Wirtschaft
Der Anstieg psychischer Erkrankungen ist um fast 80 Prozent gestiegen.
Der Anstieg psychischer Erkrankungen ist um fast 80 Prozent gestiegen.(Foto: Jens Kalaene/dpa)
Donnerstag, 14. September 2017

Hälfte der Arbeiter betroffen: Psychische Leiden treiben Ausfallzeiten hoch

Etwa jeder zweite Arbeitnehmer fühlt sich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt - Schuld sind private Ereignisse, wie aus einem neuen Bericht des AOK-Bundesverbandes hervorgeht. Zu den schlimmsten Lebenskrisen zählen demnach schwere Erkrankungen in der Familie.

Eine schwere Krankheit, der Tod des Partners oder finanzielle Probleme: Rund die Hälfte der Erwerbstätigen war nach einer AOK-Umfrage in den vergangenen Jahren von einer Lebenskrise betroffen, die sich nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf die berufliche Leistungsfähigkeit auswirkte. Knapp 59 Prozent berichten von körperlichen und fast 80 Prozent von psychischen Problemen.

Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich laut der veröffentlichten Umfrage in der eigenen Leistungsfähigkeit eingeschränkt (53 Prozent). Ähnlich viele Menschen geben an, trotz einer durch die Ereignisse bedingten Erkrankung zur Arbeit gegangen zu sein (49 Prozent). Mehr als ein Drittel fühlte sich aufgrund der Krise unzufrieden mit der Arbeit (37 Prozent) oder hat sich häufiger krank gemeldet (34 Prozent).

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Das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) befragte für seinen Fehlzeitenreport im Januar und Februar dieses Jahres rund 2000 Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren zu Lebenskrisen in den vergangenen fünf Jahren.

Während die Unterschiede zwischen Männern und Frauen marginal sind, ist der Einfluss des Alters erwartungsgemäß erheblich: So berichtet mehr als ein Drittel der Beschäftigten unter 30 Jahren (38 Prozent) über persönliche Krisen, bei den 50- bis 65-Jährigen sind dies schon fast zwei Drittel (knapp 65 Prozent).

Ein Fünftel erhält keine Unterstützung

Wird nach dem schlimmsten Ereignis gefragt, wird am häufigsten über schwere Erkrankungen in der Familie berichtet, dicht gefolgt von belastenden Konflikten im privaten Umfeld, Trennung oder Tod eines Familienangehörigen. Bereits auf Rang fünf steht mit Mobbing oder Streit am Arbeitsplatz eine das Berufsleben betreffende Krise.

Das Unternehmensklima und das Gesundheitsmanagement im Betrieb spielen demnach eine erhebliche Rolle. Rund 42 Prozent der Befragten haben Verständnis und Rücksichtnahme im Unternehmen erfahren, ein Drittel nennt klärende Gespräche mit dem unmittelbaren Vorgesetzten. Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitarbeit werden von jedem Fünften genannt, über eine Freistellung von der Arbeit wie unbezahlter Urlaub und die Vermittlung professioneller Hilfe berichten jeweils zwölf Prozent der Betroffenen.

Immerhin fast ein Fünftel der von einer Lebenskrise Betroffenen gibt allerdings an, keine betriebliche Unterstützung erhalten zu haben (18,5 Prozent). Vor allem kleinere Unternehmen haben der AOK zufolge Nachholbedarf bei Unterstützungsangeboten.

Insgesamt blieb der Krankenstand bei den AOK-Versicherten 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit 5,3 Prozent stabil. Damit fehlte jeder Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Quelle: n-tv.de

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