Wirtschaft
55.000 Barren will die Bundesbank bis 2020 von New York nach Frankfurt bringen.
55.000 Barren will die Bundesbank bis 2020 von New York nach Frankfurt bringen.(Foto: dapd)

Wer lagert Gold für eine Milliarde ein?: Rätselhafte Goldvermehrung in New York

Die Bestände des größten Goldbarrenlagers der Welt in New York stagnieren seit Jahren oder sinken, da etwa Deutschland einen Teil seiner Reserven nach Hause holt. Die jüngste Bilanz der Federal Reserve zeigt jedoch: Jemand hat tonnenweise Gold eingelagert.

Die New Yorker Filiale der US-Notenbank Federal Reserve bewahrt in ihren Tresore einen Großteil der weltweiten Goldreserven auf. Rund 6000 Tonnen haben ausländische Zentralbanken den Amerikaner im Laufe der Zeit anvertraut, ein Großteil davon gehört der Bundesbank. Jahrzehnte lang war diese Menge weitgehend unverändert geblieben. Denn seit Ende des Goldstandards und des weltweiten, festen Wechselkurssystem in den 1970-er Jahren stocken Zentralbanken ihre Goldreserven kaum mehr auf.

Zuletzt haben vor allem die Deutschen und auch die Niederländer damit begonnen, einen Teil ihrer Barren von New York in die Heimat zu bringen. 85 Tonnen verschiffte die Bundesbank 2014 nach Deutschland, 122,5 Tonnen brachten die Niederländer laut einem Bericht des "Handelsblatts" nach Amsterdam. Das allein macht ein Minus von 207,5 Tonnen für das Fed-Goldlager. In einer jüngst veröffentlichten Bilanz hätten die Notenbanker allerdings einen Nettoabzug von nur 177 Tonnen aus ihren Tresoren ausgewiesen, berichtet die Wirtschaftszeitung.

Jemand muss also mindestens 30,5 Tonnen Gold neu eingelagert haben. Das entspricht - gemäß dem aktuellen Goldpreis - einem Wert von mehr als eine Milliarde Euro.

Dazu, woher das Gold kommt, sagt die Fed nichts und öffnet damit Spekulationen Tür und Tor. Laut "Handelsblatt" führt die heißeste Spur nach Kiew. Die ukrainische Zentralbank hat im vergangenen Jahr einen Teil ihrer Goldreserven verkauft, um den Devisenbedarf des Krisenstaats zu decken. Anfang 2013 soll sie noch 40 Tonnen Gold besessen haben, im Januar dieses Jahres noch 23. Gut möglich, dass ein Großteil der ukrainischen Goldreserven zunächst zum Goldhandelsplatz nach New York gebracht wurden, um sie dort zu verkaufen. Denn die Stadt ist einer der wichtigsten Handelsplätze für das Edelmetall. In Kiew dagegen könnten sie nur schwer verkäuflich gewesen sein.

55.000 Barren überqueren den Atlantik

Bei Käufen werden die Barren oft gar nicht physisch bewegt, wenn sie sich an einem sicheren Lagerort befinden. Das "Handelsblatt" spekuliert daher, dass das ukrainische Gold, auch wenn es inzwischen teilweise andere Besitzer hat, die Differenz zwischen der Fed-Bilanz und den deutschen und niederländischen Zahlen erklärt. Belege dafür gebe es jedoch nicht, schreibt das Blatt.

Die Bundesbank will nach eigenen Angaben ihren Goldtransport nach Frankfurt bis 2020 fortsetzen. Insgesamt werden dabei 55.000 Barren unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen bewegt. Ein gutes Drittel ihres Gesamtbestandes von 3384 Tonnen will die Bundesbank allerdings in New York belassen und weitere 13 Prozent in London. Ein bisheriges Golddepot in Paris wird dagegen aufgelöst.  

Quelle: n-tv.de

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