Wirtschaft

Luxus als Leitbild : Benko gründet die KaDeWe-Gruppe

Von Diana Dittmer

Während die Mitarbeiter der 83 Karstadt-Häuser um ihre Jobs zittern, hat der neue Investor René Benko für die drei Luxus-Immobilien in Berlin, München und Hamburg bereits große Pläne. Sein Vorgehen passt ins Bild.

Schick kommt weiter: Die Signa Holding von Karstadt-Investor René Benko macht das KaDeWe zur Blaupause für seine Luxus-Warenhäuser an besonders exklusiven Standorten. Die ehemalige Karstadt Premium GmbH, zu der neben dem Berliner Nobelkaufhaus auch das Oberpollinger in München und das Alsterhaus in Hamburg gehören, wird nach Informationen des "Handelsblatts" ab sofort unter dem neuen Namen "The KaDeWe Group" auftreten.

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"Wir vereinheitlichen die Erscheinungsbilder der einzelnen Häuser, von den Schaufenstern über die Ladengestaltung bis hin zum Sortiment", sagte der Geschäftsführer der Luxus-Warenhäuser-Gruppe, André Maeder, der Zeitung. Das KaDeWe, das bekannteste der drei Häuser, sei das Vorbild: "Jeder Kunde muss erkennen: KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus gehören zu einer exklusiven Gruppe." Der Investor prüft dem Bericht zufolge auch eine Expansion in den Luxusbereich.

Auf Zuwachs

"Unter dem Dach der KaDeWe Group sind natürlich weitere Eröffnungen, etwa in Frankfurt am Main, Wien oder Prag, vorstellbar", erläuterte Maeder. KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus erzielten 2013 einen Umsatz von 600 Millionen Euro. Beim Ergebnis zeigte sich Maeder zwar wortkarg, aber zufrieden: "Wir sind profitabel."

Der österreichische Immobilieninvestor Benko hatte sich mit seiner Signa-Holding im September 2013 die Mehrheit an den lukrativsten Teilen von Karstadt - den Sporthäusern und den Luxus-Häusern - gesichert. Mitte August übernahm er nach den "Filetstücken" auch die restlichen Anteile dieser Sparten sowie die sanierungsbedürftige Karstadt-Hauptkette mit 83 Häusern. Beobachter erwarten in dem letztgenannten Bereich harte Einschnitte, zumal Benko bei vielen Häusern nicht der Besitzer der Immobilien ist. Der Karstadt-Aufsichtsrat ist heute erstmals nach dem Einstieg Benkos zusammengetreten, um über Sanierungspläne zu beraten. Mit Spannung wird darauf gewartet, was das Gremium ankündigen wird.

Weitreichende Entscheidungen werden zu diesem frühen Zeitpunkt nach der Übernahme zwar noch nicht erwartet. Medienberichten unter Berufung auf Insider zufolge droht aber nicht wie angekündigt 20 Häusern, sondern bis zu 30 der 83 Karstadt-Filialen das Aus. Die Mitarbeiter hoffen, hierzu mehr zu erfahren. Karstadt steckt tief in den roten Zahlen. Kleine Standorte müssen um ihre Existenz fürchten. Die Gründung einer Luxusgruppe nach dem Vorbild des Berliner Premium-Kaufhauses KaDaWe schürt die Befürchtungen, dass ein größerer Kahlschlag bevorsteht, zusätzlich.

(Hinweis für Mobilnutzer: Eine Karte mit den Karstadt-Filialen in der Übersicht finden Sie hier)

Der Immobilien-Profi

Dem Self-Made-Millionär Benko eilt der Ruf voraus, eine Vorliebe für Luxus zu haben. Sein Lehrstück in Sachen Einkaufszentrum hat er in seiner Heimatstadt Innsbruck abgeliefert. 2004 kaufte der damals 27-Jährige gegen harte Konkurrenz das Kaufhaus Tyrol und ließ es vom Stararchitekten David Chipperfield zu einem Konsumtempel mit 55 Shops umbauen. Heute ist das Kaufhaus ein wichtiger Publikumsmagnet mitten in der Innsbrucker City.

Gerüchten zufolge verfolgt Benko auch in Deutschland Umbaupläne für prominente Karstadt-Häuser. Der Self-Made-Millionär und zwei weitere Investoren versuchen angeblich, Immobilien um das Karstadt-Haus am Berliner Kufürstendamm zu kaufen. Bestätigen lässt sich das nicht. Die drei Investoren sollen aber beim Kartellamt beantragt haben, das Karstadt-Gebäude gemeinsam zu erwerben - bislang gehört es Benko allein.

Medienberichten zufolge gehört Benko zu den 100 reichsten Österreichern. Seine Signa-Gruppe, mit der er bei reichen Investoren Geld für teure Immobilien in internationalen Toplagen einsammelt, gründete er 1999/2000 mit Anfang 20. Das Immobilienvermögen beträgt mehr als sechs Milliarden Euro. Vor gut einem Jahr war es noch eine halbe Milliarde weniger.

Signa beschäftigt mittlerweile 150 Mitarbeiter. Zum Portfolio von des Unternehmens gehören in Deutschland neben der Spitzenimmobilie KaDeWe, die Nike-Zentrale in Frankfurt am Main und das Kaufhaus Sevens in Düsseldorf. In Wien baute Benko vor kurzem einige Straßen in der Innenstadt zu einer Nobel-Shoppingmeile samt Luxusappartements um. Der Name des Projekts: "Goldenes Quartier".

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Quelle: n-tv.de

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