Wirtschaft
Der Stahlkocher steckt tief im Minus und sucht Käufer für einige seiner Werke.
Der Stahlkocher steckt tief im Minus und sucht Käufer für einige seiner Werke.(Foto: picture alliance / dpa)

Neue Kohle für ThyssenKrupp?: RAG würde sich bitten lassen

Der taumelnde Stahlkocher sucht weiter nach einem Weg aus der Krise. Teil der Überlegungen ist eine Kapitalerhöhung. Als Geldgeber wird seit einiger Zeit die RAG-Stiftung gehandelt. Allerdings müsste das Unternehmen den ersten Schritt machen.

Die zur Abwicklung des deutschen Steinkohle-Bergbaus errichtete RAG-Stiftung könnte dem angeschlagenen Stahlkonzern ThyssenKrupp unter die Arme greifen. Denkbar sei die Beteiligung an einer Kapitalerhöhung, berichtete Reuters. Die Initiative dazu müsste jedoch sowohl vom Unternehmen als auch von der Krupp-Stiftung ausgehen. Erforderlich wäre zudem die Zustimmung der Politik.

Ein Sprecher der RAG-Stiftung habe die Angaben nicht bestätigen wollen, zugleich aber auch ein Dementi vermieden. "Das ist ein sattsam bekanntes Gerücht", sagte er. Stiftungschef Werner Müller habe dazu keine Gespräche geführt und sei auch nicht angesprochen worden. ThyssenKrupp wollte sich dazu nicht äußern.

Im Kuratorium der RAG-Stiftung sitzen unter anderen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und die Ministerpräsidentinnen Nordrhein-Westfalens und des Saarlands, Hannelore Kraft (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Gerüchte beflügeln Aktie

Bei ThyssenKrupp wiederum ist die Krupp-Stiftung unter der Führung der 99-jährigen Konzernlegende Berthold Beitz mit gut 25 Prozent beteiligt. Diese Stiftung, die als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme gilt, wollte sich zu den Überlegungen nicht äußern. Es ist offen, ob sie selbst sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen würde - und könnte.

Der frühere Wirtschaftsminister unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und jetzige RAG-Chef, Müller, soll mit der öffentlichen RAG-Stiftung einen Kapitalstock aufbauen, um die Folgekosten des auslaufenden Steinkohlebergbaus in Deutschland zu finanzieren. Die RAG-Stiftung ist Mehrheitseigner des Spezialchemiekonzerns Evonik und hat mit dem Verkauf von Evonik-Anteilen Milliarden eingesammelt.

Die Bundesregierung jedenfalls will die Satzung der RAG-Stiftung nicht erweitern, um ihr einen Einstieg zu ermöglichen. "Der satzungsgemäße Stiftungszweck der RAG ist eindeutig definiert, und es gibt überhaupt keine Planung, hier Veränderungen vorzunehmen", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums.

Am Aktienmarkt legte das ThyssenKrupp-Papier zeitweise um 2,5 Prozent zu. "Am Markt wird der mögliche Einstieg der RAG-Stiftung bei Thyssen positiv gesehen, weil man froh ist, dass überhaupt noch jemand da ist, der sich für den Konzern interessiert und ihm finanziell zur Seite stehen könnte", sagte ein Händler. "Ich denke aber, dass ein Einstieg eher negativ wäre, weil dies dann gegen eine mögliche Zerschlagung des Konzerns spricht, die ja auch am Markt gespielt wird."

Stahlkonzern steckt tief in den roten Zahlen

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte vor wenigen Wochen erklärt, er könne eine Kapitalerhöhung in den nächsten sechs bis neun Monaten nicht ausschließen. Der Konzern hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren. Ursache hierfür war vor allem das Desaster des amerikanischen Stahlgeschäfts. Hiesinger will die verlustreichen Stahlwerke in Brasilien und den USA möglichst rasch abstoßen. Zudem kämpft der Konzern mit den Folgen von Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge werden in Unternehmenskreisen sogar Überlegungen angestellt, ob ThyssenKrupp nicht komplett aus dem Stahlbereich aussteigen solle. Dadurch blieben dem Unternehmen noch Aufzugsgeschäft, der Anlagenbau und die Autozulieferung. Ein ThyssenKrupp-Sprecher verwies dazu auf frühere Aussagen Hiesingers, wonach eine Trennung vom europäischen Stahlgeschäft nicht geplant sei. Die Arbeitnehmerschaft vertraut diesen Aussagen. "Wir haben keine Indizien, dass sich ThyssenKrupp von Steel Europe trennen will", sagte Gesamtbetriebsratschef Günter Back zu Reuters. Er vertraue den Worten Hiesingers. Der Konzern investiere in das europäische Stahlgeschäft und wolle dies für die Zukunft sicher aufstellen.

Quelle: n-tv.de

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