Wirtschaft
Hätte sich Jürgen Fitschen jede Menge Ärger ersparen können, wenn er auf die britische Steuerbehörde gehört hätte?
Hätte sich Jürgen Fitschen jede Menge Ärger ersparen können, wenn er auf die britische Steuerbehörde gehört hätte?(Foto: picture alliance / dpa)

Kooperation in letzter Minute: Razzia bei Fitschen abgesagt

Dass 500 Fahnder die Konzernzentrale der Deutschen Bank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung durchsuchen, setzt Co-Konzernchef Fitschen schwer zu. Aber es hätte offenbar noch schlimmer kommen können: Medienberichten zufolge kann Fitschen erst in letzter Minute den Besuch der Staatsanwaltschaft bei ihm zu Hause verhindern.

Im Zuge der Ermittlungen um Steuerbetrug bei der Deutschen Bank sind Co-Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause einem Medienbericht zufolge nur knapp einer Razzia in ihren Privathäuser entgangen. Die Ermittler waren nach Informationen der "Bild"-Zeitung entschlossen, die Privathäuser mit einem massiven Polizeiaufgebot zu durchsuchen. Die Aktion sei den Top-Managern nur erspart geblieben, weil sie in letzter Minute volle Zusammenarbeit zugesichert hätten, heißt es in dem Bericht.

Am vergangenen Mittwoch hatten rund 500 Fahnder unter anderem die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main durchsucht. Bei den Ermittlungen geht es um Steuerhinterziehung beim Handel mit CO2-Zertifikaten. Vier Bank-Manager sitzen seither in Untersuchungshaft. Eine Freilassung vor Weihnachten ist dem Bericht zufolge unwahrscheinlich. Aus Kreisen ihre Anwälte hieß es, es sei nicht mit einem Haftprüfungstermin vor dem 27. Dezember zu rechnen. Gegen Co-Chef Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause wird ermittelt, weil sie Ende 2010 die fragliche Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten.

Nach der Razzia in der vergangenen Woche berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, das Material sei verzögert und unvollständig geliefert worden. 20.000 E-Mails seien gelöscht worden, von 9 der 40 untersuchten Mitarbeiter seien überhaupt keine Mails geliefert worden

Fitschen setzte die Razzia offenbar so zu, dass er sich zu einem Beschwerdeanruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hinreißen ließ. Die Staatskanzlei ließ jedoch mitteilen, dass sich der Ministerpräsident nicht in staatsanwaltschaftliche Ermittlungen einmischen könne. Aus der Politik kamen brüskierte Stimmen: "Niemand steht in Deutschland über dem Rechtsstaat", sagte Unionsfraktionsvizechef Michael Meister dem "Handelsblatt". "Herr Fitschen macht den Eindruck, dass er das nicht verstanden hat." Der Manager solle auch in seiner künftigen Funktion als Präsident des Bankenverbandes BdB schnell klarstellen, dass er Recht und Gesetz achte. Fitschen übernimmt den Posten im Frühjahr.

Die Deutsche Bank ist nach Medieninformationen frühzeitig von der britischen Steuerbehörde HMRC vor kriminellen Machenschaften beim Handel mit Verschmutzungsrechten gewarnt worden. Das Geldinstitut habe es aber versäumt, intern durchzugreifen und derartige Geschäfte in den eigenen Reihen zu unterbinden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Akten der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Bereits im Herbst 2009 habe die HMRC führende Vertreter der Deutschen Bank in London darauf hingewiesen, dass große Teile des Emissionshandels "mit Betrugskriminalität behaftet seien".

Quelle: n-tv.de

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