Aktie verliert fast 50 ProzentPortugals Krisenbank meldet Rekordminus

Die schlechten Nachrichten für Portugals zweitgrößte Bank reißen nicht ab: In den ersten sechs Monaten summiert sich der Verlust auf 3,6 Milliarden Euro. An der Börse werden die Papiere zeitweise vom Handel ausgesetzt.
Die Aktien der portugiesischen Bank Banco Espirito Santo sind am Morgen an der Börse Lissabon vom Handel ausgesetzt worden. Hintergrund ist der am Vorabend gemeldete Rekordverlust für das zweite Quartal. Nach Wiederaufnahme des Handels am späten Vormittag brach der Kurs zwischenzeitlich um fast 50 Prozent ein. Der Lissabonner Aktienindex PSI-20 verliert 4,5 Prozent.
Die angeschlagene portugiesische Bank Espírito Santo (BES) hat wegen der Geldprobleme ihrer Gründerfamilie im ersten Halbjahr einen Milliardenverlust verbucht. Das Minus belaufe sich auf 3,6 Milliarden Euro, teilte das Finanzinstitut mit. Allein im zweiten Quartal betrug der Verlust 3,49 Milliarden Euro - ein Negativrekord.Damit hat die Bank nach eigenen Angaben nur noch eine Kernkapitalquote von fünf Prozent statt der vorgeschriebenen sieben Prozent.
Verkauf von Geschäftsteilen erwogen
Der neue Bank-Chef, Vitor Bento, kündigte eine Kapitalerhöhung an, um das Geldhaus zu stärken. Die Maßnahme solle sofort eingeleitet werden. Ein Volumen nannte er zunächst nicht. Etliche Investoren hätten bereits ihr Interesse an einem solchen Schritt bekundet.
Zudem erwäge Bento im Rahmen einer Umstrukturierung den Verkauf von Geschäftsteilen der Bank. Der seit Mitte Juli amtierende Bank-Chef sagte, er halte es für möglich, dass bei der Banco Espírito Santo gegen Gesetze verstoßen worden sei.
Die portugiesische Zentralbank teilte nach Veröffentlichung der katastrophalen Zahlen mit, dass die für die Bilanzen zuständigen Mitarbeiter das Geldhaus verlassen müssten. Die Wirtschaftsprüfer PwC sollten die Bank solange überwachen, bis neue interne Revisoren installiert worden seien.
Kredite bei der Europäischen Zentralbank erhöht
Die Probleme des Banco Espírito Santo begannen im Mai, als er das verheerende Ergebnis einer Geschäftsprüfung beim Mutterkonzern Espírito Santo International SA durch die portugiesische Zentralbank eingestehen musste. Diese hatte eine prekäre Finanzlage bei dem Mutterkonzern aufgedeckt. Zudem enthüllte die Prüfung Unregelmäßigkeiten in den Büchern des Luxemburger Firmenkonglomerats, zu dem Banken, Hotels und Immobilien in Portugal und im Ausland gehören.
Als die finanziellen Verflechtungen der Banco Espírito Santo zur angeschlagenen Konzerngruppe sowie immer neue Probleme bei Schwesterkonzernen ans Licht kamen, stürzte der Aktienkurs der Bank um mehr als 60 Prozent ab. Anfang Juli tauschte die Bank ihr Management aus - seitdem ist der jetzige Chef Bento am Ruder.
Am Mittwoch erklärte die Bank, dass sie ihre Kredite bei der Europäischen Zentralbank im ersten Halbjahr dieses Jahres von 2 Milliarden Euro auf 7,4 Milliarden Euro erhöht hat. Wegen der jüngsten Entwicklungen werde die Bank "vermutlich einige Einschränkungen in ihrer Liquiditätssituation erleben, die eine erhebliche Auswirkung auf ihre Finanzierung mit der EZB haben könnten", sagte sie.