wie sich herausstellte, hatte Banco Espírito Santo dem Mutterkonzern Espírito Santo International und anderen Firmen des Konglomerats nicht nur Darlehen zur Verfügung gestellt, sondern auch dessen Schulden in Milliardenhöhe an Kunden verkauft.

Im Zuge des Rettungsplans von 4,9 Milliarden Euro bleiben Sparkunden und vorrangige Anleihegläubiger nun vor Verlusten gefeit, doch die nachrangigen Gläubiger und die derzeitigen Aktionäre der Bank werden finanzielle Einbußen erleiden.

Alles regulär

"Es wurde zwingend erforderlich und dringend, eine Lösung einzurichten, um Einlagen zu garantieren und das Finanzsystem zu schützen", sagte Zentralbankchef Carlos Costa. Er fügte hinzu, dass die Bank ab Wochenbeginn keinen Zugang zu frischer Liquidität mehr habe.

Die Europäische Kommission teilte in einer Stellungnahme mit, dass der Rettungsplan den geltenden Regeln für staatliche Beihilfen entspricht.

Staatliche Kapitalspritze

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Die Finanzlage der Bank verschlechterte sich rapide, als sie am Mittwoch einen Halbjahresverlust von 3,6 Milliarden Euro meldete. Die portugiesische Zentralbank hatte mit Verlusten von knapp 2 Milliarden Euro gerechnet, fand aber heraus, dass sich das Kreditinstitut im zweiten Quartal entgegen den Anweisungen finanziell immer noch weiter abhängig vom Mutterkonzern und seinem Firmengeflecht gemacht hatte.

Zu dem Zeitpunkt führte Ricardo Salgado das Management der Bank. Er ist zugleich der Patriarch in der Familie Espírito Santo, welche den Mutterkonzern Espírito Santo International kontrolliert. Salgado schied im Juli aus der Bank aus. Ein neues Managementteam unter Vorstandschef Vitor Bento versucht nun, die Bank vor dem Untergang zu bewahren.

Nach Angaben von Zentralbank-Gouverneur Costa greift Portugal zur Rettung auf einen Bankenabwicklungsfonds zurück, der theoretisch vom Finanzsektor des Landes finanziert wird. Doch weil der Fonds fast leer ist, bekommt Banco Espírito Santo nun eine staatliche Kapitalspritze in Höhe von 4,4 Milliarden Euro. Diese speist sich zum Teil aus einer Kreditlinie, die Portugal mit dem Rettungsschirm des Jahres 2011 bekam.

"Bad Bank" kommt

Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds liehen Portugal damals 78 Milliarden Euro über drei Jahre. Ein Teil dieses Darlehens - 12 Milliarden Euro - wurde für Notfälle beiseitegelegt, um Banken gegebenenfalls noch besser mit Kapital ausstatten zu können. Von diesem Geld sind noch mehr als 6 Milliarden Euro übrig.

Gemäß den Regeln des Abwicklungsfonds wird nun eine "Bad Bank" gebildet, welche die toxischen Vermögenswerte der Banco Espírito Santo aufnehmen soll. Zu diesen Problemwerten zählen Darlehen an Firmen des Espírito-Santo-Konglomerats, die möglicherweise nicht mehr bedient werden. Außerdem beinhaltet es den 56-prozentigen Anteil an der Banco Espírito Santo Angola mit ihrem faulen Kreditportfolio.

Die derzeitigen Aktionäre, darunter der Mutterkonzern Espírito Santo International mit einem Anteil von 20 Prozent sowie die französische Bank Crédit Agricole mit einem Anteil von 14,6 Prozent an Banco Espírito Santo, werden der Bad Bank ebenso wie nachrangige Gläubiger verhaftet bleiben. Die Bad Bank wird abgewickelt.

Neuer Name, eine Zukunft?

Seit Mittwoch sind die Aktien von Banco Espírito Santo um mehr als 65 Prozent gefallen. Am Freitag wurde ihr Handel bei einem Kurs von 12 Euro-Cent ausgesetzt.

Der noch gesunde Konzernteil der Bank, der nicht in die Bad Bank fließt, wird mit sämtlichen Spareinlagen und Vermögenswerten mithilfe der staatlichen Kapitalspritze aufgepäppelt und erhält einen neuen Firmennamen.

Die Behörden hoffen, dass sie mit der Aufspaltung von Banco Espírito Santo in eine gesunde Einheit und eine Bad Bank Anleger zum Kauf ermuntern können. Die Einnahmen sollen in die Rückzahlung der Rettungshilfen fließen.

Quelle: n-tv.de

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